Die Halde Haniel ist eine Bergehalde auf der Grenze von Bottrop und Oberhausen-Königshardt, wobei sich der höchste Punkt in Bottrop befindet. Mit einer Gipfelhöhe von 184 m ü. M. und einer Schartenhöhe von 118 Metern ist sie einer der höchsten Bergehalden des Ruhrgebiets.[1] Sie bedeckt eine Fläche von 109,54 Hektaren und wurde in Form zweier Spiralen durch Abraum der Steinkohlezeche Prosper-Haniel und der Zeche Osterfeld aufgetürmt.[2] Im Norden schließt sich die Halde Schöttelheide an. Die Halde ist Teil der Route der Industriekultur und bietet die Aussicht auf die nahegelegenen Anlagen des früheren Bergwerks Prosper-Haniel und das nordwestliche Ruhrgebiet.
Die Halde befindet sich seit Herbst 2025 im Umbau und soll 2026 wieder ohne Einschränkungen zugänglich sein.[3] Ein Eigentumswechsel von der Bergaufsicht der RAG Aktiengesellschaft zum Regionalverband Ruhr (RVR) ist für 2035 geplant.[4]
Kultivierung und Nutzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kreuzweg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf dem Plateau der südlichen Spirale wurde 1992 das Gipfelkreuz aufgestellt, das anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul II. am 2. Mai 1987 von Auszubildenden des Bergwerkes aus Spurlatten angefertigt und durch Bischof Franz Hengsbach am Karfreitag desselben Jahres gesegnet wurde. Es ist Teil eines Kreuzwegs mit 15 Stationen, der am Kleekamp beginnt, und markierte eine Zeitlang zugleich die Haldenspitze als Landmarke. Durch weitere Anschüttungen in der Folgezeit nördlich des Kreuzes ist das Plateau heute nicht mehr der höchste Punkt. Der von Tisa von der Schulenburg und Adolf Radecki gestaltete Kreuzweg wurde 1995 durch Bischof Hubert Luthe eingeweiht. Hier finden karfreitags regelmäßig Prozessionen statt. Kombiniert ist der Kreuzweg mit einem Bergbaulehrpfad mit typischen Maschinen und Geräten aus dem Bergbau.
Kunstinstallationen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2002 wurde die Installation Totems vom baskischen Maler und Bildhauer Agustín Ibarrola aus über einhundert Eisenbahnschwellen geschaffen. Die Arbeit verbindet die „scheinbaren Gegensätze von Industrieraum und Natur“ (Aussage des Künstlers). 2007 wurde die auch als Windkamm bezeichnete Installation aufgearbeitet und umgesetzt. Heute stehen die Schwellen am Rande einer sichelförmigen Anhöhe, die auch den höchsten Punkt der Halde und den Windschutz für die ehemalige Bergarena darstellt.
Im Sommer 2022 wurden die Totems für ein Fotokunstprojekt der Fotografen Torsten Thies und Jens Herre illuminiert.[5]
Bergarena
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Neben dem Holzkreuz befand sich auf 126 m ü. M. ein im Vollkreis angelegtes Amphitheater mit 800 Plätzen, genannt Bergarena. Dort wurden unter anderem wurden die Stücke Jedermann (1999), Ein Sommernachtstraum (2001), Die Dreigroschenoper (2002) und Cabaret (2003) aufgeführt.
Anlässlich des Projekts „RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas“ fand in der Bergarena eine Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Oper Aida unter der künstlerischen Leitung des Bottroper Regisseurs Thomas Grandoch statt.[6] 2016 inszenierte Grandoch am selben Ort die Oper Der fliegende Holländer von Richard Wagner.
2022 wurden Teile des Musikvideos zu der Hymne der Deutschen Fußballnationalmannschaft der Frauen zur Fußball-Europameisterschaft der Frauen 2022 Next Generation mit der Sängerin SVRCINA sowie einigen Spielerinnen in der Bergarena gedreht.[7]
Die Bergarena wurde im Februar 2026 abgerissen, da die Standfestigkeit durch Erosion nicht mehr gewährleistet war und der Stadt Bottrop die Finanzen für eine Sanierung fehlte.[8]
Flora und Fauna
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Durch die Stilllegung und Renaturierung der Halde konnten sich viele Tier- und Pflanzenarten auf dem brachfallenden Gebiet ansiedeln. Am Fuß der Halde findet sich ein für die Region typischer Laubwald, welcher sich mit zunehmender Höhe mit Nadelhölzern mischt. Darin wachsen unter anderem Brombeeren, Farne und Wildrosen. Die höchsten Ebenen der Halde werden von Gras und vereinzelten Pionierpflanzen wie Kamillen bewachsen.
Zur Faunengemeinschaft gehören neben unterschiedlichen Hautflüglern auch Turmfalken, Erdkröten, Mauereidechsen und Wildkaninchen. Einige der dort anzutreffenden Tierarten sind in Nordrhein-Westfalen mittlerweile in ihren Beständen gefährdet.
Fossilien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der auf der Halde Haniel abgeladene Abraum aus dem Steinkohle-Bergbau stammt aus den Schichten des Karbon und enthält daher teilweise fossile Abdrücke von Pflanzen aus jenem Zeitalter.
Galerie
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Amphitheater unterhalb der höchsten Kante der Halde Haniel
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Amphitheater auf der Halde Haniel
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Stelen auf der Halde Haniel
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Lichtinstallation der Fotografen Torsten Thies und Jens Herre
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Kunstinstallation auf der Halde Haniel
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Das Gipfelkreuz
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Das Amphitheater mit Stelen im Vordergrund
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Das Amphitheater mit Blick auf die Stelen
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Wolfgang Berke: Über alle Berge. Der definitive Haldenführer Ruhrgebiet. Klartext Verlag, Essen 2009, ISBN 978-3-8375-0170-4, S. 134ff.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ RVR Regionalverband Ruhr, Haldenportal
- ↑ https://www.oberhausen-osterfeld.de/osterfeld/bergbau/zeche-osterfeld-3
- ↑ NRW-Attraktion verschwindet für immer – Landmarke schrumpft um 4 Meter. In: ruhr24.de. 12. November 2024, abgerufen am 16. Februar 2025.
- ↑ Andrea Groß: Eigentümer der Bottroper Halde Haniel startet mit Bauarbeiten. 8. April 2025, abgerufen am 17. Juli 2025 (deutsch).
- ↑ Ruhrbarone: Alte Motive im neuen Glanz - Lichtinstallation auf Haniel. 25. Oktober 2022, abgerufen am 31. Oktober 2022 (deutsch).
- ↑ Der Westen: Keine Produktion zweiter Klasse. In: Der Westen. 25. Februar 2009, archiviert vom Original am 17. Mai 2016;.
- ↑ SVRCINA - NEXT GENERATION. Abgerufen am 17. Juli 2025 (englisch).
- ↑ Die Halde Haniel in Bottrop wird aktuell saniert. Dafür wurde die Bergarena abgerissen. 26. Februar 2026, abgerufen am 24. März 2026.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Beschreibung dieser Sehenswürdigkeit und Panoramapunkt auf der Route der Industriekultur
- Halde Haniel auf www.ruhrgebiet-industriekultur.de
- RAG: Steinkohle - Mitarbeitermagazin der RAG Extra-Ausgabe zur Fördereinstellung des Bergwerks Prosper-Haniel (PDF; 10,5 MB)
Koordinaten: 51° 33′ 1,5″ N, 6° 52′ 32,8″ O
