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Krimi

„Polizeiruf 110 – Ablass“: Das Recht des Stärkeren

Essen. Seltsame Geständnisse und eine Leiche, die es nicht geben dürfte. Der „Polizeiruf“ wirft die Frage nach Moral und Gerechtigkeit auf.
Kommissar Dennis Eden (Stephan Zinner) und Kommissarin Cris Blohm (Johanna Wokalek) müssen sich im „Polizeiruf 110 - Ablass“ mit zu vielen Geständnissen befassen. © BR/die film gmbh | Susanne Bernhard

Es ist finstere Nacht, die Straßen wirken nass und glatt. Wir sehen einen weißen Porsche, der durch die Straßen brettert, unterlegt mit harten Technoryhthmen. Dann geht es ganz schnell: Ein Knall. Ein Radfahrer liegt auf der Straße. In der Szenerie, die wie aus einem Schwarzweiß-Film wirkt, sehen wir wie im Zeitraffer, Ermittler den Tatort sichern. Fast zeitgleich steht eine einsame Frau in der Notaufnahme. Eine Ärztin sagt nur: „Wir könnten nichts mehr für ihren Mann tun.“

Es ist ein düsterer Einstieg in den neuen „Polizeiruf 110 –Ablass “ aus München (Sonntag, 15. März, 20.15 Uhr, ZDF) Seltsam ist: Jemand gesteht die Tat, doch sagt er wirklich die Wahrheit? Die Kommissare Cris Blohm und Dennis Eden haben da so ihre Zweifel. Und fragen sich auch, welche Rolle der undurchsichtige Schicki-Micki-Anwalt August Schellenberg spielt?

„Polizeiruf 110 – Ablass“: Für den zweiten Mord sitzt längst einer in Haft

Johanna Wokalek und „Nockherberg“-Prediger Stephan Zinner stehen in diesem spannenden und intelligent erzählten Krimi wieder als Ermittler-Duo vor der Kamera. Ebenfalls mit dabei: Tobias Moretti. Der Österreicher spielt den Anwalt Schellenberg, der die Münchner Schickeria vertritt, wenn sie Ärger mit der Justiz hat. So auch dieses Mal. Denn der Sportwagen, der in den Raserunfall verwickelt war, gehört den wohlhabenden Assauers und wurde von ihnen als gestohlen gemeldet. Alle sind erleichtert, als sich der Fall löst. Denn bald wird als Dieb und Unfallfahrer einfach der arbeitslose Victor Reisinger (Shenja Lacher) ausgemacht.

Nebenbei landet ein zweiter Fall bei Blohm und Eden auf dem Schreibtisch. Es ist eine Frauenleiche, die offenbar zwei Jahre in der Isar lag und nun an einem Wehr geborgen wurde. Als die Identität der jungen Frau feststeht, wird klar: Es gibt ein Problem. Denn nach ihrem Verschwinden vor zwei Jahren wurde der Asylbewerber Léon Kamara festgenommen und wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Er hatte damals gestanden, den leblosen Körper der Frau zerstückelt und in den Müll geworfen zu haben. Auch hier gibt es ein Geständnis, das nicht schlüssig ist. Denn dann dürfte es ja jetzt keine Leiche mehr geben.

Kommissarin Cris Blohm (Johanna Wokalek) versucht, Rechtsanwalt August Schellenberg (Tobias Moretti) aus der Reserve zu locken. © BR/die film gmbh | Susanne Bernhard

Was den Krimi so spannend macht, ist, dass er sich mit Fragen von Schuld, Wahrheit und Sühne auseinandersetzt. Und damit, dass es in unserer Gesellschaft wohl gar nicht so selten vorkommt, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Man muss sich nur die reichen Assauers anschauen: Für sie sind Todesfälle die reine Banalität. Als Blohm und Eden bei ihnen wegen ihres Sportwagens nachbohren, weisen sie empört jede Schuld an dem Unfall samt Fahrerflucht von sich. „Sie glauben doch nicht, dass wir das waren?“, fragt Vater Assauer entrüstet.

Dreharbeiten im Gefängnis gestalteten sich schwierig

Die Szenen aus der Haftanstalt sind extrem eindringlich. In der tristen und beklemmenden Atmosphäre sitzt Kamara (Yoli Fuller) ein, der aus Burkina Faso kommt und sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen wollte. Stattdessen wurde er inhaftiert wegen einer Tat, die er womöglich gar nicht begangen hat. Blohm versucht, die Wahrheit aus ihm herauszulocken, doch der Mann bleibt beharrlich bei seiner Version. 

Rückt nicht von seinem Geständnis ab: Léon Kamara (Yoli Fuller) im Gespräch mit Kommissarin Cris Blohm (Johanna Wokalek). © BR/die film gmbh | Susanne Bernhard

Gedreht wurde unter anderem in der Justizvollzugsanstalt Laufen-Lebenau im Landkreis Berchtesgadener Land. Laut den Produzenten Uli Aselmann und Sophia Aldenhoven war das kein leichtes Unterfangen. Das Justizministerium habe den Dreh genehmigen müssen. Besonderer Schutz gelte für Gefangene und das Personal. Niemand dürfe gezeigt werden, der nicht ausdrücklich zugestimmt habe. Auch die Sicherheitsvorkehrungen seien sehr hoch, „bis hin zur ständigen Begleitung des Teams durch Vollzugsbeamte“. Doch die Atmosphäre eines echten Gefängnisses lasse sich filmisch kaum künstlich nachbilden, betonten die Produzenten.

Gibt es spezielle Rechte für Reiche? Solche Fragen sind es, die Regisseur und Drehbuchautor Christian Bach zu der Geschichte inspirierten. „In meine Schreibarbeit floss unter anderem das aktuelle Weltgeschehen mit ein, wo wieder das Recht der Stärkeren gilt, wo Politik, Moral und Gerechtigkeit als Deal betrachtet werden und nur noch der Preis stimmen muss“, erläutert der Filmemacher. dpa

Bewertung: 5/5 Sterne
Sonntag, 15. März, 20.15 Uhr, ARD

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