Künstliche Intelligenz kann viele Dinge besser, schneller und genauer als Menschen – von Datenanalysen bis zur Terminplanung. Doch es gibt Berufe, bei denen menschliche Qualitäten unverzichtbar bleiben: Empathie, Intuition, Verantwortung und persönlicher Kontakt lassen sich nicht einfach programmieren.
Ein besonders gutes Beispiel ist die Medizin. Die Ärztin Ornela Zajmi, Internistin am Rhön Klinikum Campus Bad Neustadtarbeitet seit vier Jahren in der Inneren Medizin und umfassende Erfahrungen in der Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen gesammelt. Im Interview erläutert sie, welche menschlichen Qualitäten die KI nicht ersetzen kann.
Was motiviert Sie an Ihrem Beruf, Frau Zajmi?
Ornela Zajmi: Patientinnen und Patienten zu helfen, ihnen zur Seite zu stehen, Schmerzen zu lindern und ihre Verbesserungen mitzuerleben. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen und Lernmöglichkeiten – das macht die Arbeit spannend.
Welche Veränderungen gab es in den Abläufen oder Verfahren in Ihrem Beruf in den letzten Jahren?
In den letzten Jahren haben sich vor allem die diagnostischen Abläufe stark verändert. Untersuchungen wie CT- oder MRT-Bilder stehen heute schneller digital zur Verfügung und können direkt im System eingesehen werden. Auch Arztbriefe, Befunde und Anamnesen werden kaum noch handschriftlich festgehalten, sondern digital dokumentiert. Das spart Zeit im Arbeitsalltag, bedeutet aber auch, dass Ärztinnen und Ärzte heute deutlich mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen als noch vor einigen Jahren.
Wie wirkt sich Künstliche Intelligenz derzeit auf Ihre Arbeit aus?
Künstliche Intelligenz unterstützt vor allem bei der Auswertung großer Datenmengen. Zum Beispiel hilft sie dabei, Laborwerte schneller zu sortieren oder Bildaufnahmen vorab zu analysieren, sodass Auffälligkeiten schneller erkannt werden können. Auch bei der Dokumentation entlastet KI den Alltag, etwa indem standardisierte Texte automatisch vorgeschlagen werden. Die eigentliche medizinische Einschätzung und das Gespräch mit den Patientinnen und Patienten bleiben jedoch weiterhin Aufgabe der Ärztinnen und Ärzte.
In welchen Bereichen der Medizin ist KI wirklich hilfreich, und wo wird ihre Wirkung überschätzt?
Besonders hilfreich ist KI aktuell in Bereichen wie der Radiologie oder im Labor, wo große Mengen an Daten ausgewertet werden müssen. Überschätzt wird KI jedoch dort, wo es um akute Entscheidungen geht – etwa bei Notfällen oder komplexen Krankheitsverläufen. In solchen Situationen braucht es Erfahrung, klinisches Gespür und den direkten Kontakt mit dem Menschen.
Glauben Sie, dass die KI Ärztinnen und Ärztee irgendwann vollständig ersetzen kann?
Nein. Künstliche Intelligenz kann ein hilfreiches Werkzeug sein, aber sie kann Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen. Medizinische Entscheidungen tragen Verantwortung und haben direkte Auswirkungen auf Menschen. Dazu gehören nicht nur Diagnosen, sondern auch Gespräche, Aufklärung und das Eingehen auf Ängste oder Unsicherheiten. Diese menschliche Komponente lässt sich nicht automatisieren.
Würden Sie sich selbst behandeln oder operieren lassen, wenn ein KI-System wissenschaftlich besser wäre als ein Arzt?
Nein, nicht ohne das gleichzeitige Einbeziehen der menschlichen Expertise. Ich würde KI nur als Hilfsmittel unter ärztlicher Aufsicht zulassen. Operationen und Behandlungen erfordern menschliches Urteilsvermögen, Erfahrung und Empathie.
Welcher war bisher die schwierigste berufliche Herausforderung für Sie?
Herausfordernd ist, wenn man alles Mögliche unternimmt, um das Leben der Patientin oder des Patienten zu retten, aber nicht alles gelingt.
Würden Sie jungen Menschen empfehlen, Medizin zu studieren?
Ja, unbedingt. Aber sie sollten sich der großen Verantwortung bewusst sein, der langen Arbeitszeiten und der emotionalen Belastung. Disziplin, Geduld und Lernbereitschaft sind unerlässlich.
Welche Fachbereiche sind zukunftssicher – trotz KI-Entwicklung?
Innere Medizin, Chirurgie, Psychiatrie und Onkologie sind Bereiche, in denen menschliche Expertise dauerhaft notwendig bleibt.
Wenn KI in Zukunft viele Aufgaben besser erledigt als Menschen, welche Rolle bleibt dem Arzt?
Die Kernaufgaben bleiben: Entscheidungen treffen, Patienten begleiten und betreuen. Medizin ist keine exakte Wissenschaft – es gibt jeden Tag was Neues zu lernen und praktisch anzuwenden. Erfahrung macht den Meister.
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