Demmelsdorf Stadt Scheßlitz
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|---|---|
| Koordinaten: | 49° 58′ N, 11° 4′ O |
| Höhe: | 346 m ü. NHN |
| Fläche: | 1,76 km²[1] |
| Einwohner: | 297 (30. Sep. 2025)[2] |
| Bevölkerungsdichte: | 169 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Mai 1978 |
| Postleitzahl: | 96110 |
| Vorwahl: | 09542 |
Demmelsdorf ist ein Gemeindeteil der Stadt Scheßlitz im oberfränkischen Landkreis Bamberg in Bayern..[3] Die Gemarkung Demmelsdorf hat eine Fläche von 1,759 km². Sie ist in 520 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3383 m² haben.[1][4]
Geografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Dorf liegt am Seierbach, einem linken Zufluss des Leitenbachs und ist von Acker- und Grünland umgeben. In Richtung Osten steigt das Gelände zu einer Hochebene der Fränkischen Alb an. Dort befindet sich noch ein gut erhaltener Judenfriedhof. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Scheßlitz zur Staatsstraße 2187 (1,5 km westlich), nach Zeckendorf ebenfalls zur St 2187 (1,2 km südlich) und die Bundesstraße 22 kreuzend und die Bundesautobahn 70 unterquerend nach Schlappenreuth (1,7 km nördlich).[5]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Beim Bau einer Überlandwasserleitung fand man im Jahr 1983 zwischen Scheßlitz und Demmelsdorf das Grab einer keltischen Fürstin aus der späten Hallstattzeit. Sie war in einem Wagengrab bestattet worden, von dem eiserne Radfelgen und Bronzebeschläge gefunden wurden. Auch zahlreiche Bronzeschmuckstücke wie Halsringe, Ohrringe und ein goldener Spiralring für das Haar konnten geborgen werden.[6][7]
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Demmelsdorf aus 25 Anwesen und einem Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Scheßlitz aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Amt Scheßlitz. Grundherren waren
- das Amt Scheßlitz: 2 Söldenhäuser;
- die Pfarrei Scheßlitz: 1 Wohnhaus, 2 Söldengütlein;
- die Maria-Magdalena-Pfründe Burgellern: 1 Sölde, 2 Häuslein;
- die Grafen von Giech zu Thurnau: 1 Halbgut, 2 Gütlein, 1 Söldenhaus, 1 Mahlmühle – 1 Sölde, 3 Gütlein, 1 Wohnhaus, 4 Tropfhäuslein (=Rackensteiner Mann- und Zinslehen) – 1 Judenschule, 1 Gut, 1 Tropfhäuslein.[8]
Im Jahre 1802 kam Demmelsdorf an das Kurfürstentum Bayern. Im Zuge des Gemeindeedikts wurde Demmelsdorf dem 1811 gebildeten Steuerdistrikt Zeckendorf zugewiesen. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt 1818 entstand die Ruralgemeinde Demmelsdorf. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Scheßlitz zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Scheßlitz (1919 in Finanzamt Scheßlitz umbenannt, ab 1928 Finanzamt Bamberg-Land). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 21 Anwesen bis 1848 dem Patrimonialgericht Wiesentfels. Ab 1862 war das neu gebildete Bezirksamt Bamberg I für die Verwaltung zuständig, mit dessen Auflösung im Jahr 1929 ist es das Bezirksamt Bamberg (1939 in Landkreis Bamberg umbenannt). Die Gerichtsbarkeit lag weiterhin beim Landgericht Scheßlitz (1880 in Amtsgericht Scheßlitz umbenannt, seit 1932 Amtsgericht Bamberg).[9] Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 1,766 km².[10]
Während des Novemberpogroms 1938 wurde das Innere der Synagoge durch SA-Angehörige aus Bamberg erheblich zerstört. Anschließend fanden im Dorf Plünderungen unter aktiver Beteiligung der Einwohner statt. Einige jüdische Männer wurden inhaftiert und zusammen mit Juden von Nachbardörfern ins Gefängnis von Bamberg gebracht. Auf Anordnung des Bamberger Landrats wurde die Synagoge völlig abgebrochen und das Grundstück beschlagnahmt; für den Abbruch stellte man der jüdischen Gemeinde 70 Reichsmark in Rechnung. Auf dem Gelände wurde ein Feuerwehrgerätehaus errichtet.[11]
Im April 1942 wurden die letzten 14 noch in Demmelsdorf verbliebenen Juden via Bamberg nach Izbica bei Lublin deportiert. Namentlich sind insgesamt 35 Angehörige der jüdischen Gemeinde von Demmelsdorf bekannt, die Opfer der Shoa geworden sind.
Am 1. Mai 1978 wurde Demmelsdorf im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Scheßlitz eingegliedert.[12][13]
Baudenkmäler
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Demmelsdorf gibt es fünf Baudenkmäler:[7]
- Benno-Schmitt-Straße 02: Wohnhaus
- Benno-Schmitt-Straße 10: Wohnstallbau
- Benno-Schmitt-Straße 15: Kapelle St. Wendelin
- Benno-Schmitt-Straße 18: Bauernhaus
- Benno-Schmitt-Straße 22: Gasthaus Schmidt
Bodendenkmäler
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der Gemarkung Demmelsdorf gibt es zwei Bodendenkmäler.[7]
Einwohnerentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Jahr | 1818 | 1840 | 1852 | 1855 | 1861 | 1867 | 1871 | 1875 | 1880 | 1885 | 1890 | 1895 | 1900 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 223 | 237 | 212 | 214 | 209 | 200 | 199 | 170 | 193 | 198 | 218 | 217 | 216 |
| Häuser[14] | 26 | 43 | 36 | 31 | 32 | ||||||||
| Quelle | [9] | [15] | [15] | [15] | [16] | [17] | [18] | [19] | [20] | [21] | [22] | [15] | [23] |
| Jahr | 1905 | 1910 | 1919 | 1925 | 1933 | 1939 | 1946 | 1950 | 1952 | 1961 | 1970 | 1987 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 183 | 189 | 176 | 167 | 172 | 155 | 228 | 222 | 216 | 199 | 221 | 243 | *297 |
| Häuser[14] | 35 | 33 | 34 | 63 | |||||||||
| Quelle | [15] | [24] | [15] | [25] | [26] | [26] | [26] | [27] | [26] | [10] | [28] | [29] | [2] |
Religion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Demmelsdorf ist römisch-katholisch geprägt und bis heute nach St. Kilian (Scheßlitz) gepfarrt.[8][10] Das Dorf hatte bis zur Zeit des Nationalsozialismus eine starke jüdische Bevölkerung.
Bildergalerie
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Innenraum mit Gedenktafel
-
Naturfreundehaus
-
Haus an der Durchgangsstraße
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Johann Kaspar Bundschuh: Demmelsdorf. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band1: A–Ei. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1799, DNB 790364298, OCLC 833753073, Sp.581 (Digitalisat).
- Georg Paul Hönn: Demmelsdorf. In: Lexicon Topographicum des Fränkischen Craises. Johann Georg Lochner, Frankfurt und Leipzig 1747, OCLC 257558613, S.14 (Digitalisat).
- Hildegard Weiß: Stadt- und Landkreis Bamberg (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 21). Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1974, ISBN 3-7696-9884-3.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ortsteile > Demmelsdorf. In: schesslitz.de. Abgerufen am 17. Dezember 2025.
- Demmelsdorf in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 13. März 2023.
- Demmelsdorf in der Topographia Franconiae der Uni Würzburg, abgerufen am 17. Dezember 2025.
- Demmelsdorf im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie, abgerufen am 17. Dezember 2025.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ a b Gemarkung Demmelsdorf (092135). In: geoindex.io. Geoindex Aktiengesellschaft, abgerufen am 17. Dezember 2025.
- ↑ a b Einwohnerzahlen nach Stadtteilen. In: schesslitz.de. Abgerufen am 17. Dezember 2025.
- ↑ Stadt Scheßlitz, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 23. Dezember 2024.
- ↑ Webkarte. ALKIS®-Verwaltungsgrenzen - Gemarkungen. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 17. Dezember 2025.
- ↑ Ortskarte 1:10.000. Darstellung mit Schummerung. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 17. Dezember 2025 (Entfernungsangaben entsprechen gemessener Luftlinie).
- ↑ Die Ausgrabungen bei Demmelsdorf
- ↑ a b c Denkmalliste für Scheßlitz (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
- ↑ a b W. Weiß: Bamberg, S. 115.
- ↑ a b W. Weiß: Bamberg, S. 238.
- ↑ a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, OCLC 230947413, Abschnitt II, Sp.644 (Digitalisat).
- ↑ Klaus-Dieter Alicke: Demmelsdorf (Oberfranken/Bayern). In: Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum. Abgerufen am 18. Februar 2025.
- ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S.672 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1MB]).
- ↑ Scheßlitz > Politische Einteilung. In: wiki.genealogy.net. Verein für Computergenealogie, abgerufen am 23. Dezember 2024.
- ↑ a b Es sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 und von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet.
- ↑ a b c d e f Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, OCLC 311071516, S.136, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
- ↑ Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, OCLC 457951812, Sp.831, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
- ↑ Kgl. statistisches Bureau (Hrsg.): Verzeichniß der Gemeinden des Königreichs Bayern nach dem Stande der Bevölkerung im Dezember 1867. XXI. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Ackermann, München 1869, S.127 (Digitalisat).
- ↑ Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, OCLC 183234026, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp.1001, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
- ↑ K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Hergestellt auf Grund der neuen Organisation der Regierungsbezirke, Bezirksämter und Gerichtsbezirke. Nachtrag zum Heft 36 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1879, OCLC 992516308, S.48 (Digitalisat).
- ↑ K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Heft 35 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1882, OCLC 460588127, S.139 (Digitalisat).
- ↑ K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, OCLC 1367926131, Abschnitt III, Sp.947 (Digitalisat).
- ↑ K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern : Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dez. 1890. Heft 58 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1892, OCLC 162230561, S.139 (Digitalisat).
- ↑ K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, DNB 361988931, OCLC 556534974, Abschnitt II, Sp.991 (Digitalisat).
- ↑ K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichnis für das Königreich Bayern Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand vom 1. Juli 1911. Heft 84 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1911, OCLC 162230664, S.139 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, DNB 361988923, OCLC 215857246, Abschnitt II, Sp.1013 (Digitalisat).
- ↑ a b c d Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, OCLC 311071516, S.134, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, OCLC 183218794, Abschnitt II, Sp.874 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, OCLC 220710116, S.146 (Digitalisat).
- ↑ Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, OCLC 231287364, S.291 (Digitalisat).
