Was guckst du? Unsere Filmtipps der Woche
Eine Woche mit starken Neuzugängen: Dazu zählt etwa Walter Salles‘ Oscar-Erfolg „Für immer hier“ oder die ironische Verbeugung vor Keith Jarretts legendärem Köln-Konzert in „Köln 75“. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit Filmlegende Ian McKellen. Aber auch eine höchst problematische Filmbiografie aus den USA über den deutschen Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer.
- „Für immer hier“
Empfohlener externer Inhalt
Es war eine der vielen Überraschungen in der Oscar-Nacht. Für den besten internationalen Film wurde „Für immer hier“ ausgezeichnet, Walter Salles‘ ergreifende Geschichte über eine Familie in Rio de Janeiro während der Militärdiktatur, bei der die Welt von einem Tag auf den nächsten auf dem Kopf steht. Weil der Vater verhaftet wird und nie mehr wiederkehrt. Überzeugend vor allem auch wegen der herausragenden Hauptdarstellerin Fernanda Torres.
Auch interessant
- „Bonhoeffer“
Empfohlener externer Inhalt
Ein Biopic über den Theologen Dietrich Bonhoeffer, der nach dem Anschlagsversuch auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt wurde, das war fast überfällig. Und dass das auch noch eine internationale Produktion ist, wäre eigentlich umso schöner. Leider aber ist dies eine geschichtsklitterndes Machwerk, das an realen Begebenheiten wenig interessiert ist und Bonhoeffer zum Märtyrer stilisiert. Evangelikale Rechte in den USA haben diesen Film instrumentalisiert. Davon haben sich die deutschen Darsteller, August Diehl, Moritz Bleibtreu und Jonas Dassler in der Titelrolle, distanziert. Den Ton des Films hätten sie aber erkennen müssen.
Auch interessant
- „Köln 75“
Empfohlener externer Inhalt
„The Köln Concert“ von Keith Jarrett ist 50 Jahre alt und immer noch das meistverkaufte Jazz-Soloalbum aller Zeiten. Jetzt gibt es auch den Film zum legendären Ereignis. Das erzählt: Das Konzert wäre fast nicht zustande gekommen. Weil der Musiker gar nicht nach Köln kommen und die dortige Oper ihm keine Bühne bereiten wollte. Und dann stand an dem Abend nicht der versprochene Flügel. Das ist kurzweilig und sehr augenzwinkernd erzählt. Und macht Lust, die alte Platte wieder aufzulegen.
Auch interessant
- „The Critic“
Empfohlener externer Inhalt
Ian McKellen ist längst eine lebende Legende. Und muss nicht mehr lesen, was Kritiker über ihn schreiben. In diesem Film aber spielt er selbst einen Theaterkritiker, der mit Lust und Verve Inszenierungen zerreißt und Karrieren verhindert. Bis es bei seiner Zeitung einen neuen Herausgeber gibt, der ihn vor die Tür setzen muss. Da greift der alte Mann tief in den Intrigenkasten. Das ist ganz hübsch gespielt, aber das schwache Drehbuch kann auch der große McKellen nicht ganz überspielen. Ein Vergnügen mit vielen Abstrichen.
Auch interessant
Zu diesem Film haben wir den 85-Jährigen auch in Großbritannien gesprochen. Dabei verrät er, dass er durchaus Kritiken liest - er will ja wissen, was über ihn geschrieben wird. Dass er aber selbst sein größter Kritiker ist.
Auch interessant
- „Die Schattenjäger“
Empfohlener externer Inhalt
Er saß in Syrien im Gefängnis. Und wurde gefoltert. Dann ist er geflohen. Wie so viele. Wie aber nicht nur Opfer und Vertriebene. Sondern auch Täter. Ein junger, gebrochener Syrer will solche Kriegsverbrecher nun mit einer Gruppe Gleichgesinnter aufspüren. Was klingt wie ein Action-Agentenfilm, ist vielmehr ein starkes Drama über Leben im Exil, alte Wunden, die nicht verheilen, und das Reizthema Selbstjustiz. Sehenswert.
Auch interessant
- „Ein Tag ohne Frauen“
Empfohlener externer Inhalt
Schluss mit dem Patriarchat. Schluss mit der Ungleichbehandlung. Am 24. Oktober 1975 traten in Island die Frauen in den Streik. Und überließen die Hausarbeit den Männern. Eine Revolution mit großer Wirkmacht. Heute steht der Inselstaat in Sachen Gleichberechtigung ganz weit vorne. Anlass für die Dokumentarfilmerin Pamela Hogan, dies anhand von Archivmaterialien aufzuarbeiten. Das ist schön, hätte aber durchaus tiefgründiger sein können.
Und das empfehlen die Filmkritiker:
Weiterhin im Kino:
- Robert Pattinson ringt mit sich selbst: „Mickey 17“
- Der erste Oscar-Sieger aus Lettland: der Animationsfilm „Flow“
- Einfache, aber Fabel über den Holocaust: „Das kostbarste aller Güter“
- Biopic über den Mann, der Sex zu Musik werden ließ: „Bolero“
- Wenn Filme weh tun: der Action- und Liebes-Mix „Love Hurts“
- Fantasyfilm nach „Game of Thrones“-Autor: „In the Lost Lands“
