👁 ImageDer kleine Pan stinkt schon
So ward die Hy�ne zum Aas. Es konnte nicht anders kommen. Der Weg in das Schlafzimmer eines Hochgestellten ist immer die ultima ratio einer verzweifelnden Administration. Ich werde diesen sterbenden Blick nicht vergessen. Aber nur kein Mitleid. Die rechtschaffenen Hy�nen gehen auf den toten Krieger. Die literarischen auf das Privatleben eines Polizeidirektors. Aus solchem Leben erhoffte sich ein �sthetischer Schlemihl Bereicherung, das nannte er Tat, das war die politische Geb�rde, auf die es jetzt alle abgesehen haben, die bisher ihre Zeit damit verbrachten, f�r eine T�nzerin die Formel zu suchen. Wer aber beschreibt die Wut des Verlegers, der seine ganze Hoffnung auf den Konkurs dieser Weltanschauung gesetzt hat? Zu sp�t erkennt Herr Cassirer, der sich mit den Nuancierten einlie�, dass die Sexualr�umerei heute nur von einem handfesten Harden mit vor�bergehendem Erfolg zu leisten ist. Der wei�, durch welches Schl�sselloch man zu schauen hat, hinter welcher Gardine man sich versteckt und wie man, wenn die erweisliche Wahrheit sich rentiert hat, mit Anstand verduftet. Herr Kerr verr�t sich durch ein vorzeitiges �H�h�. Er ist zu kindisch. Erwischt man ihn, sagt er, er habe sich einen ethischen Spa� machen wollen. Aber diese Sorte von ethischen Spa�machern, die zu lachen beginnen, wenn sie bei einer unethischen Handlung betreten werden, ist schon die richtige. Jungen, die in fremdem Garten Kirschen pfl�cken, haben auch ein Erlebnis, aber behaupten nicht, dass der Geist endlich den Weg zur Politik gefunden habe. �Ecco� � das ist blo� eine lange Nase. Ecco � das ist auch die Rechnung, die man in italienischen Gegenden pr�sentiert bekommt, wenn man so unvorsichtig war, sich mit einer Donna in ein Gesprach zu begeben. Auf Herrn Kerr pa�t es zwar nicht, denn er zieht keinen Vorteil aus dem Handel, und Herr Cassirer sagt wieder nicht ecco. Dagegen sind beide Herren fest entschlossen, aus dem Gesch�ft das nach gegenseitiger Best�tigung ihrer Unverantwortlichkeit zustandekam, mit allen b�rgerlichen Ehren hervorzugehen. Das wird ihnen nicht gelingen. Auch dann nicht, wenn sie von einem Proze� gegen mich abstehen. Diesen Proze� habe ich mir n�mlich frei erfunden. Zwar hat mir die Berliner Verlagsstelle der Fackel telegraphisch mitgeteilt, Herr Cassirer habe Strafantrag gegen den verantwortlichen Redakteur der Fackel in Berlin gestellt; zwar war sie zu diesem vermessenen Glauben berechtigt durch das wiederholte Erscheinen eines Kriminalbeamten, der mit dem Heft in der Hand, das die Beleidigung enthielt, technische Aufkl�rungen verlangte und sich nach dem Wohnort des verantwortlichen Redakteurs erkundigte zwar wurde die Untersuchung auch bei diesem fortgesetzt und eine Vorladung erlassen; zwar hatte der Anwalt des Herrn Cassirer das Heft bestellt; zwar haben Berliner und Breslauer Tagesbl�tter detailliert berichtet, dass Herr Cassirer Strafantrag gestellt habe und durch welche Behauptung er sich beleidigt f�hle. Trotzdem k�nnte es m�glich sein, dass Herr Cassirer nicht etwa seine Absicht oder seine Anzeige zur�ckgezogen, nicht etwa die Staatsanwaltschaft ihm den Dienst versagt hat, dass er nicht etwa jetzt den Fehlschlag f�r Zur�ckhaltung ausgibt und auf die Schwierigkeit einer Erkundigung spekuliert, sondern dass er nie die Absicht gehabt, nie eine Anzeige erstattet hat und dass nur eine H�ufung von Zuf�llen, die zeitliche Nachbarschaft irgendeiner andern Untersuchung, derer Tendenz bisher unbekannt ist, meinen Gr��enwahn gen�hrt und mich in den Glauben getrieben hat, ich k�nnte die Kompagnie Cassirer-Kerr beleidigen. Das ist nun offenbar wirklich nicht m�glich. Aber nicht, weil durch eine dicke Haut kein Messer geht, sondern weil ich an das Ehrenniveau der Kompagnie Cassirer-Kerr nicht hinanreiche. Das ist eine wichtige tats�chliche Information. Es ist gut zu wissen, dass es nach der Jagow-Aff�re noch ein Ehrenniveau der Kompagnie Cassirer-Kerr gibt. Man h�tte es sonst vielleicht mit unbewaffnetem Auge und mit unbewaffneter Nase nicht wahrnehmen k�nnen. Und wenn wir nunmehr vor der Frage stehen, warum gerade ich, der doch noch nie mit einem Polizeipr�sidenten etwas ritterlich ausgetragen und etwas �ber ihn ver�ffentlicht hat, gerade ich an dieses Ehrenniveau nicht hinanreiche, an das doch bald einer hinanreicht und jeder Herausgeber einer Berliner Gro�en Glocke hinanreicht, so finden wir im 'Pan' die Antwort: H�h�!... Weil ich bereits brachialen Attacken ausgesetzt war. Dieses Motiv meiner Unf�higkeit, auch nur im Gerichtssaal dem Herrn Cassirer Satisfaktion zu geben, wird nun von diesem oder von Herrn Kerr oder von dem Schreiberlehrling, der dort gehalten wird, in einer anonymen Notiz und in einer Art variiert, dass es gar nicht mehr der Jagow-Aff�re bedarf, um Herrn Cassirer, Herrn Kerr oder den Schreiberlehrling, der dort gehalten wird, f�r ehrlos zu erkl�ren. Die Berufung auf die Tat eines besoffenen Cabarettiers, den eine erste Instanz zu einem Monat Arrest und eine zweite nur unter Anerkennung der geminderten Verantwortlichkeit zu einer hohen Geldstrafe verurteilt hat; auf eine Schandtat, der ein Hauptmitarbeiter des Herrn Cassirer in einem offenen Brief an mich jeden mildernden Umstand versagt hat, ist eine so vollkommene Unappetitlichkeit, dass zu ihrer Erkl�rung kein ethisches Gebreste, sondern nur die Verzweiflung eines geistigen Debacles ausreicht. Wie w�re es sonst zu erkl�ren, dass eine Zeitschrift, die zwar eingestandenerma�en zur F�rderung der Kultur, aber doch nicht direkt zur F�rderung des Plattenwesens gegr�ndet wurde, sich solchen Arguments erdreisten und gegen einen Mann, der sich seinen Ha� mit der Feder verdient hat, solche Revanche predigen kann, Wie k�nnte die Feigheit, die ihr M�tchen an fremder und verj�hrter Rache k�hlt, sich so hervorwagen, wie k�nnte eine Gesinnung, die meinen Speichel geleckt hat, um mir ihn ins Gesicht zu spucken, so unter die Augen deutscher Leser treten, wenn nicht die Reue �ber eine ungeistige Tat, die verwirrende F�lle der Niederlagen, das Bewu�tsein der selbstm�rderischen Wirkung jedes weiteren Wortes, das durchbohrende Gef�hl eines Nichts, das mit eingezogenem Schweif in die H�tte kriecht, der Taumel der Erlebnisse, der einen �stheten durch die Politik in die Luft ri�, den Grad der Zurechnungsf�higkeit herabgesetzt h�tte? Wie w�re es sonst denkbar? Eine Ohrfeige kann ein literarisches Argument sein. Sie kann der geistige Ausdruck der Unm�glichkeit sein, eine geistige Distanz abzustecken, und ich habe es oft empfunden und gesagt, dass die Polemik ihre Grenze in dem Wunsch hat, statt der Feder das Tintenfa� zu gebrauchen. Luther, der schreiben konnte, lie� sich in der Polemik gegen den Teufel dazu hinrei�en. Die Drohung mit der Faust kann ein Kunstwerk sein, und Herr Harden wird es mir best�tigen, dass ich das Wort Ohrfeige schon so gebraucht habe, als w�re es die erste, die in der Welt gegeben wurde, und als ob nie zuvor ein Kutscher mit einem andern polemisiert h�tte. Die Berufung auf fremde Roheit ist unter allen Umst�nden der Beweis ohnm�chtiger B�berei. Nie beruft sich ein Temperament auf die Pr�gel, die ein anderer gegeben hat, immer ein Schuft. Ich verzichte auf den Beistand der deutschen Dichter, die diesem Pan zu Hilfe eilen, in dem Glauben, da� sie ihn noch lebendig machen k�nnen. M�gen sie ihren Namen f�r die Rundfragen jenes Demokratins mi�brauchen lassen, der seine G�tter st�rzt, wenn sie ihm keinen Nachdruck ihrer Aufs�tze erlauben, der an mir Gottesl�sterung begeht und f�r Herrn Kerr die Kastanien aus dem Dreck holt. M�gen die Literaten, die mir verehrende, nein �ehrf�rchtige� Briefe schreiben, zu den P�beleien wie zu den L�gen schweigen, mit denen ein Dumpfkopf seine Entt�uschungen motiviert. M�gen sie es glauben, dass ich Ansichtskarten mit meinem Portr�t in einem Kaffeehause verkaufen lie�, glauben, dass diese Wahnvorstellung die Abkehr eines Nachl�ufers motivieren kann, der noch ein Jahr lang an meinem Namen schmarotzt hat. Ich brauche keine Hilfe und scheue kein Hindernis. Ich werde mit der ganzen Schweinerei allein fertig. Aber ich werde darauf achten, mit der pedantischen Z�higkeit, die mich zu einem so �blen Gesellschafter macht, darauf achten, wer dem Herrn Cassirer, dem Herrn Kerr oder dem dort gehaltenen Schreiberlehrling noch die Feder reicht. Ich werde mich unter Umst�nden nicht scheuen, manchem der Herren Dichter mit dem Hut in der Hand einen Fu�tritt zu versetzen. Im Dichten nehm' ichs mit ihnen auf, aber sie nicht mit mir in der Reinlichkeit. Nicht in der F�higkeit, Distanz zu wahren. Ich dichte nicht Poesie, um es dann mit der Kr�tze zu halten. Ich mache aus der Kr�tze ein Gedicht und veranstalte Sympathiekundgebungen f�r die Poesie. Wollen sehen, wer's weiter bringt. Ich kann zur Not den Herrn Kerr gestalten, aber sie k�nnen ihn nicht verteidigen, wenn ihm etwas Menschliches passiert ist. Und seine menschliche Abwehr belastet ihn. Jedes Wort, das er spricht, wirft ihn um. Er wehrt sich nicht, weil ich ihn angreife, sondern ich greife ihn an, weil er sich wehrt. Wenn ihn meine Kraft geschw�cht hat, so st�rkt mich seine Schw�che. Das ist nun einmal das ewig unverr�ckbare Verh�ltnis zwischen der guten und der schlechten Sache. Ihre Vertreter k�mpfen mit ungleichen Waffen, und recht hat der, der es sagen kann. Herr Kerr kann es nicht einmal stottern. Auch diese F�higkeit habe ich ihm genommen. Fr�her, in seiner Glanzzeit, h�tte er noch sagen k�nnen: Herr Kraus hat einen A..a..a..rtikel gegen mich geschrieben. Es war nicht, wie's auf den ersten Blick scheint, gebrochenes, sondern gespieenes oder noch ein anderes Deutsch. Das hat in Berlin eine Zeitlang Aufsehen gemacht. Nun hat man erfahren, dass es in K�nigsberg flie�end geht, und der Nimbus dieses Percy, der nur Stotterer, nie Hei�sporn war, dieses Schreibers, der so schrieb, als ob er den Schreibfinger im Halse h�tte, ist dahin. Er war eine Qualle, die immerhin Farbe hatte. Auf den Lebensstrand geworfen, wird sie zertreten. Grauere Schaltiere m�gen sie bewundert haben und ihr nachweinen. Mollusken m�gen �ber meine Grausamkeit klagen. Aber der Ozean ist gro� und St�rme sind besser als �stheten. Herr Kerr h�tte nicht an meinem Fu� kleben bleiben sollen. Und nicht in S. Fischers Aquarium lebendig werden sollen, wo er die Worte hervorbrachte: �Und Karlchen Kraus, der neuerdings als Zwanzigpfennig-Aufgu� von Oskar Wilde oder als Nietzscherl Heiterkeit fand, schwenkte die betropfte Fackel.� Das ist keine Antwort, das ist ein Schw�chezustand. Auf den Preis kommts nicht an, es gibt Revuen, die f�r zwei Mark f�nfzig eine stinkende Langweile ausstr�men. Eine betropfte Fackel bietet immer noch einen respektableren Anblick als ein befackelter Tropf. Und wiewohl ich Nietzsche nicht gelesen habe, habe ich doch die dunkle Empfindung, dass ihm mein Tanz besser gefallen h�tte als die Zuckungen eines t�nzerischen Demokraten, und dass ein Nietzscherl immer noch ein Kerl ist neben einem ganzen Kerr. Polemik soll den Gegner um seine Seelenruhe bringen, nicht ihn bel�stigen. Seitdem Herr Kerr den Schreibfinger aus dem Hals gezogen hat und mir in der Nase bohrt, ist die Situation bedrohlich. Herr Kerr kennt mich ziemlich genau und wei�, dass ich mehr bin, als er glaubt. Aber er geh�rt zu der ohnm�chtigen Sorte, die mich f�r gro� h�lt bis zu dem Augenblick, da ich trotzdem sage, sie sei klein. Seine Anh�nger, die mich in ihren Bl�ttern w�chentlich in Hymnen und Mottos ehrten, ihren Sabbath heiligten, wenn er ihnen einen Nachdruck aus der Fackel bescherte, und mich einen Gott nannten, sagen, ich sei gr��enwahnsinnig, wenn ich mich rieben Herrn Kerr stelle. Es ist eine merkw�rdige Erscheinung, dass die Verehrer st�tzig werden, wenn der Verehrte anf�ngt, sie f�r Esel zu halten. Warum eigentlich? Bin ich kleiner geworden? Oder hat zu meiner Wesenheit die vorausgesetzte Sympathie f�r eine Leimgeburt geh�rt, die ich mit einem �Pft� davonblase? Da lebt und webt in Prag ein empfindsamer Postbeamter. Er hat mir oft Briefe zugestellt, in denen er mich seiner h�chsten Verehrung bezichtigte. Er hat mir geschrieben, dass sein Essay �ber das Wesen der Kritik � oder �ber was man halt so schreibt � mir auf den Geist zugeschnitten sei, oder was man halt so schreibt. Er hat mir auch Drucksachen zugestellt, n�mlich selbstverfa�te B�cher mit Huldigungen auf dem Widmungsblatt, und einen Roman darunter, in dessen Text ich auch verehrt sein soll. Ich habe nie gelesen, aber immer gedankt. In der Fackel findet sich der Name dieses Autors weder im Guten noch im B�sen; sein Unfug in Journalen hat mich oft erz�rnt, aber wie sollte man alle Eindr�cke bew�ltigen k�nnen? Es ist ja ein vertrackter Zufall, aber es ist ein Zufall, dass der Name des Herrn Max Brod bis zu diesem Augenblick nie von mir erw�hnt wurde. Das hat ihn verdrossen. Meine Meinung �ber ihn, um die er sonst im Dunkel getappt h�tte, kam ihm nur zu Ohren, als ihm erz�hlt wurde, was ich von einem erotischen Gschaftlhuber, der in M�nchen lebt, gesagt hatte: er habe in Prag seinen erotischen Wurmfortsatz, und dieser sei Herr Max Brod. Das hat ihn wieder verdrossen. Und nun � eine versp�tete Zustellung, wie sie bei der Post h�ufig vorkommt � erscheint ein Protest zugunsten des Herrn Kerr, in welchem es hei�t: ��berdies ist er sehr sch�n. Ich meine! pers�nlich, sch�n anzusehen. Das ist sehr wichtig und gut. Dichter sollen sch�n sein ...� Nun, bis hieher habe ich noch keinen Grund zur Eifersucht. Ich bin �berzeugt davon, dass die Freiheit den sch�nen Augen des Herrn Kerr zuliebe nicht nein sagen kann, ich habe selbst die Empfindung, dass in ihnen der V�lkerfr�hling gl�nzt, und es ist kein Zweifel, dass Herr Kerr so aussieht, als ob man sich letzten Mittwoch auf dem Jour der Rahel Varnhagen um ihn gerissen h�tte. Einer der wenigen originellen Menschen, die unter der Berliner Literatur sitzen, soll sogar, als er zum erstenmal dieser aus dichtem Bartbeet hervorleuchtenden Wangen ansichtig wurde, entz�ckt ausgerufen haben: Hier sollten Rosen stehen! Doch das sind Geschmacksachen, ich wei� aus eigener Erfahrung, dass ich nicht sch�n bin, und vom H�rensagen, dass Herr Brod es auch nicht ist. Dieser aber erw�hnt die k�rperlichen Vorz�ge des Herrn Kerr nur, um meine Eitelkeit zu reizen, deren Wesen er v�llig mi�verstanden hat, und f�hrt fort: �Ein mittelm��iger Kopf dagegen, wie Karl Kraus, dessen Stil nur selten die beiden b�sen Pole der Literatur, Pathos und Kalauer, vermeidet, sollte es nicht wagen d�rfen, einen Dichter, einen Neusch�pfer, einen Erfreuer zu ber�hren. � So w�rde ich die Welt einrichten.� Es ist gut, dass Herr Brod die Welt nicht eingerichtet hat. Sonst m��te der liebe Gott Buchkritiken f�r die Neue Freie Presse schreiben, eine l�cherliche Altenberg-Kopistin f�r eine bewundernswerte K�nstlerin halten und sogar den Herrn Zifferer loben. Gott h�tte sonst gottbeh�te den Satz geschrieben, den ich in einer Prager Zeitschrift finde: �Sie .. kam schnell mit einem Teller wieder, auf dem mehrere Schnitten Wurst, ein halbes St�ck Im-perialk�se lagen, und an ihn grenzend eine angefangene Rolle Butter in ihrem Seidenpapier noch. Es sah nicht anders aus wie eben Reste einer Mahlzeit. In ihm aber erwachte der Hunger ...� Und Gott selbst w��te nicht, ob er gewollt hat, dass im K�se, an den die Butter grenzt, der Hunger erwacht ist, und er s�he, dass es nicht gut war, und w�rde den Satz anders einrichten. Die Stelle ist einem Roman �J�dinnen� entnommen, der das Milieu in manchen Redewendungen �berraschend gut zu charakterisieren scheint. Floskeln wie: �Hast du heuer schon gebadet?� und �In Kolin wie ich noch klein war� gehen dem Autor so aus dem Handgelenk, dass die Sicherheit erstaunlich ist, mit der es ihm manchmal gelingt, in seiner eigenen Sprache den Jargon zu vermeiden. Immerhin wird man es mir nicht ver�beln k�nnen, dass ich mich mit Herrn Brod nicht in eine Auseinandersetzung �ber meinen Stil, �ber Pathos und Kalauer einlasse und mich damit begn�ge, ihn mit der Versicherung zu verbl�ffen, dass mein Stil diese beiden b�sen Pole nicht nur selten, sondern geradezu nie vermeidet. Ob es die h�chste oder die niedrigste Literatur ist, den Gedanken zwischen Pathos und Kalauer so zu bewegen, dass er beides zugleich sein kann, dass er eine feindliche M�cke in die Leidenschaft mitrei�t, um sie im n�chsten Augenblick in einem Witz zu zertreten, dar�ber lasse ich mich mit keinem lebenden Deutschen in einen Wortwechsel ein. Ob es der Beweis eines mittelm��igen Kopfes ist, werden die Weichtiere selbst dann nicht zu entscheiden haben, wenn sie unvermutet einen Panzer anlegen. �ber meine Wertlosigkeit lie�e sich streiten, der Annahme meiner Mittelm��igkeit k�nnte man fast schon mit einer tats�chlichen Berichtigung widersprechen. Denn irgendein Problematisches mu� an mir sein, wenn so viele Verehrer an mir irre werden. Ich f�hre ein unruhiges Leben; und bin doch an Herrn Max Brod nie irre geworden. Was ich aber als eine �berfl�ssige St�rung meiner Wirrnisse empfinde, ist, dass seinesgleichen gegen mich frech wird. Das sollten die andern nicht erlauben; die noch an G�tter glauben. Es ist gegen alle Einteilung. Wenn einer, dem ich geopfert habe, �ber mich schriebe, er halte nichts von mir, dann w�rde ich �ber mich nachzudenken beginnen und nicht �ber ihn, und wenn ich doch zum Entschlu� k�me, nicht mich, sondern ihn zu verwerfen, so w�rde ich die verschm�hte Liebe, die abgesto�ene Eitelkeit, die verratene Gesch�ftsfreundschaft als Motiv in meinen Angriff aufnehmen und meine Sch�bigkeit nicht Entwicklung nennen. Dann w�re der Ausdruck eine Mi�geburt, aber er h�tte auch ihr Gesicht! Man fahre ihr in die Augen, wenn man ihrer in zw�lf Jahren in einem einzigen Exemplar habhaft wird. Und man halte den Ha� meiner Gegner in Ehren, wenn man ihm nachsagen kann, dass er aus innerer Umkehr entstanden ist. Den Blitz, der sie aus heiterm Himmel trifft und den sie sonst als Schauspiel bewundert haben, zu verfluchen, ist menschlich. Aber damit ist nur bewiesen, dass der Blitz, der Menschliches treffen will, nicht geirrt hat. Und gewi� nichts gegen die Bedeutung des Blitzes bewiesen, wenn der Bauer �Sakra!� sagt. Wenn Herr Kerr aber ordin�r wird und das, was ihn niedergeschmettert hat, Kunst war, dann ist Recht und Unrecht mit einer Klarheit verteilt, wie sie nie �ber einem Kampf der Meinungen walten k�nnte. Immerhin h�tte ich es mehr als der Dichter Beer-Hofmann verdient, dass Herr Kerr Ave poeta ruft. Auf die Knie hatte ich ihn schon gebracht. Auf Erbsen knieend m��te er noch als ge�bter �sthet die Geb�rde loben, die ihn bezwang, oder, wenn anders er solcher Objektivit�t nicht f�hig ist, verstummen. Er plumpste mit einem gemeinen Schimpfwort hin. Ich bin nicht w�rdig, vom Herrn Cassirer verklagt zu werden. Ich bin nur w�rdig, von ihm aufgefordert zu werden, meine k�nftigen B�cher seinem Verlag zu �berlassen. Er dr�ckt mir die Hand f�r meinen Kampf gegen Herrn Harden, aber er k�nnte sie mir nicht reichen. Mi�verst�ndnisse �ber Mi�verst�ndnisse. Wir Rollen einander nicht mehr wehtun. Es ist genug von Pr�geln die Rede gewesen. Von den k�rperlichen, auf die sich die �stheten berufen, und von den schmerzlicheren, die ich gegeben habe. Ein Kunsth�ndler, selbst einer, der Aff�ren ritterlich austr�gt, um sie publizistisch hinauszutragen, ist eine viel zu unbetr�chtliche Gestalt, als dass sie l�nger als n�tig den Horizont verstellen sollte. Auch mu� der Prinzipal, dem hundert dienstfertige Schreiberjungen die Sorge f�r das Gesch�ft nicht abnehmen k�nnen, den Kopf behalten, um im richtigen Augenblick Manet von Monet und gar Kerr von Harden zu unterscheiden. Wenn sie sehen werden, wie er sie gegeneinander ausspielt, werden die Berliner Cliquen schon von selbst lernen, dass das Gesch�ft wichtiger ist als die Kultur. Dann wird sich dieser ganze dionysische Flohtanz zur Ruhe setzen, und die Mont-Martre-lnteressenten, die heute noch von den Sehns�chten nach einem Hauch einer Erinnerung an D�fte vibrieren und wirklich Apachen des Wortes sind, werden mich in Liebe und Ha� verschonen. Ihnen, die auch anders k�nnen, wird nichts andres �brig bleiben. Denn es ist heute in Deutschland gegen mich nicht aufzukommen; nicht gegen mich. Und wenn sie sich mit ihrer ganzen Piet�t f�r Heine umg�rten, und wenn er selbst zu ihnen auferst�nde! Denn es ist ein Kampf mit ungleichen Waffen, wenn die gute und die schlechte Sache gegeneinanderstehen. Die schlechte kann nur schlechter werden. Polemische Ohnmacht ist der st�rkste Ausdruck des Unrechts. Der Privatmann, der recht hat, schreibt recht. Der Literat, der Unrecht hat, wird in der Polemik kleiner als er ist und gemeiner, er hat nicht Rausch noch Ruhe, er hat Reue, und entbl��t das Unrecht mit jedem Versuch, es zu decken, und begeht Selbstmord im Zweikampf, w�hrend dem Gegner die Vertretung eines belanglosen Rechts schon hinter der wahren, heiligen, unentrinnbaren Mission verschwindet, die Talentlosigkeit zu z�chtigen.
Karl Kraus
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Siehe �Der kleine Pan ist tot� (Nr. 319/20) und �Der kleine Pan r�chelt noch� (Nr. 321/22).
Nr. 324-25, XIII. Jahr
2. Juni 1911.