Billie Burke (* 7. August 1884 in Washington, D.C.; † 14. Mai 1970 in Los Angeles, Kalifornien; als Mary William Ethelbert Appleton Burke) war eine US-amerikanische Film- und Theaterschauspielerin. Sie war in den 1910er- und 1920er-Jahre ein Theaterstar am Broadway und mit dem Theaterproduzenten Florenz Ziegfeld verheiratet. Für ihre Filmrolle in Wie leben wir doch glücklich! erhielt sie 1939 eine Oscar-Nominierung als Beste Nebendarstellerin. Im selben Jahr spielte sie auch ihre heute wohl bekannteste Rolle als gute Hexe Glinda im Filmklassiker Der Zauberer von Oz.
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Billie Burke wurde als Tochter eines Komödianten in Washington geboren. Später zog sie mit ihrer Familie nach England. Sie startete im Alter von 18 Jahren ihre Bühnenkarriere in einer Londoner Aufführung des Stücks The School Girl, in dem sie neben Edna May auftrat.[1] 1907 kehrte sie in die USA zurück und gab an der Seite des Theaterstars John Drew in My Wife ihr Broadway-Debüt. Burke hatte den Ruf einer Bühnenschönheit und wirkte als Hauptdarstellerin in vorwiegend komödiantischen Stücken mit.[2] Nach ihrem Erfolg mit dem Theaterstück Suzanne (1910–1911 produziert) galt sie als Bühnenstar.[3] Zu ihren Förderern gehörte der Theaterproduzent Charles Frohman,[4] sie lernte auch den betagten Mark Twain kennen und ihr wurde von Enrico Caruso der Hof gemacht.[5] Insgesamt trat sie am Broadway bis 1944 in 27 Produktionen auf.
1914 heiratete Billie Burke den berühmten Revue- und Theater-Impresario Florenz Ziegfeld Jr., aus der Ehe kam Tochter Patricia Ziegfeld (1916–2008) zur Welt. Die Ehe mit Ziegfeld soll problematisch gewesen sein, er hatte zahlreiche Affären und es gab besonders nach dem Börsencrash 1929 finanzielle Sorgen.[4][6] Dennoch hielt die Ehe bis Ziegfelds Tod im Jahr 1932. Nach seinem Tod führte Burke die Ziegfeld-Bühnenshows in New York noch mehrere Jahre weiter, auch um Schulden ihres verstorbenen Ehemannes in Höhe von 500.000 Dollar abzutragen.[7] Das Leben von Ziegfeld wurde 1936 als oscarprämierte Filmbiografie Der große Ziegfeld verfilmt, mit Myrna Loy als Billie Burke.
Der Regisseur Thomas Ince überredete Billie Burke 1916, auch im Film aufzutreten. Für den Film Peggy bekam sie 40.000 US-Dollar, die höchste Summe, die eine Schauspielerin bis dahin als Gage für einen einzigen Film erhalten hatte. Bis 1922 drehte sie über ein Dutzend Stummfilme, zog sich dann jedoch wieder ans Theater zurück. 1932 hatte Billie Burke ihr Comeback in Hollywood als Filmmutter von Katharine Hepburn in dem Drama Eine Scheidung. In der Folge war Burke oftmals als High-Society-Lady zu sehen, etwa in Dinner um acht als statusbewusste Ehefrau eines Reeders, die regelmäßig kostspielige Dinnerpartys gibt. 1937 spielte sie in der Komödie Topper – Das blonde Gespenst eine Bankiersfrau; der Film zog zwei Fortsetzungen nach sich, an denen Burke ebenfalls mitwirkte. Auf der Oscarverleihung 1939 war sie als Beste Nebendarstellerin für ihre Leistung in der Screwball-Komödie Wie leben wir doch glücklich! nominiert. In diesem Film spielte sie eine reiche Dame, die als ihr Hobby Tramps von der Straße adoptiert. Weitere komödiantische Auftritte hatte sie etwa als Mutter einer Gaunerfamilie in Gauner mit Herz und als zerstreute Society-Lady in Der Mann, der zum Essen kam.
Ihre heute wahrscheinlich bekannteste Rolle verkörperte Burke im Jahr 1939 als Glinda, die gute Hexe des Nordens, im Filmklassiker Der Zauberer von Oz an der Seite von Judy Garland. Im Jahr zuvor hatte sie bereits Garlands Mutter im Musikfilm Everybody Sing verkörpert. Von 1943 bis 1946 spielte in ihrer eigenen Radio-Sitcom The Billie Burke Show, für die sie unter anderem mit Eddie Cantor zusammenarbeitete. Danach folgten noch weitere Radioshows mit ihr.[8] 1950 spielte sie die Schwiegermutter von Elizabeth Taylor in der Komödie Vater der Braut sowie der Fortsetzung ein Jahr später, beide Male unter Regie von Vincente Minnelli. In den 1950er-Jahren hatte Burke einige Gastrollen im Fernsehen und wirkte weiterhin in Theaterstücken mit. 1960 zog sie sich nach einer Nebenrolle als Offiziersgattin im Western Der schwarze Sergeant von John Ford ins Privatleben zurück. Insgesamt umfasst ihr filmisches Schaffen über 80 Filme sowie einige Fernsehproduktionen.
Burkes Markenzeichen als Schauspielerin war ihre außergewöhnlich hohe Stimme.[9] Sie starb 1970 im Alter von 85 Jahren und liegt auf dem Kensico Cemetery in New York bestattet.
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1939: Nominierung als Beste Nebendarstellerin für Uns geht's ja prächtig auf der Oscarverleihung 1939
- 1960: Stern auf dem Hollywood Walk of Fame für ihre Filmarbeit
2015 wurde der Krater Burke auf dem Merkur nach ihr benannt.[10]
Filmografie (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1916: Peggy
- 1917: The Land of Promise
- 1919: Sadie Love
- 1921: The Education of Elizabeth
- 1932: Eine Scheidung (A Bill of Divorcement)
- 1933: Dinner um acht (Dinner at Eight)
- 1933: Christopher Strong
- 1934: Eine Frau vergisst nicht (Only Yesterday)
- 1934: Where Sinners Met
- 1934: Heirate nie beim ersten Mal (Forsaking All Others)
- 1935: Nach Büroschluss (After Office Hours)
- 1935: Jahrmarkt der Eitelkeiten (Becky Sharp)
- 1935: Ein Arzt für alle Fälle (Society Doctor)
- 1936: Craig’s Wife
- 1936: Wenn der Vater mit dem Sohne (Piccadilly Jim)
- 1937: Seekadetten (Navy Blue and Gold)
- 1937: Die Braut trug Rot (The Bride Wore Red)
- 1937: Topper – Das blonde Gespenst (Topper)
- 1937: Seekadetten (Navy Blue and Gold)
- 1938: Wie leben wir doch glücklich! (Merrily We Live)
- 1938: Topper geht auf Reisen (Topper Takes a Trip)
- 1938: Gauner mit Herz (The Young in Heart)
- 1939: Der Zauberer von Oz (The Wizard of Oz)
- 1939: Remember?
- 1939: Zenobia, der Jahrmarktselefant (Zenobia)
- 1939: Zauberer der Liebe (Eternally Yours)
- 1940: Irene
- 1941: Topper 2 – Das Gespensterschloß (Topper Returns)
- 1942: Ich will mein Leben leben (In This Our Life)
- 1942: Der Mann, der zum Essen kam (The Man Who Came to Dinner)
- 1942: What's Cookin'
- 1942: Ein Kuß zuviel (They All Kissed the Bride)
- 1943: Hi Diddle Diddle
- 1949: Zwei Männer und drei Babies (And Baby Makes Three)
- 1949: Tänzer vom Broadway (The Barkeleys from Broadway)
- 1950: Vater der Braut (Father of the Bride)
- 1950: Three Husbands
- 1951: Ein Geschenk des Himmels (Father’s Little Dividend)
- 1953: Small Town Girl
- 1959: Der Mann aus Philadelphia (The Young Philadelphians)
- 1960: 77 Sunset Strip (Fernsehserie, Folge 2x12)
- 1960: Pepe – Was kann die Welt schon kosten (Pepe)
- 1960: Der schwarze Sergeant (Sergeant Rutledge)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Billie Burke bei IMDb
- Billie Burke in der Internet Broadway Database (englisch)
- Hal Erickson: Billie Burke (Memento vom 17. November 2019 im Internet Archive) bei AllMovie (englisch)
- Billie Burke In: Virtual History (englisch)
- Billie Burke in der Datenbank Find a GraveVorlage:Findagrave/Wartung/Gleiche Kenner im Quelltext und in Wikidata
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ “The School Girl”. A Hit. In: The New York Times, 10. Mai 1903.
- ↑ Billie Burkes Nachruf in der New York Times
- ↑ David J. Hogan: The Wizard of Oz FAQ: All That's Left to Know About Life, According to Oz. Hal Leonard Corporation, 2014, ISBN 978-1-4803-9719-4 (google.de [abgerufen am 13. Januar 2026]).
- ↑ a b Beschreibung der Theaterkarriere Burkes
- ↑ Billie Burke Dead; Movie Comedienne (Published 1970). 16. Mai 1970 (nytimes.com [abgerufen am 13. Januar 2026]).
- ↑ Nancy Rubin Stuart: Missing in History: Billie Burke’s Tumultuous Relationship with Florenz Ziegfeld. In: The Saturday Evening Post. 29. Juli 2025, abgerufen am 13. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ David J. Hogan: The Wizard of Oz FAQ: All That's Left to Know About Life, According to Oz. Hal Leonard Corporation, 2014, ISBN 978-1-4803-9719-4 (google.de [abgerufen am 13. Januar 2026]).
- ↑ Grant Hayter-Menzies: Mrs. Ziegfeld: The Public and Private Lives of Billie Burke. McFarland, 2009, ISBN 978-0-7864-5308-5 (google.de [abgerufen am 13. Januar 2026]).
- ↑ Billie Burke Glinda the Good Witch actress had an unusual voice during The Wizard of Oz. Abgerufen am 13. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Planetary Names. Abgerufen am 13. Januar 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Burke, Billie |
| ALTERNATIVNAMEN | Burke, Mary William Ethelbert Appleton |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische Schauspielerin |
| GEBURTSDATUM | 7. August 1884 |
| GEBURTSORT | Washington, D.C. |
| STERBEDATUM | 14. Mai 1970 |
| STERBEORT | Los Angeles, Kalifornien |
