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Schädlinge bekämpfen

So werden Sie Läuse, Nacktschnecken und Milben ohne Chemie los

Essen. Gartenschädlinge knabbern Wurzeln und Blätter an und schaden Pflanzen. Wie wird man die ungebetenen Gäste los, ohne Bienen und Hummeln zu schaden?
Von Sarah Schlüter, Volontärin (Schwerpunkt Klima & Umwelt)
Marienkäfer essen bis zu 150 Blattläuse täglich – der beste Schutz vor den kleinen schwarzen Tierchen. (Symbolbild) © iStock
  • Gartenbesitzer können Schädlinge wie Blattläuse, Schnecken oder Spinnmilben mit natürlichen Mitteln und gezielter Förderung von Nützlingen bekämpfen.
  • Chemische Schädlingsbekämpfung schadet oft auch Bienen, Hummeln und anderen nützlichen Tieren.
  • Wir geben praxisnahe Tipps zur natürlichen Vorbeugung und Bekämpfung verschiedener Gartenschädlinge.

Bald ist es wieder soweit: die Blumen blühen, Gemüse und Kräuter wachsen, die Obstbäume tragen die ersten Früchte. Doch was ist das? Warum sind die Blätter am Apfelbaum braun? Und wo ist eigentlich der Salat hin? Bei genauerem Betrachten wird schnell klar: Hier sind Schädlinge am Werk.

Doch bevor Sie in die Gärtnerei fahren und sich am Chemieregal bedienen, sollten Sie zunächst mit natürlichen Mitteln versuchen, die ungebetenen Gäste loszuwerden. Denn oftmals schaden Schädlingsbekämpfungsmittel auch nützlichen Insekten wie Bienen und Hummeln, manchmal sogar uns Menschen.

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Schädlingsbekämpfung im Garten: Hausmittel gegen Blattläuse

Blattläuse sind die wohl häufigsten Schädlinge im Garten. Sie haben es auf den Pflanzensaft abgesehen, richten aber relativ wenig Schaden an. „Blattläuse sind kein Drama, nur sehr selten schaffen sie es, eine Pflanze zu Fall zu bringen“, schreibt der Naturschutzbund (NABU).

Denn bevor die kleinen schwarzen Tierchen irreparable Schäden anrichten, werden sie meist selbst gefressen. Der NABU und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) empfehlen daher: Abwarten. Sollten die Blattläuse doch überhandnehmen, können Sie immer noch einschreiten.

Nacktschneckenplage im Garten? Wir haben Tipps, wie Sie die Tiere loswerden. Ganz ohne Chemie. © FUNKE Foto Services | Ingo Otto

Folgende Maßnahmen helfen dann: Sie können die Blattläuse einfach mit Wasser abspülen. Je nachdem, wie stark der Befall ist, braucht es mehrere Durchgänge, bis die kleinen Tiere ganz verschwinden. Ansonsten wehren auch Zwiebeln, Kapuzinerkresse, Knoblauch, Salbei und Lavendel Blattläuse ab, so der BUND.

Besonders gut sollen auch Aufgüsse aus Zwiebeln, Knoblauch, Brennnesseln, Seifenkraut oder Rainfarn helfen. Einfach mit einem Liter Wasser aufgießen und die Mischung etwa einen Tag ziehen lassen. Anschließend sprühen Sie diese auf die befallenen Pflanzen.

Eine eher langfristige, aber sinnvolle Lösung ist das Stärken natürlicher Fressfeinde wie Marienkäfern und Singvögeln. Legen Sie dafür im Garten Laub- und Gehölzhaufen als Winterquartier für Marienkäfer an und locken Sie Vögel mit Futter und Nistkästen an. 

Einige Duftpflanzen wie Lavendel schrecken Schädlinge ab. Gleichzeitig locken sie vor allem Hummeln an. (Archivbild) © FUNKE Foto Services | Stefan Arend

Was hilft gegen Schnecken?

Auch bei Schnecken hilft es, Nützlinge zu fördern. Legen Sie Ihren Garten naturnah an, also mit heimischen Pflanzen wie Aster und Eisenhut sowie Stein- und Holzhaufen. Dann lassen auch Igel, Laufkäfer und Kröten nicht lange auf sich warten. Sie helfen, Schnecken fernzuhalten – sind aber kein Garant für einen schneckenfreien Garten, betont der NABU.

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Gießen Sie außerdem am besten morgens, denn abends lockt das Wasser die nachtaktiven Nacktschnecken an. Und gießen Sie gezielt: „Das sorgt dafür, dass die Zuwanderungswege trocken bleiben“, so das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft. Auch ein lockerer oder rauer Boden erschwert den Schnecken das Kriechen – ebenso wie Hochbeete. Hier sind Pflanzen relativ sicher.

Wie viele Tiere reagieren auch Schnecken empfindlich auf bestimmte Gerüche: Kaffee hat sich hier als sehr wirksam herausgestellt. „Wer gern Kaffee trinkt, sollte den Satz aufheben, trocknen lassen und gegen Schnecken um seine Pflanzen verteilen“, schreibt der NABU.

Nacktschnecken können Gartenbesitzer zur Verzweiflung treiben. (Archivbild) © FUNKE Foto Services | Lars Fröhlich

Warum sollte man kein Schneckenkorn verwenden?

Das Verbrauchermagazin Ökotest ergänzt: „Eine Maßnahme alleine reicht wahrscheinlich nicht aus, um die gefräßigen Tiere fernzuhalten.“ Was Sie aber nicht tun sollten: auf Schneckenkorn zurückgreifen. „Schneckenkorn enthält häufig Wirkstoffe, die auch den natürlichen Feinden der Schnecken schaden können. Beispielsweise sind Metaldehyd und Mesurol für Igel tödlich. Außerdem können auch nützliche Schneckenarten betroffen sein“, warnt Renée Gerber, Pressereferentin beim NABU. 

Nicht alle Schnecken sind schädlich

Die meisten Gehäuseschnecken sind keine Gefahr für unsere Gärten, denn sie ernähren sich vor allem von totem Pflanzenmaterial. Die große Weinbergschnecke hilft sogar bei einer Nacktschneckenplage: Sie frisst die Eigelege von Nacktschnecken auf. Auch die Bänderschnecke richtet im Garten keinen nennenswerten Schaden an.

Schnecken mit Gehäuse sind in der Regel nicht schädlich für unsere Pflanzen. (Archivbild) © FUNKE Foto Services | Ingo Otto

Schädlingsbekämpfung im Garten: Was vertreibt Spinnmilben?

Spinnmilben saugen, wie Blattläuse auch, den Pflanzensaft diverser Gewächse. Zu erkennen sind sie an feinen Gespinsten an den Blättern. Ein starker Befall lässt die Blätter zudem vertrocknen und abfallen. Was hilft dagegen?

Auch hier ist das naturnahe Gärtnern wieder ein Vorteil: Es fördert natürliche Fressfeinde wie Marienkäfer, Spinnen und Raubwanzen. Spinnmilben mögen es außerdem trocken. Der BUND empfiehlt daher: regelmäßig mulchen, gießen und Blätter befeuchten. Befallene Blätter können Sie einfach über den Restmüll entsorgen.

In der Regel befallen Spinnmilben bereits geschwächte Pflanzen. Brennnesselsud oder Algenpräparate stärken Ihre Gewächse und können die Schädlinge reduzieren.

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Obstmaden: Apfelwickler bekämpfen

Die Larven des Apfelwicklers, einem Schmetterling, ernähren sich, wie der Name schon sagt, besonders gerne von Äpfeln. Aber auch zu anderen Früchten wie Birnen, Quitten oder Kirschen sagen die Larven nicht Nein. Sie bohren sich in die Früchte ein und ernähren sich von Fruchtfleisch und Kernen – und schädigen somit einen nicht unerheblichen Teil der Apfelernte im Garten.

Der Apfelwickler gefährdet die Apfelernte. (Archivbild) © FUNKE Foto Services | Thomas Gödde

Um den Befall zu reduzieren, sollten Sie Fallobst schnellstmöglich entsorgen, um zu verhindern, dass die Larven in den Boden krabbeln. Im Sommer können Sie Leimringe oder Fanggürtel an den Bäumen anbringen.

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An den Leimringen bleiben die Schädlinge kleben und kommen so gar nicht erst an die Früchte. Ein Fanggürtel dient als Unterschlupf für die Larven. Durch regelmäßiges Entfernen des Fanggürtels mit den darin befindlichen Schädlingen geht der Befall zurück.

Gemüsefliegen: Welches Hausmittel hilft gegen die Weiße Fliege?

Auch für einen Befall der Weißen Fliege hat der BUND nützliche Tipps. Sie gehört zu den Gemüsefliegen und saugt ebenfalls Pflanzensaft aus Kohl, Bohnen, Gurken und Tomaten. Einige Gemüsefliegen-Arten machen sich auch an den Wurzeln zu schaffen.

Die richtige Bodenpflege kann hier schon einiges bewirken: Regelmäßiges Hacken fördert die Luftzirkulation, was den Schädlingen überhaupt nicht gefällt. Rainfarn- und Brennnesselsud machen das Gemüse gegenüber Schädlingen robuster. Schutz bieten außerdem Kulturschutznetze, denn sie verhindern die Eiablage.

Weitere Themen zum Gärtnern in NRW gibt es hier:

Vor dem Einsatz chemischer Mittel warnt der BUND eindringlich, da diese extrem schädlich für Bienen sind – und auch für den Menschen nicht ganz ungefährlich.

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