| Magna PT | |
|---|---|
| Rechtsform | B.V. & Co. KG |
| Gründung | 1935 als Hermann Hagenmeyer AG |
| Auflösung | 1. Juni 2021 |
| Sitz | Untergruppenbach, Deutschland👁 Image Deutschland |
| Leitung | Tom Rucker |
| Mitarbeiterzahl | 3.574 (2018) |
| Umsatz | 1,4 Milliarden EUR (2018) |
| Branche | Automobilzulieferer |
| Website | Magna Powertrain |
Magna PT B.V. & Co. KG (bis 2018: Getrag) mit Sitz in Untergruppenbach ist ein deutscher Hersteller von Getrieben und Getriebekomponenten für PKW und leichten Nutzfahrzeugen und ab 2015 Teil des kanadisch-österreichischen Konzerns Magna International. Die Abkürzung PT steht für Powertrain. Das Unternehmen stellt neben handgeschalteten Getrieben und automatisierten Schaltgetrieben auch Doppelkupplungsgetriebe her und ist bei letzteren globaler Marktführer. Hinzu kommen Getriebe für Hybridfahrzeuge. Hauptkonkurrenten sind ZF Friedrichshafen, das zum Toyota-Konzern gehörende Aisin Seiki und Jatco.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 1. Mai 1935 wurde das Unternehmen in Ludwigsburg von Hermann Hagenmeyer als Getriebe- und Zahnradfabrik Hermann Hagenmeyer AG gegründet. Hagenmeyer, der einer Schweinfurter Brauereifamilie entstammte, hatte als 21-Jähriger die Pfeiffer Getriebewerke in Ludwigsburg gekauft, um sich selbstständig zu machen. Mit dem von Pfeiffer übernommenen kleinen Kundenstamm liefen die Geschäfte gut an, sodass für das Jahr 1935 bereits ein Umsatz von 355.000 Reichsmark ausgewiesen werden konnte. Mit 77 Mitarbeitern produzierte Hagenmeyer zunächst Drei- und später auch Vierganggetriebe für Motorräder. 1936 baute er für das „Rollfix“-Dreirad, einen Kleinlieferwagen mit 200-cm³-Motor, sein erstes Getriebe mit Rückwärtsgang. Schwerpunkt des Unternehmens, dessen Mitarbeiterzahl bis 1939 auf 230 angestiegen war, blieben jedoch Motorradgetriebe. Während des Zweiten Weltkrieges war Getrag dem Reichsluftfahrtministerium unterstellt und fertigte vorwiegend Zahn- und Antriebsräder für Zahnradpumpen. Die Produktion endete am 20. April 1945, konnte jedoch nach Kriegsende mit 100 Leuten wieder aufgenommen werden.[1]
Das Unternehmen wurde 1951 in eine GmbH umgewandelt. Am 19. April 1982 starb Hermann Hagenmeyer, und sein Sohn Tobias Hagenmeyer übernahm die Leitung. Im Jahr 2001 wurde die Getrag Ford Transmissions GmbH, Köln als 50:50 Joint Venture zwischen Getrag und Ford of Europe mit drei Produktionsstätten in Deutschland, Frankreich und Großbritannien gegründet. 2007 wurde das Joint Venture Getrag (Jiangxi) Transmission Co. Ltd zwischen der Getrag und der Jiangling Motors Company Group gegründet. Während der Wirtschaftskrise 2009 wurde das Unternehmen mit einer Bürgschaft des Landes Baden-Württemberg gestützt, um die Arbeitsplätze zu erhalten.[2] Im Jahr 2011 veräußerte Getrag das Antriebsstrang-Geschäft bestehend aus den Tochterunternehmen Getrag Corporation (USA) und Getrag All Wheel Drive AB (Schweden) an die britische GKN.[3] Im Oktober 2012 wurde ein Joint Venture zwischen Getrag und der Dongfeng Motor Corporation gegründet.
Dongfeng Getrag Transmissions sollte Ende 2015 mit der Produktion von Getrieben in Wuhan beginnen. Mit einer Produktion von 3,9 Millionen Getrieben pro Jahr (Stand 2015, inkl. Joint Ventures) war Getrag einer der größten Getriebeproduzenten der Welt.[4] Im Juli 2015 gab Getrag bekannt, dass es vollkommen vom kanadisch-österreichischen Magna-Konzern übernommen wird.[5] Die Übernahme wurde zum Jahresende 2015 abgeschlossen. Der Kaufpreis betrug ca. 1,75 Mrd. Euro, was unter Berücksichtigung der übernommenen Pensionsverbindlichkeiten einem Unternehmenswert von ca. 2,45 Mrd. Euro entsprach.[6]
Am 26. Januar 2024 gab Magna Powertrain bekannt, dass der Entwicklungsstandort in Köln bis Ende Juni 2024 geschlossen wird.[7][8][9] Aufgrund der fortschreitenden Transformation der Automobilindustrie und wirtschaftlicher Unrentabilität werden 200 bis 300 Beschäftigte von der Schließung betroffen sein.[7][8][9]
Am 12. Februar 2026 wurde bekannt, dass das Magna-Powertrain-Werk in Rosenberg (Baden) endgültig geschlossen wird.[10][11] Rund 220 Beschäftigte verlieren ihre Arbeitsplätze, nachdem Verkaufsgespräche mit einem Investor gescheitert waren.[10][11] Magna PT begründete die Entscheidung mit der fehlenden langfristigen Wirtschaftlichkeit des Standorts, während Gewerkschaft und Betriebsrat nach eigenen Angaben unzureichende Bemühungen um alternative Lösungen kritisierten.[10][11]
Kennzahlen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- produzierte Getriebe: 3.614.000 (2012), 3.891.000 (2013), 3.908.000 (2016)
- Umsatz: 3,0 Milliarden Euro (2012)
- 22 Produktions- und Entwicklungsstandorte
- Mitarbeiter insgesamt: 12.820 (2012), 14.000 (2015), 13.500 (2016)
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Bernd Eckl, Claudia Rath, Günter Rühle, Martin Günter: Home of Transmissions. Getrag International, Untergruppenbach 2015.
- ↑ Magna/Getrag, Wiener Zeitung, 7. Januar 2016, S. 27
- ↑ GKN completes acquisition of Getrag's powertrain division. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 24. September 2015; abgerufen am 2. August 2024.
- ↑ Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
- ↑ Claus Huisgen: Getrag stellt sich mit Magna optimal für die Zukunft auf. In: getrag.com. Getrag International GmbH, Untergruppenbach, 16. Juli 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 15. Juli 2016; abgerufen am 15. Januar 2019 (Pressemitteilung).
- ↑ Hengeler-Müller. Ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 10. September 2024.@1@2Vorlage:Toter Link/www.hengeler.com (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive (T))
- ↑ a b Ralf Arenz: Autozulieferer: Magna gibt Standort in Köln auf – mehr als 200 Mitarbeitende betroffen. In: Rundschau-online.de. Kölnischen Zeitung GmbH & Co. KG, Köln, 26. Januar 2024, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 26. Januar 2024; abgerufen am 2. August 2024.
- ↑ a b Christian Gleichauf: Magna-Standort schließt – auch Mitarbeiter in Untergruppenbach werden nervös. In: Stimme.de. Heilbronner Stimme GmbH & Co. KG, Heilbronn, 30. Januar 2024, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 17. November 2025; abgerufen am 2. August 2024.
- ↑ a b Mitarbeitende von Magna Powertrain protestieren heute. In: radiokoeln.de. Radio Köln GmbH & Co. KG, Köln, 24. April 2024, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 11. Mai 2024; abgerufen am 2. August 2024.
- ↑ a b c Jürgen Paul: Magna schließt Werk in Rosenberg endgültig – 220 Mitarbeiter verlieren Job. In: Stimme.de. Heilbronner Stimme, Heilbronn, 12. Februar 2026, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. Februar 2026; abgerufen am 12. Februar 2026.
- ↑ a b c Andreas Hanel: Keine Alternative gefunden: Magna-Standort in Rosenberg wird geschlossen. In: rnz.de. Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberg, 12. Februar 2026, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. Februar 2026; abgerufen am 12. Februar 2026.
