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⇱ Minister Boris Pistorius in Kanada


Verteidigungsminister Boris Pistorius ist nach Kanada gereist, um Gespräche über weitere Möglichkeiten zur Intensivierung der Verteidigungskooperation zu führen. Im Fokus der Reise steht die Ausweitung der Rüstungszusammenarbeit mit Kanada. In Ottawa besucht der Minister die Rüstungsmesse CANSEC. Seine Rede dort wird per Livestream übertragen.

Die sicherheits- und verteidigungspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Kanada ist unverzichtbar für die Verbesserung der Fähigkeiten der NATO zur Abschreckung. Ob bei gemeinsamen Missionen wie Arctic Sentry, der Absicherung der Seewege im Hohen Norden oder zukunftsweisenden Rüstungsprojekten: Die Allianz beweist, dass angesichts der globalen Herausforderungen die Verbündeten gemeinsam und entschlossen für die Stabilität des transatlantischen Raumes einstehen. 

Transatlantische Wertepartnerschaft

Deutschland und Kanada pflegen eine enge verteidigungs- und rüstungspolitische Partnerschaft, die sich 2026 auch im Jubiläum der diplomatischen Beziehungen und in verstärkter militärischer Zusammenarbeit im Nordatlantik widerspiegelt. 75 Jahre diplomatische Beziehungen zu Kanada bieten Anlass, die sicherheitspolitische Dimension dieser Partnerschaft hervorzuheben: Deutschland und Kanada teilen demokratische Werte und das gemeinsame Interesse an stabilen Seewegen im Nordatlantik und einer sicheren Arktisregion.

Uns geht es um eine strategische Partnerschaft mit Kanada. Wir wollen Seite an Seite für die Sicherheit sorgen – im Nordatlantik, dem Hohen Norden und der Arktis
Verteidigungsminister Boris Pistorius Bundeswehr/Norman Jankowski

Regelmäßige gegenseitige Besuche werden genutzt, um die militärische Zusammenarbeit zu vertiefen und neue Initiativen zu vereinbaren – auch mit weiteren Verbündeten. So hat Minister Pistorius schon im vergangenen Jahr gemeinsam mit seinem norwegischen Amtskollegen Gespräche in Kanada geführt, um die maritime Sicherheitspartnerschaft im Hohen Norden voranzubringen.

Gemeinsames Sicherheitsinteresse im Nordatlantik

Der Nordatlantik ist für die NATO eine strategisch zentrale Region. Die Freiheit der Seewege, der Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur und die Überwachung von Schifffahrtsrouten sind gemeinsame Prioritäten. Deutschland, Kanada und weitere nordische Partner bauen deshalb eine maritime Sicherheitspartnerschaft auf, die Lagebilder, Seeaufklärung und gemeinsame Übungen umfasst. Diese Kooperation stärkt die Abschreckung und die kollektive Verteidigungsfähigkeit der NATO im Hohen Norden, wo Russland seine militärische Präsenz konsequent ausbaut und China vermehrt in strategische Infrastruktur investiert. Vor diesem Hintergrund haben die militärischen Initiativen der NATO-Mitglieder eine strategische Dimension. 

Die NATO-Mission Arctic Sentry ist eine direkte Antwort auf die wachsende strategische Bedeutung der Arktis. Ziel ist der Schutz der nördlichen Bündnispartner, einschließlich Aufklärung, Seeüberwachung und Informationsaustausch. Deutschland beteiligt sich mit Luft- und Seestreitkräften und koordiniert seine Aktivitäten eng mit Kanada und anderen NATO-Partnerländern.

Mehr Rüstungskooperationen

Ergänzt wird diese enge militärische Zusammenarbeit durch gemeinsame Rüstungsprogramme. Ein wichtiger Baustein der Rüstungskooperation ist zum Beispiel die gemeinsame Entwicklung und Beschaffung neuer, hochmoderner U-Boote mit Norwegen. Ähnliche Überlegungen prägen Kanadas Beschaffungsentscheidungen zum Kauf neuer U-Boote. Deutschland und Norwegen können Interoperabilität, gemeinsame Ausbildung und abgestimmte Logistik innerhalb des Bündnisses bieten.

Die U-Boote der Klasse 212CD würden für Kanada eine überlegene Unterwasser-Kapazität bieten, erklärte Pistorius, denn die Boote seien sowohl für die Arktis geeignet und darüber hinaus auch für die Gewässer des Pazifiks. „Gemeinsam können wir die weltweit größte und modernste konventionelle U-Boot-Flotte aufbauen“, so der Minister. Mit Kanada würde die Flotte der drei beteiligten Verbündeten insgesamt bis zu 24 U-Boote umfassen.

Der Minister betonte zudem, dass das deutsch-norwegische Angebot neben der Stärkung der maritimen Fähigkeiten auch „ein kraftvolles Wirtschaftspaket mit erheblichen Investitionen“ darstelle. Das bedeute nicht nur die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen, sondern auch einen ökonomischen Mehrwert allein für Kanada in Milliardenhöhe. „Für das kanadische Bruttoinlandsprodukt würde das das einen Zuwachs von rund 86 Milliarden kanadischen Dollar bedeuten“, so Pistorius.

Rüstungsmesse: Rede im Livestream

Die Rüstungsmesse CANSEC in Ottawa ist ein wichtiges Forum für den Austausch zwischen Industrie und Politik. Dort werden Beschaffungsprojekte, Technologiepartnerschaften und industrielle Beteiligungen beraten. Für Deutschland bietet die CANSEC Chancen, deutsche Technologie und Kooperationsangebote sichtbar zu machen. Deutschland und Kanada hätten leistungsstarke, international anerkannte, erfahrene und innovative Rüstungsunternehmen, sagte Pistorius nach seiner Ankunft in der kanadischen Hauptstadt. Ziel sei, die Zusammenarbeit der Unternehmen beider Länder weiter zu verbessern. „Damit sorgen wir einerseits für mehr Sicherheit und kurbeln andererseits unsere Wirtschaft an.“ Geplant ist, dass Verteidigungsminister Pistorius auf der Messe eine Rede hält und während der CANSEC mehrere Gespräche mit kanadischen Regierungsmitgliedern führt. Die Rede des Ministers wird ab 20.00 Uhr deutscher Zeit per Livestream übertragen.

Die sicherheits- und verteidigungspolitischen Beziehungen zwischen Deutschland und Kanada sind geprägt von gemeinsamen Interessen im Nordatlantik, konkreten Aktivitäten wie Arctic Sentry und tiefgehender Rüstungskooperation. Die Reise des Verteidigungsministers bietet Anlass, die Partnerschaft zu bekräftigen und die Zusammenarbeit in Ausbildung, Beschaffung und multinationalen Einsätzen weiter auszubauen. Langfristig stärkt der Ausbau dieser engen transatlantischen Kooperation die Verteidigungsfähigkeit der gesamten Allianz. 

von Florian Manthey

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