Antithese
Die Antithese ist ein Stilmittel der Rhetorik und lĂ€sst sich in Texten aller Art ausmachen. Eine These ist eine Behauptung, wobei sich Anti mit âgegenâ ĂŒbersetzen lĂ€sst. Die Antithese ist demnach eine Gegenbehauptung oder eine Zusammenstellung entgegengesetzter Begriffe. Somit ist die Antithese mit dem Oxymoron und dem Chiasmus verwandt.
Prinzipiell mĂŒssen wir in Bezug auf diese Stilfigur zwei Verwendungsweisen unterscheiden. So kann jede These mit einer Antithese erwidert werden, wenn beispielsweise einer Aussage widersprochen wird. In der Literatur finden sich jedoch auch Antithesen, die keine unmittelbare Erwiderung darstellen, sondern auf der Kombination entgegengesetzter Inhalte beruhen.
Hinweis: Der Begriff lĂ€sst sich aus dem Altgriechischen ableiten (áŒÎœÏÎŻ, anti ~ gegen; ΞÎÏÎčÏ, thĂ©sis ~ Behauptung). Die Ăbersetzung offenbart, was es mit der Stilfigur im Eigentlichen auf sich hat.
Inhaltsverzeichnis
Antithese als Gegenbehauptung
Verstehen wir eine antithetische Struktur als einfache Gegenbehauptung, haben wir es in der Regel mit einer Erwiderung auf eine Aussage oder eben Behauptung (These) zu tun.
A
T
A
âDas Auto war nicht orange. Das Auto war blau.â
âIch bin mir sicher, dass das Oxymoron eine Stubenfliege ist.â
âNein. Das Oxymoron ist eine rhetorische Stilfigur.â
Beide Beispiele sind im Grunde Erwiderungen auf Behauptungen. Im ersten Satz stellt ein Sprecher die These auf, dass das Auto orange war. Hierauf folgt unmittelbar die antithetische Antwort, dass das nicht stimmt, da das Auto blau war. Das zweite Beispiel folgt dabei dem gleichen Muster.
Die Beispiele verdeutlichen, was wir unter der Stilfigur verstehen, wenn wir sie unter bildungssprachlichen Aspekten betrachten: nÀmlich einen Widerspruch zu einer zuvor aufgestellten These. Die Antithese zielt hierbei darauf ab, den Inhalt des Gesagten mit einer Gegenbehauptung zu widerlegen.
Antithese als Stilmittel
In der Literatur finden sich aber auch antithetische Strukturen, die den Begriff noch ein wenig weiter fassen. Hier werden gegensÀtzliche Begriffe und Gedanken miteinander kombiniert.
Obiges Zitat stammt aus der Bibel (Neues Testament: Evangelium nach MatthĂ€us) und veranschaulicht das Prinzip der Stilfigur. Es werden zwei Aussagen kombiniert, die sich inhaltlich gegenĂŒberstehen. So eine GegensĂ€tzlichkeit kann auf mehreren Ebenen vollzogen werden. Hier stehen sich einerseits Fleisch und Geist gegenĂŒber und andererseits die Adjektive schwach und willig.
Wichtig ist hierbei, dass sich in der Literatur nicht immer Aussagen unmittelbar gegenĂŒberstehen. HĂ€ufig sind es gegensĂ€tzliche Begriffe oder Inhalte, die antithetisch miteinander verknĂŒpft sind.
Antithese und Oxymoron
FĂŒr SchĂŒler ist es oftmals schwierig, die Antithese vom Oxymoron zu unterscheiden. Immerhin Ă€hneln sich die beiden Stilfiguren sehr stark. Allerdings gibt es einen Unterschied.
Das Oxymoron verbindet nĂ€mlich nur zwei Begriffe miteinander, die meist unmittelbar aufeinanderfolgen. Im Gegensatz dazu stellt die Antithese ganze Inhalte, SĂ€tze oder auch Wortpaare gegenĂŒber und beschrĂ€nkt sich nicht auf zwei einzelne Begriffe. (â Oxymoron)
OX
Das ist ein offenes Geheimnis.
Beispiele fĂŒr die Antithese
Um Ihnen den Unterschied noch an weiteren Beispielen zu zeigen, haben wir eine kleine Auswahl zur Veranschaulichung des Stilmittels fĂŒr Sie zusammengestellt.
Hier werden zwei Aussagen miteinander verbunden, die ein widersprĂŒchliches Adjektiv kombinieren. So stehen sich die Begriffe klein und groĂ gegenĂŒber. Weiterhin findet sich hierbei ein Chiasmus, also eine Kreuzstellung der Satzglieder, was die Wirkung der Antithese weiterhin unterstĂŒtzen kann.
HĂ€ufig wir die Antithese durch einen Parallelismus, wie im obigen Beispielsatz, unterstĂŒtzt. Das bedeutet, dass sich die verbundenen SĂ€tze aufgrund ihrer Wortstellung gleichen und inhaltlich gegenĂŒberstehen. Dadurch kann die Aussage verstĂ€rkt werden.
Und kurz ist unser Leben.
Diese beiden Verse sind Goethes Faust entnommen und sind abermals antithetisch aufgebaut, da die Aussagen gegensÀtzlich miteinander verbunden sind. Weiterhin findet sich auch hier ein Chiasmus, da beide Verszeilen eine Kreuzstellung der Satzglieder aufweisen.
Was jetzt oben, bald unten staht.
Jetzt gibt es was, bald nimmt es wieder;
Jetzt hebts einân auf, bald wirfts ihn nieder;
Jetzt Fried und Freud, bald Krieg und Leid;
Jetzt Fröhlichkeit, bald Traurigkeit.
Jetzt reich und satt, bald Angst und Not;
Jetzt frisch und gesund, bald krank und tot.
Dieses Gedicht stammt aus der Feder des deutschen Lyrikers Julius Wilhelm Zincgref und ist sehr typisch fĂŒr die Dichtung des Barocks, die hĂ€ufig mit dem Einsatz von Antithesen und GegensĂ€tzen spielt. Die einzelnen Antithesen des Gedichtes sind durch Kursivschreibung hervorgehoben.
Wirkung und Funktion der Antithese
GrundsĂ€tzlich ist es schwierig, einem Stilmittel eine feste Funktion oder Wirkung zuzuschreiben. Dennoch hat die Verwendung eines solchen natĂŒrlich immer einen Effekt.
- Die Antithese verbindet zwei GegensĂ€tze miteinander und wirkt auf den ersten Blick meist wie ein Widerspruch. HĂ€ufig findet sich jedoch eine gröĂere oder höhere Wahrheit im Gesagten.
- Durch den Einsatz der Stilfigur kann innere Zerrissenheit, Spannung oder ein starker Zwiespalt zum Ausdruck gebracht werden.
- AuĂerdem kann somit die Vielschichtigkeit eines Themas beleuchtet werden, da beide Extermwerte eines Inhalts genannt werden.
- Oftmals wird die Antithese mit dem Chiasmus oder dem Parallelismus gebraucht, um die Wirkung durch die Àhnliche Struktur zu verstÀrken.
