Ein Wahneinfall (engl. delusional intuition) ist ein psychopathologisches Symptom. Es tritt also bei psychiatrischen Erkrankungen auf. Es handelt sich um spontane, neu auftretende wahnhafte Überzeugungen, denen keine Wahrnehmung vorausging. Wie bei anderen wahnhaften Symptomen ist bei voller Ausprägung der Erkrankung die wahnhafte Meinung unkorrigierbar; die Richtigkeit der Meinung ist dem Patienten evident.
Vorkommen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Symptom kommt bei allen Psychosen vor; bei Schizophrenie gilt es nur als Symptom 2. Ranges (Symptome der Schizophrenie nach Schneider). Es kann aus einer Wahnstimmung heraus entstehen.[1]
Beschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es treten Einfälle der religiösen oder politischen Berufung, der besonderen Fähigkeit, Verfolgung oder des Geliebtseins ins Bewusstsein.[2] Es handelt sich um einen eingliedrigen Vorgang: der erste Denkakt enthält bereits den Wahn (anders also als bei Wahnwahrnehmungen).
Die Bezeichnung ist oft synonym verwendet mit (plötzlich einfallenden, länger anhaltenden) Wahnideen: Ein Patient ruft z. B. beim Essen plötzlich: "Das Essen ist vergiftet". (Wahneinfall). "Ich bin Gottes Sohn" (Wahnidee).[3]
Beispiele
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]"Heute morgen ist mir plötzlich der Gedanke gekommen, dass mein Sohn gar nicht von mir stammt."[4] Oder im Gespräch beschuldigt der Patient, der unter einem Verfolgungswahn leidet, den Untersucher plötzlich, auch zu den Verfolgern zu gehören.
Diagnostik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Symptom wird in der psychiatrischen Untersuchung, im Gespräch zwischen Arzt und Patient, diagnostiziert. Es wird nicht immer ohne weiteres vom Patienten ohne Aufforderung berichtet. Man kann dann z. B. folgende Frage stellen: "Haben Sie sich in letzter Zeit Gedanken gemacht, dass irgend etwas um Sie herum nicht stimmt?" Zur Abgrenzung von Wahngedanken: "Ist Ihnen dieser Gedanke gerade eben gekommen oder kennen Sie ihn schon länger?"[5]
Abgrenzung (Differentialdiagnose)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wahnwahrnehmungen: An sich richtigen Wahrnehmungen werden wahnhafte Bedeutungen zugeschrieben.
Illusionen: verfälschte Wahrnehmungen. Es bestehen Wahrnehmungen, die aber inkorrekt sind.
Wahngedanken: verfestigte, länger bestehende wahnhafte Gedanken.
Zwangsgedanken: Der Patient erkennt diese meist als krankhaft und unsinnig und leidet darunter.
Halluzinationen: sind Sinneswahrnehmungen, keine Gedanken.
Behandlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Diese erfolgt im Rahmen der Behandlung der psychotischen Erkrankung. Mit dem Behandlungsfortschritt treten die Wahneinfälle wie andere psychotische Symptome zuerst in den Hintergrund und verschwinden dann allmählich.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das AMDP-System (Manual zur Dokumentation des psychischen Befundes), 11. Aufl. 2023, hogrefe ISBN 978-3-8017-3193-9.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Christian Scharfetter: Allgemeine Psychopathologie. 8. Auflage. Thieme, Stuttgart New York 2017, ISBN 978-3-13-243844-6, S.214.
- ↑ Uwe Henrik Peters: Lexikon Psychiatrie. 7. Auflage. Elsevier, München 2017, ISBN 978-3-437-15063-0, S.663.
- ↑ Dieter Ebert: Psychiatrie systematisch. 10. Auflage. Uni-med, Bremen 2021, ISBN 978-3-8374-1617-6, S.33.
- ↑ Rolf-Dieter Stieglitz, Achim Haug: Das AMDP-System. 11. Auflage. Hogrefe, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8017-3157-1, S.72.
- ↑ Erdmann Fähndrich, Rolf-Dieter Stieglitz: Leitfaden zur Erfassung des psychopathologischen Befundes. 6. Auflage. Hogrefe, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8017-3114-4, S.82.
