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⇱ Schreien oder weglaufen? Expertin gibt Tipps für Wolfsbegegnung


Wölfe in NRW

Schreien oder doch lieber weglaufen? Was zu tun ist, wenn man einem Wolf begegnet

Am Niederrhein. Auf einen Wolf zu treffen ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Was man beachten sollte, wenn man einem Wolf über den Weg läuft.
Von Julian Heppe, Redakteur
In der Regel meiden Wölfe die Nähe zu Menschen. Sollte es doch einmal zu einer Begegnung kommen, sollten Spaziergänger nicht überreagieren. © NRZ | Johannes Kruck
  • Wölfe werden immer wieder in Städten und Wohngebieten gesehen.
  • Menschen gegenüber sind die Tiere aber normalerweise sehr scheu.
  • Wie man sich im Falle einer Wolfsbegegnung verhalten sollte, erklärt eine Expertin.

Der Wolf, der in Hamburg durch die Innenstadt geirrt ist und dabei eine Frau ins Gesicht gebissen hat, hat für viel Wirbel und Diskussionen gesorgt. Die einen haben Mitleid mit dem Tier, das anschließend von Experten eingefangen wurde, andere fürchten sich nun umso mehr vor dem Raubtier. Doch obwohl sich Wölfe immer wieder in Siedlungsnähe aufhalten und dort Nutztiere reißen, bleiben direkte Begegnungen mit Menschen eine absolute Seltenheit – besonders in der Form wie zuletzt in Hamburg.

Experten sind sich einig, dass die Vierbeiner Menschen gegenüber vorsichtig sind und Begegnungen in der Regel vermeiden. Trotzdem würden Wölfe nicht immer sofort die Flucht ergreifen, sobald sie einen Menschen in ihrer Nähe bemerken, schreibt das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (Lanuk). Wie sollte man sich also bei einer Wolfsbegegnung verhalten? Was schreckt das Tier ab? Und wie sollte man besser nicht reagieren?

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Sind Wölfe für Spaziergänger gefährlich?

Zu einer Begegnung zwischen Mensch und Wolf kann es vor allem dann kommen, wenn das Tier aufgrund ungünstiger Windverhältnisse die Anwesenheit des Menschen noch nicht bemerkt hat. Nimmt das Tier einen Menschen wahr, zieht es sich meist langsam und gelassen zurück. „Vor allem bei jungen und unerfahrenen Wölfen kann es auch vorkommen, dass die Neugier stärker ist als die Furcht“, klärt das Lanuk auf. Ein Angriff sei aber trotzdem sehr unwahrscheinlich.

„Auch wenn der Wolf Menschen per se erst einmal nicht spannend findet, nutzt er deren Strukturen, wie etwa Straßen, sehr gerne“, erklärt Katharina Stenglein, Wolfsexpertin des Naturschutzbundes BUND NRW, im Gespräch mit der NRZ. Für den Wolf sei es schließlich angenehmer und energiesparender, auf Straßen und Wegen zu laufen. Nutzt ein Wolf also menschliche Strukturen, bedeutet das nicht, dass er keine Menschen meidet.

Was soll ich tun, wenn ich einem Wolf begegne?

„Wenn man den Moment der Sichtung nicht genießen kann, oder der Wolf einen nicht bemerkt hat und sich annähert, ist es wichtig, auf sich aufmerksam zu machen“, so Stenglein. Dafür könne man klatschen, rufen, singen oder laut auftreten. Sollte das noch nicht helfen, empfiehlt die Expertin, sich groß zu machen, die Arme über den Kopf zu nehmen und einen Schritt auf das Tier zuzugehen.

Wolfs-Expertin Katharina Stenglein vom BUND NRW. © BUND NRW | BUND NRW

„Wenn man ein Handy dabei hat, kann man dann gerne noch versuchen, ein Bild oder ein Video von dem Tier zu machen, bestenfalls mit GPS-Koordinaten und diese dann dem Lanuk melden. Dort werden die Meldungen dann verifiziert und es wird auch bestimmt, ob es sich bei dem Tier tatsächlich um einen Wolf handeln könnte oder nicht.“ Per Mail erreicht man die zuständigen Experten unter wolf_nrw@lanuk.nrw.de, per Telefon unter 02361/305-0 oder 0201/714488 (außerhalb der Geschäftszeiten).

Was sollte ich vermeiden, wenn ich einem Wolf begegne?

Man sollte sich nicht einfach umdrehen und weglaufen, empfehlen Experten. Das könne den Jagdinstinkt des Tieres wecken. Auch sollte man unbedingt vermeiden, sich dem Wolf anzunähern, ihn anzufassen oder zu füttern. Denn dadurch könne beim Wolf die Scheu vor Menschen verloren gehen – Stichwort Habitation. Im Ernstfall könnte das Tier dadurch positive Reize mit der Menschenbegegnung verknüpfen und würde sich hier auch nicht mehr natürlich verhalten, „damit tut man dem Tier keinen Gefallen“, sagt Stenglein und betont, dass das Füttern daher auch verboten sei.

Wie würde ein Wolf auf meinen Hund reagieren?

Bei einem Spaziergang im Wald sind viele Menschen nicht nur allein, sondern auch mit ihrem Hund unterwegs. „Wenn ein Hund mitgeführt wird, sollte dieser angeleint werden“, stellt Stenglein klar. „Gerade wenn Hunde dazu tendieren, weiter weg von ihren Menschen in Waldgebiete vorzudringen, kann dies in Wolfsterritorien für den Hund im schlimmsten Fall tödlich ausgehen.“ Bleibe der Hund bei seinem Herrchen oder Frauchen, nähere sich der Wolf aber in der Regel auch nicht weiter an. „Das Bellen von Hunden kann auf Wölfe durchaus auch erst einmal interessant wirken und ein Orientierungsverhalten auslösen“, meist wirke das aber eher abschreckend auf Wölfe.

Woran erkenne ich einen Wolf?

Apropos Hund: Je nach Rasse kann der beste Freund des Menschen einem Wolf ziemlich ähnlichsehen, „gerade aus der Entfernung und bei schlechten Witterungsbedingungen“, erklärt Stenglein und führt als Beispiel den Tschechoslowakischen Wolfshund auf. Zu den typischen Wolfsmerkmalen gehören die aufrecht stehenden, dreieckigen Ohren, der meist herabhängende Schwanz mit schwarzer Spitze und eine gerade Rücken- und Bauchlinie. Das aus der Ferne zweifelsfrei zu erkennen, sei aber selbst für das geübte Auge nicht leicht. Aber auch das Verhalten des Tieres könne verraten, ob es sich um einen Hund oder einen Wolf handelt.

Bei einer Menschenbegegnung würden Wölfe meist nicht panisch weglaufen, sondern sich eher langsam zurückziehen. Freilaufende Hunde können hingegen unterschiedlich reagieren. Dass Hunde frei im Wald herumlaufen, komme laut Stenglein außerdem häufiger vor, als man annimmt, „da es einige Hunde mit großem Freiheitsdrang und Jagdtrieb gibt.“

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