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Gedenken zum 40-jährigen Todestag der Balibo Five

In der nahe der Grenze zu Indonesien gelegenen osttimoresischen Kleinstadt Balibo (Balibo Vila) wurden am 16. Oktober 1975 fünf Fernsehjournalisten, die sogenannten Balibo Five, durch indonesische Soldaten ermordet. Am Tag ihres Todes filmten sie, von der alten Festung aus, den Einmarsch indonesischer Streitkräfte. Diese Einfälle Indonesiens in die damalige Kolonie Portugiesisch-Timor dienten zur Vorbereitung der eigentlichen Invasion am 7. Dezember 1975. Sie sollte einen unabhängigen Staat Osttimor verhindern.

👁 Balibo (Osttimor)
Balibo (Osttimor)
Balibo
Der Ort Balibo liegt im Westen Osttimors
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Das Fort von Balibo
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Das Bild der australischen Flagge von Greg Shackleton

Die Balibo Five waren der Neuseeländer Gary Cunningham (Kameramann) und die beiden Australier Greg Shackleton (Reporter) und Tony Stewart (Ton) vom Melbourner Sender HSV-7 (Seven Network) und die Briten Brian Peters und Malcolm Rennie vom Fernsehsender TCN-9 (Nine Network) aus Sydney.

Der damals 16-jährige FRETILIN-Soldat Manuel da Silva berichtete später, dass er mit vier anderen Männer das alte Fort in Balibo halten sollte, als die Indonesier kamen. Brian Peters und Gary Cunningham filmten vom Fort aus die Kriegsschiffe, die Balibo beschossen. Die beiden Kameramänner liefen danach vom Fort wieder hinunter zu den drei anderen Reportern bei einem kleinen chinesischen Laden.

Als der Angriff der indonesischen Spezialtruppen Tim Susi und Bataillone der zweiten Infanteriebrigade bevorstand,[1] drängte der Fretilin-Soldat Rosito Ximenes die Journalisten, sie sollen jetzt fliehen, doch sie glaubten, sie würden als ausländische Journalisten nicht in Gefahr geraten. Filmaufnahmen zeigen, wie Greg Shackleton an die Wand ihres Hauses die australische Flagge und das Wort „AUSTRALIA“ malte.

Weitere, neuere Augenzeugenberichte geben an, die Reporter seien erschossen worden, nachdem sie sich bereits ergeben hatten. Der spätere indonesische Informationsminister Mohammad Yunus Yosfiah wird beschuldigt, er habe selbst als Hauptmann der Spezialkräfte den Briten Brian Peters erschossen, wonach Yosfiahs Männer auch die drei Reporter von TCN-9 töteten. Silva sah, wie drei der Reporter von indonesischen Soldaten aus dem Haus gezerrt und auf die Straße gestoßen wurden. Silva konnte nicht erkennen, ob sie verletzt oder schon tot waren. Silva und seine Kameraden flohen dann aus Balibo. Der fünfte Reporter soll sich in einem Badezimmer verbarrikadiert haben und später auf der Flucht durch ein Messer im Rücken getötet worden sein. Yosfiah bestreitet, den „Balibo Five“ je begegnet zu sein. Verantwortlicher Offizier des Angriffs auf Balibo war Oberst Dading Kalbuadi. Yosfiah führte den Angriff.[1][2]

Das indonesische Militär rechtfertigte die Tötung der Kamerateams damit, dass die Männer Kommunisten und Sympathisanten der FRETILIN gewesen seien. Auch wurde versucht, die Tötung der FRETILIN selbst in die Schuhe zu schieben, beziehungsweise osttimoresischen Milizen, die gegen die FRETILIN kämpften. Diese waren aber am Angriff auf Balibo kaum noch beteiligt.[1] Die meisten Historiker gehen aber davon aus, dass die Reporter getötet wurden, um eine vorzeitige Entdeckung der indonesischen Einfälle zu verhindern. Der australische Reporter Roger East, der das Schicksal der Balibo Five aufklären wollte, wurde im Laufe der offenen Invasion Indonesiens in Osttimor ab dem 7. Dezember 1975 von indonesischen Soldaten gefangen genommen und hingerichtet.[3]

Die sterblichen Überreste der Balibo Five wurden verbrannt und ohne das Einverständnis ihrer Familien in Jakarta begraben. Die Witwe von Greg Shackleton, Shirley, wurde in Australien zu einer ausgesprochenen Unterstützerin für die Unabhängigkeit Osttimors. Andere Verwandte der Opfer wurden so traumatisiert, dass sie sich für viele Jahre nicht mehr mit dem Thema beschäftigten. Erst 1994 engagierte sich Maureen Tolfree, die Schwester von Brian Peters, für Osttimor, als sie von einer Demonstration gegen den Verkauf von BAE-Hawk-Kampfflugzeugen an Indonesien in ihrer Heimatstadt Bristol hörte.

Nach siebenmonatiger Verfahrensvorbereitung durch die CivPol wurden bereits 2001 internationale Haftbefehle wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen Yunus Yosfiah sowie Cristoforus da Silva und Domingos Bere ausgestellt. Die indonesische Regierung weigerte sich jedoch, laut Aussagen von Außenminister Alwi Shihab, Yunus auszuliefern.

Australische Untersuchungen von 2007

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Das Wohnhaus der Journalisten ist heute ein Museum

Ab dem 5. Februar 2007 führte das Untersuchungsgericht von New South Wales erneut Untersuchungen zum Tod von Brian Peters durch.[4] Im Januar zuvor waren Berichte in den Medien aufgetaucht, dass alte Papiere darauf hindeuten würden, dass der damalige Premierminister Australiens Gough Whitlam die Ermordung der Journalisten durch das indonesische Militär befürwortet habe. Whitlam bestritt dies. Weitere Pressemeldungen berichteten von Zeugen, die den indonesischen Militärsprechfunk abgehört hatten, auf dem gemeldet wurde: „Gemäß ihren Anweisungen wurden fünf Journalisten aufgespürt und erschossen.“[4]

Das Gericht kam in seinen Ergebnissen, die am 15. November 2007 vorgelegt wurden, zu dem Schluss, dass die Balibo Five hingerichtet wurden. Zeugenbefragungen und die Einsicht von Geheimdokumenten würden zu dem Ergebnis führen. Ein Mitglied des Untersuchungsteams forderte, dass Mohammed Yunus Yosfiah und Christoforus da Silva angeklagt werden sollten. Ersterer habe die Hinrichtung von mindestens drei Reportern angeordnet, Silva habe den fünften Journalisten erstochen.[4][5][6][7][8]

Nach Aussage eines Sprechers des indonesischen Außenministeriums Anfang März 2007 ist der Fall abgeschlossen. Die Regierung in Jakarta geht davon aus, dass die fünf in einem Kreuzfeuer getötet wurden.[9] Dies wurde im November 2007 nach Bekanntgabe der Untersuchungsergebnisse nochmals bestätigt. Der Sprecher des Außenministeriums sagte: Die Untersuchungsergebnisse „ändern die Haltung Indonesiens nicht, dass für uns der Fall abgeschlossen ist und wir bleiben weiterhin bei dem Standpunkt, dass sie [die Balibo Five] durch das damalige Kreuzfeuer der Konfliktparteien getötet wurden. Egal, was die Empfehlung des Untersuchungsgerichts ist, es wird Indonesiens Position in dieser Sache nicht ändern.“[10]

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Gedenkhain des P.E.N.Clubs in Canberra

Das so genannte „Australian Flag house“ (auch „Balibohaus“), an das die Reporter die Flagge Australiens gemalt hatten, wurde mit Mitteln des australischen Bundesstaates Victoria renoviert und zu einem Gemeindezentrum mit Kinderhort, Bücherei und Berufsausbildungszentrum ausgebaut, das 2003 eröffnet wurde. Eine Tafel am Haus erinnert an die „Balibo Five“.

Die Vorführung des australischen Films „Balibo“ von 2009 über die Balibo Five wurde, nur wenige Minuten bevor er in Indonesien Premiere haben sollte, von den indonesischen Behörden verboten.[11]

Der P.E.N.Club in Canberra pflanzte zu Gedenken der Toten mehrere Bäume zur Erinnerung.

2014 wurde Greg Shackleton postum der Colar des Ordem de Timor-Leste verliehen.[12] Gary Cunningham erhielt 2015 die Medal des Ordem de Timor-Leste.[13] Für Brian Peters gab es 2016 ebenfalls die Medal des Ordem de Timor-Leste.[14]

Seit 2016 wird in Osttimor von der Associação de Jornalistas de Timor-Leste (AJTL) der Balibo Five Award an Journalisten verliehen.[15] Der Presserat Osttimors verlieh den Balibo Five postum am 23. November 2017 den Titel „Jornalista de Mérito“ (deutsch Verdienter Journalist).[16]

Commons: Balibo Five – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b c Empfangs-, Wahrheits- und Versöhnungskommission von Osttimor (CAVR): 3: The History of the Conflict. (pdf; 1,3 MB) In: Chega!-Report. 3. Dezember 2005, abgerufen am 16. Oktober 2025 (englisch, wiedergegeben auf etan.org).
  2. Hamish McDonald: Inquest witness: I saw soldiers kill newsmen. In: The Sydney Morning Herald. 7. Februar 2007, archiviert vom Original am 5. Dezember 2024; abgerufen am 16. Oktober 2025 (englisch).
  3. Empfangs-, Wahrheits- und Versöhnungskommission von Osttimor (CAVR): 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances. (pdf; 2,4 MB) In: Chega!-Report. 3. Dezember 2005, abgerufen am 16. Oktober 2025 (englisch, wiedergegeben auf etan.org).
  4. a b c Emma Alberici: Balibo five death hearing begins. (mp3-Audio; 1 MB; 4:45 Minuten) In: ABC Local Radio. 5. Februar 2007, abgerufen am 16. Oktober 2025 (englisch, Transkript; html).
  5. Balibo journalists’ deaths: Coronial Inquest. In: Scoop. 12. November 2007, abgerufen am 16. Oktober 2025 (englisch).
  6. Investigação responsabiliza Indonésia pela morte de jornalistas. In: The West. 15. November 2007, archiviert vom Original am 22. Februar 2014; abgerufen am 16. Oktober 2025 (portugiesisch).
  7. James Grubel: Australia court urges Indonesia war crimes charges. In: Bay Ledger News Zone. 16. November 2007, archiviert vom Original am 22. Februar 2014; abgerufen am 16. Oktober 2025 (englisch).
  8. Hamish McDonald: Balibo Five share some blame: coroner. In: The Sydney Morning Herald. 17. November 2007, archiviert vom Original am 16. Oktober 2025; abgerufen am 16. Oktober 2025 (englisch).
  9. Balibo Five case closed: Indonesia. In: ETAN, 16. November 2007.
  10. Indonesia bans Balibo screening. In: ABC News. 2. Dezember 2009, archiviert vom Original am 2. Dezember 2009; abgerufen am 16. Oktober 2025 (englisch).
  11. Taur Matan Ruak: Decreto do Presidente da República n.° 25/2014 de 27 de Agosto. In: Jornal da República. 27. August 2014, abgerufen am 16. Oktober 2025 (portugiesisch).
  12. Taur Matan Ruak: Decreto do Presidente da República n.° 43/2015 de 6 de Maio. In: Jornal da República. 6. Mai 2015, abgerufen am 16. Oktober 2025 (portugiesisch).
  13. Taur Matan Ruak: Decreto do Presidente da República n.° 24/2016 de 19 de Maio. (pdf; 464 kB) In: Jornal da República. 19. Mai 2016, S. 3, abgerufen am 16. Oktober 2025 (portugiesisch).
  14. Isabel da Costa Ferreira: Gabinete da Primeira-Dama de Timor-Leste. In: Gabinete da Primeira-Dama de Timor-Leste auf Facebook. 4. April 2016, archiviert vom Original am 4. April 2016; abgerufen am 16. Oktober 2025 (portugiesisch).
  15. Virgílio da Silva Guterres: Deliberação N.º 02/2017. (pdf; 404 kB) In: Jornal da República. 23. November 2017, S. 1684, abgerufen am 16. Oktober 2025 (portugiesisch).