Tausende ultraorthodoxe Männer haben in Israel gegen die Wehrpflicht demonstriert. Nach Medienberichten kam es dabei auch zu Konfrontationen mit der Polizei. Zahlreiche Demonstranten versammelten sich vor einem Militärgefängnis in der Nähe der Stadt Kfar Jona nordöstlich der Küstenmetropole Tel Aviv. Sie protestierten dort gegen die Festnahme religiöser Wehrdienstverweigerer. Am Morgen hatten Demonstranten bereits eine zentrale Straße im Großraum Tel Aviv blockiert.
In Israel waren streng religiöse Männer lange von der Wehrpflicht befreit. Diese Regelung lief 2024 – inmitten des israelischen Genozids in Gaza – aus. Die Regierung scheiterte seitdem daran, sie gesetzlich zu verlängern. Im April wies das höchste Gericht in Jerusalem den Staat an, binnen wenigen Wochen konkrete Schritte gegen Wehrdienstverweigerer einzuleiten.
Seitdem kam es mehrfach zu Protesten ultraorthodoxer jüdischer Männer. Viele von ihnen sehen den Militärdienst als unvereinbar mit ihrem religiösen Lebensstil, unter anderem weil Männer und Frauen gemeinsam bei der Armee tätig sind. Die israelische Armee warnte hingegen zuletzt immer wieder vor einem starken Mangel an kampffähigen Soldaten.
Hunderttausende israelische Reservisten werden – seit Beginn des israelischen Vernichtungskriegs in Gaza – in dem palästinensischen Küstenstreifen, im besetzten Westjordanland und an der Grenze zum Libanon eingesetzt – zunächst entlang der Nordgrenze, seit Anfang Oktober auch mit Bodentruppen für die Invasion im Südlibanon.
Bereits im April hatte eine Gruppe ultraorthodoxer Wehrpflichtgegner das Haus des Chefs der israelischen Militärpolizei, Yuval Yamin, gestürmt und sich in seinem Garten verbarrikadiert. Die Regierung verurteilte zwar den Vorfall, doch ist Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zum Machterhalt auf die Unterstützung ultraorthodoxer Parteien angewiesen. Er hat sich immer wieder gegen die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe ausgesprochen.
