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Die Berliner Zoll- und Akzisemauer war die Stadtmauer Berlins ab dem 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie ersetzte die mittelalterliche Berliner Stadtmauer und die spätere Festung Berlin. Die Zoll- und Akzisemauer umfasste etwa das Siebenfache der durch Festungsanlagen umschlossenen Fläche der alten Residenzstadt.

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Die Berliner Akzisemauer um 1855

Im Unterschied zu ihren Vorgängern hatte die Akzisemauer keine militärische Bedeutung, sondern diente hauptsächlich der Überwachung des Handels: An den 18 Zolltoren wurden die Akzisen, die damaligen indirekten Verbrauchssteuern auf eingeführte Waren, erhoben. Die Benennung der Tore erfolgte meist nach der von hier erreichbaren nächsten bedeutenden Stadt. Die Mauer hatte sowohl den Warenschmuggel als auch die Desertion von Soldaten der Berliner Garnison zu verhindern. Der gesamte Verkehr aus und in die Stadt wurde kontrolliert. So durften Juden die Stadt im Norden nur durch das Rosenthaler Tor (ab 1750 durch das Prenzlauer Tor) und im Süden nur durch das Hallesche Tor betreten und mussten sich dort registrieren lassen.

Palisadenbefestigung

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Plan von Dusableau, 1723 (gesüdete Karte, die nordöstlichen Vorstädte sind links unten), mit erster plastischer Darstellung der Pallisadenbefestigung

1716 wurde eine erste hölzerne Palisadenbefestigung um die Spandauer Vorstadt, die Georgenvorstadt und die Stralauer Vorstadt (nördlich und östlich der bisherigen Stadtmauer) errichtet.[1][2] Diese war ab 1716 in Berliner Plänen eingezeichnet, 1723 und 1738 sogar mit plastischen Darstellungen des Mauerverlaufes und der Tore, mit Holzpfosten und Wachhäuschen.[3] Sie diente der Erhebung von Zöllen und Akzisen bei der Einreise in diese Vorstädte von außerhalb.

Die Circumvallation verlief in einem Bogen vom Oranienburger Tor bis zum Stralauer Tor am Oberbaum nördlich der Spree, mit allen später bekannten Toren. An ihrer Innenseite verlief die neu angelegte Linienstraße (verlängert als Gollnowstraße und Weberstraße), deren Verlauf zum großen Teil erhalten ist und die diesen noch gut zeigen kann (entlang der jetzigen Torstraße und Mollstraße).[4] Lediglich das Bernauer Tor (später Königstor) war zu dieser Zeit bereits über diese Linie hinaus etwas nach Nordosten (an der jetzigen Friedenstraße) vorgeschoben. Um 1735 wurde auch das Frankfurter Tor nach Osten verschoben (ebenfalls zur jetzigen Friedenstraße). Ansonsten sind über diese Holzbefestigung keine detaillierteren schriftlichen Informationen erhalten.

Bau der Akzisemauer

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Gedenktafel, Hannoversche Straße 9, in Berlin-Mitte

Von 1734 bis 1737 wurde diese unter König Friedrich Wilhelm I. teilweise gemauert.[5] Der Verlauf wurde ab dem Prenzlauer Tor weiter nach Osten verschoben, sodass das neue Bernauische Thor nun an der jetzigen Straße am Friedrichshain, das Landsberger Tor an der Friedensstraße und das Frankfurter Tor an der Danziger Straße/Warschauer Strsße lagen.

Wie an den Stadttoren fanden auch an den Stellen, an denen die Spree den Verlauf der Akzisemauer kreuzte, Zollkontrollen statt. Dies wurde mit Hilfe von im Wasser schwimmenden Holzbalken, dem Unter- beziehungsweise Oberbaum, bewerkstelligt, mit denen die Ein- und Ausfahrt für Schiffe gesperrt werden konnte. Die Akzisemauer umfasste zum Zeitpunkt ihrer Erbauung nicht nur Berlin inklusive seiner Vorstädte, sondern vor allem im Osten und Süden auch noch große Flächen unbebauten oder landwirtschaftlich genutzten Landes.

Geschichte bis zum Abriss

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Da Berlin weiter wuchs, wurden Teile der Akzisemauer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrfach nach außen verschoben, und mit ihr wurden die Zolltore weitergerückt. Zwischen 1786 und 1802 wurden die hölzernen Teile durch eine steinerne Mauer ersetzt und die Akzisemauer insgesamt verstärkt und auf etwa vier Meter erhöht. Einige Stadttore wie das Brandenburger Tor erhielten dabei einen repräsentativen Neubau. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden vier weitere Stadttore, das Neue Tor (1832), das Anhalter Tor (1839/1840), das Köpenicker Tor am Lausitzer Platz (1842) und das Wassertor (1848).

Eben außerhalb der Stadtmauer entstanden mehrere noch heute existierende Friedhöfe, wie beispielsweise der Dorotheenstädtische Friedhof an der Chausseestraße, der Friedhof der St.-Georg-Gemeinde an der Straße Prenzlauer Berg, mehrere Friedhöfe an der Friedenstraße sowie die Friedhöfe vor dem Halleschen Tor.

Auch die ersten Bahnhöfe der im 19. Jahrhundert entstehenden Eisenbahn wurden rings um die Stadt meist außerhalb der Stadtmauer errichtet. Es handelte sich um Kopfbahnhöfe, die den Endbahnhof einer neu erbauten Eisenbahnlinie bildeten. So entstanden 1838 der Potsdamer Bahnhof direkt vor dem Potsdamer Tor, 1841 der Anhalter Bahnhof direkt vor dem zu diesem Zweck neu errichteten Anhalter Tor,[6] 1842 der Stettiner Bahnhof (am heutigen S-Bahnhof Nordbahnhof) in der Nähe des Hamburger Tores und 1846 der Hamburger Bahnhof in der Nähe des Neuen Tores. Einzige Ausnahme war der Frankfurter Bahnhof (heute: Ostbahnhof), der 1842 als Endpunkt der Berlin-Frankfurter Eisenbahn innerhalb der Akzisemauer gebaut wurde. Um diese Kopfbahnhöfe miteinander zu vernetzen, wurde 1851 die Verbindungsbahn gebaut, die allerdings nur dem Güter- und Militärverkehr diente und deren Strecke meist entlang der Akzisemauer führte. Auch die erste Berliner U-Bahn-Linie wurde zwischen 1896 und 1902 als Hochbahn entlang der später abgerissenen Akzisemauer in Kreuzberg gebaut.

Vor allem ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden außerhalb der Akzisemauer neue Vorstädte, das Berliner Stadtgebiet umfasste 1840 mehr als das Doppelte des von der Mauer umgebenen Gebietes. Als Folge davon wurden an den Zufahrtsstraßen zu Berlin teilweise weit vor den Toren der Stadt sogenannte Akzise- oder Steuerhäuser errichtet, in denen nun der Zoll bezahlt werden musste. Das einzige heute noch erhaltene Akzisehaus befindet sich etwa einen halben Kilometer vom Schlesischen Tor entfernt auf der Lohmühleninsel im Landwehrkanal. Ihrer hauptsächlichen Funktion enthoben, wurde die Akzisemauer 1860 per Dekret aufgehoben. Am 1. Januar 1861 wurde das Stadtgebiet durch Eingemeindungen noch einmal nahezu verdoppelt, es wurde erstmals in 16 Stadtbezirke gegliedert.[7] Zwischen 1867 und 1870 wurde die Akzisemauer und mit ihr fast alle Tore abgerissen.[8]

Reste nach dem Abriss

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Gedenktafel an der Stresemannstraße, Höhe Hausnummer 64, in Berlin-Kreuzberg
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In den 1980er Jahren wieder aufgebautes Stück der Akzisemauer an der Stresemannstraße 66

Nach dem Abriss blieben nur das Brandenburger Tor, das Potsdamer Tor und das Neue Tor stehen. Nur das Brandenburger Tor existiert noch in seiner alten Form einschließlich der Nebengebäude zur Zollerhebung. Das zerstörte Neue Tor wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgetragen. Das Schinkelsche Neue Potsdamer Tor (zwischen Potsdamer Platz und Leipziger Platz) wurde ebenfalls im Krieg zerstört. Die Reste wurden beim Bau der Berliner Mauer 1961 abgetragen.

James Hobrecht lieferte im Auftrag des Berliner Polizeipräsidenten nach dem Abriss der Akzisemauer und einiger Tore eine Bauleitplanung für das gesamte Berliner Stadtgebiet, die in den folgenden Jahrzehnten schrittweise umgesetzt wurde (Hobrecht-Plan). Nach Erschließungsarbeiten setzte eine rege Bautätigkeit ein, große Wohnblöcke mit Vorderhaus, Seitenflügeln und Quergebäuden entstanden. Sie gelten als die ersten Mietskasernen.[7]

Heute sind neben dem Brandenburger Tor noch Reste der Akzisemauer zu sehen. In der Hannoverschen Straße befindet sich ein unter Denkmalschutz stehendes Teilstück der Mauer, das in das Haus Nr. 9 eingebunden ist. In der Stresemannstraße wurde ein Teil der Fundamente der Akzisemauer ausgegraben und 1987 ein Teil der Mauer zu Anschauungszwecken wieder errichtet.

Lage der Akzisemauer und Stadttore

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Delius-Plan 1850, mit eingezeichneten Stadttoren

Der Verlauf der Akzisemauer war in historischen Karten von 1716 bis 1865 präzise eingezeichnet.[9] Erhalten sind nur das Brandenburger Tor, Teile des Leipziger Tores (verlegt), der Torschmuck des Oranienburger Tores, sowie ein kurzes Stück der Akzisemauer an der Hannoverschen Straße. Die Bezeichnungen der meisten Stadttore sind noch heute an Benennungen vor allem von Plätzen erkennbar. Im Uhrzeigersinn hatte die Akzisemauer die folgenden 18 Stadttore und zwei flussseitige Zufahrten:

Nördlich der Spree

Südlich der Spree

In der Nähe der Berliner Stadttore, zum Teil etwas vorgelagert, wurden ab 1860 zehn Steuerhäuser durch den Architekten Gustav Möller errichtet, um die Mahl- und Schlachtsteuer erheben zu können. Bereits 1856 entstanden nach dem Entwurf von Friedrich August Stüler am Charlottenburger Tor zwei Gebäude, die als Steuerhaus und als Chausseehaus fungierten.[8][11]

Chausseehäuser

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Noch weiter vorgelagert wurden im Verlauf der befestigten Chausseen ab 1800 Chausseehäuser in unterschiedlicher Trägerschaft errichtet. Sie hatten die Aufgabe, Chausseegelder zu erheben, mit denen der Unterhalt und Neubau der Chausseen finanziert werden sollten. Ein Beispiel hierfür ist das Chausseehaus am Bahnhof Marienfelde.

Ähnliche Bauwerke in anderen Städten

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Neben den oft festungsähnlichen Stadtmauern der Städte dienten vor dem Bau von Akzisemauern die vorgelagerten Landwehren der allgemeinen Transportkontrolle und Zollerhebung. Meist wurden diese nur mit einem Gebück verstärkt, teilweise sind jedoch auch Zäune oder Palisaden in Gebrauch gewesen wie etwa bei der Frankfurter Landwehr. Der Bau von Mauern an Zollgrenzen kam vor allem im preußischen Staat mit seinen umfassenden Landrekrutierungen auf, da diese Form der Verstärkung die Desertion von Soldaten erschwerte. Ähnliche Maueranlagen fanden sich daher mehrfach im Preußen des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Zollmauer von Potsdam, einer Residenz der preußischen Könige, wurde ab 1733 errichtet und bestand bis 1869. Deren Reste sind in den noch erhaltenen Stadttoren wie Jägertor (1733), Nauener Tor (1733/1755) und Brandenburger Tor (1733/1777) zu erkennen. Das Brandenburger Tor von Potsdam ist dabei nicht mit dem gleichnamigen Tor von Berlin zu verwechseln.

Commons: Stadtmauern in Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Stefan Hirtz, Grenzen und Stadttore von Berlin, Magisterarbeit, Berlin 2000, S. 28f., die erste Karte, die diese Pallisadengrenze enthielt, war La véritable plan de la ville Berlin von 1716 (keine digitale Darstellung vorhanden; Günter Schulz, Die Stadtpläne von Berlin, 1998, S. 105, mit kurzen Informationen über diese Karte), in der vorherigen Handzeichnung von 1712 war diese Begrenzung noch nicht eingezeichnet
  2. Friedrich Nicolai, Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, 1779, S. 49; datierte den Bau der Palisaden auch auf 1716
  3. Dusableau-Plan von 1723 und Walther-Plan von 1738 (gesüdete Karten, die Pallisadengrenze links unten); siehe auch spätere Karten von Berlin
  4. vgl. Ernst Fidicin, Berlin historisch und topographisch dargestellt, 1852, S. 92, 103, 108, mit einigen historischen Details zu den einzelnen Straßen, verwendete den Begriff Circumvallation (= Rundumwallung), aber ohne Streckenliste
  5. Hans-Jürgen Mende: Die aktuellen und historischen Namen der Straßen und Plätze von Berlin Mitte. Herausgegeben vom Luisenstädtischen Bildungsverein. Edition Luisenstadt, Berlin 2002, ISBN 3-89542-123-5, S. 267.
  6. Amtliche Bekanntmachung vom 16. August 1841, Berliner Nachrichten Nr. 195, 20. August 1841
  7. a b Hans Prang, Horst Günter Kleinschmidt: Durch Berlin zu Fuß, VEB Tourist Verlag Berlin Leipzig, 1983; Seiten 28–29
  8. a b Berlin und seine Bauten. Ernst & Korn, Berlin 1877, S.267 (archive.org [abgerufen am 30. Dezember 2024]): „Die Mehrzahl der an den Thoren befindlichen älteren Steuerhäuser ist, nach der Erweiterung des städtischen Weichbildes, gleichzeitig mit den Thoren […] und der Stadtmauer gefallen. Aus Veranlassung dieser Reform wurde ausgangs der 50er und anfangs der 60er Jahre eine Anzahl von Steuerhäusern an der neuen Weichbild-Grenze gebaut: das Steuer- und das Chausseegeld-Erheberhaus an der Charlottenburger Chaussee – Zwillingsbauten mit Tempelfacaden nach Entwürfen des Hof-Bauinspektors von Arnim – die übrigen 10 einfache Backstein-Rohbauten nach den Entwürfen des (damaligen) Bauinspektors Möller. Nach Aufhebung der Schlacht- und Mahlsteuer sind auch diese Bauten zwecklos geworden und daher zum Theil bereits an Privatleute verkauft.“
  9. Stefan Hirtz: Grenzen und Stadttore von Berlin, Magisterarbeit, Berlin 2000, S. 29ff.; über die Darstellungen der Akzisemauer ab 1716
  10. FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum: Ansichtskarte "Zollhäuschen am Schlesischen Tor". In: berlin.museum-digital.de. 24. Oktober 2024, abgerufen am 27. Dezember 2024 (Die Ansichtskarte im Museumsbestand enthält einen Ausschnitt des Fotos von F. Albert Schwartz).
  11. Akzisehindernis. Die Akzisemauer stirbt vor der Akzise. In: berlin-magazin.info. Abgerufen am 20. Dezember 2024.
  12. Steuererhebung am Straßenrand. In: flanieren-in-berlin.de. 18. April 2016, abgerufen am 30. Dezember 2024.