Grippewelle: Wie stark hat es Deutschland gerade erwischt?
Die Grippewelle hat ihren Höhepunkt überschritten. Verfolgen Sie die Entwicklung für Deutschland und die Bundesländer – und welche Gegenden aktuell noch betroffen sind auf einer interaktiven Karte.
Die Grippewelle hat Deutschland in dieser Saison früher getroffen als sonst. Den Beginn hat das Robert Koch-Institut (RKI) rückblickend auf die Woche ab 24. November datiert. „Das ist zwei bis drei Wochen eher als in den beiden Vorjahren“, so die Experten. Ihren Höhepunkt hat sie auch früher als sonst erreicht.
Nach dem üblichen Knick zu Weihnachten wate die Fallzahlen im Januar wieder nach oben geschnellt.. Sie lagen in einigen Bundesländer - insbesondere Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern - deutlich über dem Mittel der letzten fünf Saisons ohne Corona-Pandemie (gestrichelte Linie). Die Fahlzahlen stabilisierten sich Anfang Februar vielerorts – und sinken seitdem.
Europaweit bereitet sich EU-Gesundheitsbehörde ECDC auf eine schwerere Grippewelle als in den beiden vergangenen Jahren vor. Eine neu aufgetauchte Influenza-Variante treibe die Virusverbreitung seit dem Herbst voran: A(H3N2) der Subklade K. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) ist sie auch in Deutschland vorherrschend. Die Variante ist laut Experten ansteckender als andere Grippeviren, aber nicht gefährlicher.
Grippewelle nicht vorhersehbar
Saison hat die Grippe immer ab der 40. Kalenderwoche bis in den Mai hinein (20. Kalenderwoche). Dann zirkulieren auf der Nordhalbkugel für gewöhnlich verstärkt Influenza-Viren. Wann eine Grippewelle genau beginnt, lässt sich nicht vorhersagen. Zu einem Ansturm auf die Praxen und zu einem sprunghaften Anstieg nachgewiesener Grippefälle kam es bislang meist nach dem Jahreswechsel. Vom Beginn einer Grippewelle kann man vereinfacht dann sprechen, wenn in jeder fünften Laborprobe Influenza A- oder B-Viren nachgewiesen werden.
Grippe-Schutzimpfungen empfohlen
Die Grippeschutzimpfung gilt als wichtigster Schritt zum Schutz vor einer Erkrankung. In Deutschland rät die Ständige Impfkommission (Stiko) unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren, chronisch Kranken, Bewohnerinnen und Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen sowie Personen mit erhöhtem beruflichem Risiko, etwa in der Pflege, zur Grippeschutzimpfung. Als optimal gilt eine Impfung im Zeitraum von Oktober bis Mitte Dezember. Aber auch danach kann es noch sinnvoll sein, die Impfung nachzuholen. Es dauert laut Stiko 10 bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist.
Grippewelle während Corona-Pandemie ausgefallen
Das Robert Koch-Institut (RKI) ist federführend bei der Beobachtung der Influenza in Deutschland – seit 1992 mit der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI). Alle im Labor bestätigten Fälle müssen hier gemeldet werden. Das RKI betont, dass sich der Verlauf von Grippewellen nicht vorhersagen lasse und dass Verläufe regional unterschiedlich ausfallen können.
Generell schwankt die Schwere der Saison stark. So fiel 2020/21 während der Corona-Pandemie weltweit eine Grippewelle aus. Dagegen war es in der vergangenen Saison besonders heftig: 16 Wochen lang dauerte die Grippewelle von Mitte Dezember 2024 bis Anfang April 2025 – mit bis zu 49.000 übermittelten Fällen pro Woche Ende Januar.
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Bis zu jede fünfte Person mit Grippe-Viren infiziert
Die gemeldeten Fallzahlen zeigen nur einen Teil des tatsächlichen Geschehens. Viele Ärztinnen und Ärzte testen nur wenige Patienten auf Grippe, und viele Betroffene gehen bei typischen Symptomen wie Husten oder Gliederschmerzen gar nicht erst zum Arzt. Vor Corona steckten sich während einer Grippewelle schätzungsweise fünf bis 20 Prozent der Bevölkerung an – das entspricht etwa 4 bis 16 Millionen Menschen. Nicht alle entwickeln Symptome.
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Mehr als 25.000 Grippetote in einer Saison
Wie schwer eine Saison wirklich war, zeigt sich erst später. Schätzungen des RKI weisen deutlich höhere Todeszahlen aus als die reinen Labormeldungen. So wurden in der Saison 2017/18 zwar nur 1.674 Todesfälle nachgewiesen, die statistische Schätzung lag aber laut RKI bei rund 25.100 – der höchste Wert seit 30 Jahren.
RKI entwickelt neues Modell zur Schätzung der Grippetoten - wegen Corona
Seit Corona hat das RKI vorläufig keine entsprechenden Zahlen zu Todesfällen veröffentlicht, da das bisherige Schätzverfahren seitdem versagt. Es werde derzeit ein neues Modell entwickelt, mit dessen Hilfe künftig die influenza-bedingte Sterblichkeit geschätzt werden könne, heißt es beim RKI.
Schweinegrippe vor Corona größter Saison-Ausreißer
Auch wenn die Laborzahlen der bestätigten Influenza-Fälle eine Saison nicht perfekt abbilden, geben sie doch gute Hinweise auf den zeitlichen Verlauf: wann es uns üblicherweise am stärksten erwischt und wann wir mit dem Ende einer Grippewelle rechnen können. Im Saisonvergleich gab es bereits vor Corona einen deutlichen Ausreißer: 2009 war der Höhepunkt bereits im Herbst erreicht. Damals hatte ein Grippevirus vom Typ A(H1N1) die ganze Welt im Griff – besser bekannt als Erreger der Schweinegrippe.
Ein Projekt des Interaktiv-Teams
Von André Pätzold, Jeremias Volker, Sebastian Lammers, Carla Grefe-Huge und Sebastian Vollnhals. Weitere Anwendungen des Teams finden Sie auf der Interaktiv-Übersichtsseite
