Ruhetag beim Kandidatenturnier auf Zypern. Zeit zum Durchatmen. Auch für Matthias Blübaum, den deutschen Vertreter im Konzert der Großen. Der selbst ernannte “Underdog” hat nach vier Runden fünfzig Prozent Ausbeute zu verzeichnen. Vier Partiern, vier Remis. “Hätte das vor dem Turnier einer prognostiziert, alle hätten sofort unterschrieben”, sagt DSB-Sportdirektor Kevin Högy: “Matthias kann sehr zufrieden sein. Er hat noch alle Chancen.” Denn: “Je länger das Turnier geht, umso mehr Risiko müssen seine Gegner gegen ihn gehen.” Und, das ist bekannt: Blübaum mag es, wenn ihm Favoriten ins offene Messer laufen. Er selbst hat mit seinem Team, aus dem auf Zypern nur sein Schachkumpel Rasmus Svane in Erscheinung tritt (Blübaum: “Es ist schön, jemanden hier zu haben, den ich gut kenne und der auch ein sehr guter Schachspieler ist”) offensichtlich eine klare Taktik ausgetüftelt: Safety first. Die bringt DSB-Kommentator Niclas Huschenbeth in seiner Partie-Analyse nach der Punkteteilung gegen Rameshbabu Praggnanandhaa so auf den Punkt: “Matthias bleibt seiner Linie treu, die er bisher in dem Turnier gefahren ist – das ist in erster Linie recht sicher und solide zu spielen.“
Paul Meyer-Dunker geht – Kevin Högy kommt? So könnte es am 27. April 2026 lauten, wenn der bisherige Präsident des Berliner Schachverbandes (BSV) beim Verbandstag sein Amt abgibt. Um dieses bewirbt sich DSB-Sportdirektor Kevin Högy, der bei dem Berliner Verein SC Weisse Dame Mitglied ist. Das vermeldete der BSV gestern Abend. Högy legt auf eine Feststellung wert: „Das ist ein Ehrenamt, das ich in meiner Freizeit ausübe, sofern mir der Berliner Verbandstag das Vertrauen aussprechen wird. Wie auch Carsten Schmidt, der im DSB hauptamtlich als Geschäftsführer arbeitet und beim Berliner Schachverband ehrenamtlich als Ausbildungsreferent tätig ist, werde ich Haupt- und Ehrenamt strikt trennen. Das gebietet schon der Respekt vor dem Amt. Hier wird nichts miteinander vermischt."Paul Meyer-Dunker geht nach sechs Jahren im BSV-Präsidium, davon fünf Jahre als Präsident. Er betonte, dass Kevin Högy aus seiner Sicht der ideale Kandidat sei. „Ich bin zufrieden, wie sich in den letzten sechs vieles im Berliner Schachverband entwickelt hat“, so Meyer-Dunker, „und umso glücklicher bin ich, wenn die Nachfolge hervorragend geregelt ist.“ Er hoffe, dass dies die BSV-Delegierten beim Verbandstag am 27. April ebenso sehen. In den Tagen zuvor wird der BSV, gemeinsam mit den Schachfreunden Berlin, noch die Bundesliga-Endrunde ausrichten und das 125-jährige Jubiläum des Verbandes feiern.
In Zusammenarbeit mit seinem Kooperationspartner, dem Schachzentrum Baden-Baden, hat der DSB ein Kadertraining mit Etienne Bacrot durchgeführt. Der französische Super-Großmeister, einst Schüler von Jossip Dorfman, bereitete zwölf DSB-Talente auf das Grenke Open vor, das am heutigen Donnerstag beginnt. Seit Montag trainierten die Talente jeweils acht Stunden am Tag, hinzu kam noch ein Blitzturnier und ein Konditionsblitz – mit Sprints zwischen Brett und Uhr. „Das ist zumindest ein kleiner Ausgleich dafür, dass wir hier sonst keine Möglichkeit haben, Sport zu treiben“, sagte Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler, der den Lehrgang in Baden-Baden leitete und gemeinsam mit Bacrot und Ketino Kachiani-Gersinska die Talente trainierte. „Das Programm hier war insgesamt schon sehr hart, vor allem auch mit Blick darauf, dass den Spielern nun vier Doppelrunden bevorstehen“, sagte Vökler und fügte lächelnd hinzu: „Aber die jungen Leute brauchen ja bei einem solch großen Turnier auch eine gewisse Standfestigkeit.“