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Umwelt

Kügelchen aus Kosmetik? Mikroplastik im Rhein gefunden

Düsseldorf. An Chemiestandorten entlang des Rheins sind bei Wasserproben Mikroplastik-Kugeln gefunden worden. An einer Stelle war die Konzentration extrem.
Von Jürgen Polzin, Chefreporter Klima und Nachhaltigkeit
Mitarbeiter des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima (LANUK), begutachten auf dem Laborschiff Max Prüss eine Wasserprobe. An mehreren Abwasserströmen von Chemiestandorten am Rhein ist industriell hergestelltes Mikroplastik festgestellt worden. © dpa | Oliver Berg

Sind Chemiestandorte entlang des Rheins für die Mikroplastik-Belastungen im Rhein verantwortlich? In einer Studie haben Mitarbeiter Landesamts für Natur, Umwelt und Klima (Lanuk) an allen vier untersuchten Abwassermessstellen Mikroplastik in Form sogenannter Beads gefunden. Beads sind Kunststoffkügelchen, die vielen Kosmetik- und Körperpflegeprodukten beigemischt werden. An einer Stelle war die Konzentration besonders hoch.

An welchen Chemiestandorten die Mikroplastik-Kügelchen im Abwasserstrom gefunden wurden, geht aus der Studie nicht hervor, die Standorte sind chiffriert. NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) und Lanuk-Präsidentin Elke Reichert wollen heute über die Ergebnisse der Studie auf dem Laborschiff Max Prüss in Düsseldorf informieren. 

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Erstmals primäres Mikroplastik im Abwasser industrieller Einleiter gemessen

Im Wasser des Rheins werden immer wieder Belastungen mit Mikroplastik nachgewiesen. Seit Jahren suchen Wissenschaftler und Behörden nach den Einleitern der industriell hergestellten Stoffe. In der aktuellen Pilotstudie wurde nun zum ersten Mal primäres Mikroplastik im Abwasser industrieller Einleiter gemessen, so das Lanuk. Bekannt war bislang, dass die Belastung mit Mikroplastik zwischen Bad Honnef und Düsseldorf zunimmt – dort finden sich auch Standorte der Chemischen Industrie. Mikroplastik werde aber nicht generell in den Abläufen aller Betriebe gefunden, heißt es in der Studie.

Die Umweltorganisation Greenpeace hat allein in den Jahren 2014 bis 2020 dreimal das Wasser des Rheins im Bereich Dormagen untersucht und sogenanntes primäres Mikroplastik gefunden. Die Ergebnisse der Greenpeace-Untersuchungen liegen im gleichen Größenbereich wie die Funde des Lanuk, heißt es in einem aktuellen Bericht des NRW-Umweltministeriums an den Landtag.

Studie: Belastung mit Mikroplastik steigt von Süd nach Nord

Bei den Untersuchungen des Lanuk wurden laut Bericht im Wasser zwischen 0,95 Beads bis zu 2.571 Beads pro Kubikmeter gefunden. Der Maximalbefund von 2.571 Beads liegt den Angaben zufolge weit oberhalb der anderen Befunde, die sich zwischen 0,95 und 18,9 Beads pro Kubikmeter bewegten. Auch im Rhein selbst wurden an Wassermessstellen zwischen Bad Godesberg und Duisburg in allen neun vorgenommenen Proben Mikroplastik-Beads gefunden. Hier bewegten sich die Konzentrationen zwischen 0,6 bis 3,6 Beads pro Kubikmeter und nahmen tendenziell im Verlauf des Rheins von Süd nach Nord zu. 

Mikroplastik in Glasröhrchen liegt auf dem Laborschiff des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) auf dem Tisch. © Oliver Berg/dpa | Oliver Berg

Die Studie lässt offen, ob es sich um kontinuierliche Einträge handelt oder ob die Konzentrationen an den einzelnen Messstellen größeren Schwankungen unterliegt. Dies müsse durch weitere Proben ermittelt werden, so die Landesregierung. Erst mit einem stabileren Bild sollten Hochrechnungen zum jährlichen Beitrag der einzelnen Einleiter zur Belastung des Rheins möglich sein. 

Beads-Kunststoffkügelchen stellen nur einen Bruchteil der Mikroplastik-Emissionen im Gewässer dar. Als Mikroplastik werden Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser unter fünf Millimetern bezeichnet. Es wird unterschieden zwischen primärem Mikroplastik – industriell hergestellten Partikeln wie Rohpellets und Beads – und sekundärem Mikroplastik. Letzteres entsteht durch den Zerfall größerer Kunststoffteile, etwa aufgrund von UV-Strahlung, Abrieb oder Witterungseinflüsse. Auch synthetische Fasern aus Kleidungsstücken und technischen Textilien zählen dazu.

Gespräche zwischen Landesregierung und Chemiestandorten

Schon jetzt laufen der Studie zufolge Gespräche zwischen Ministerium, Landesamt, Bezirksregierungen und den Betreibern der Chemiestandorte. Dabei gehe es darum, wie Quellen der Belastungen ermittelt und Plastikeinträge vermindert werden könnten. 

Bei der Begehung einzelner Betriebsbereiche sei bereits optisch festgestellt worden, dass sich dort Mikroplastikpartikel auf dem Boden befanden. Verstärkte Reinigungsarbeiten hätten inzwischen bewirkt, dass diffuse Eintragungen vermindert werden konnten. 

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