Syrer prügeln sich in Düsseldorf – Innenministerium schlägt Alarm
„Mit Leib und Seele verteidigen wir dich, Israel”, rufen einige Aktivisten der kurdisch-drusischen Demo. Doch die Antwort darauf lässt nicht lange auf sich warten: „Türkiye, Türkiye“, ertönt es aus der pro-syrischen Gruppe. Ab diesem Moment war es klar, dass sich die Lage vor dem Düsseldorfer Hauptbahnhof zuspitzen wird.
Folgen Sie der Redaktion auf Social Media:
- Die NRZ auf Whatsapp: Hier kostenlos den Kanal abonnieren.
- Die NRZ auf Facebook: Hier kostenlos die Seite abonnieren.
- Die NRZ auf Instagram: Hier kostenlos die Seite abonnieren.
- Die NRZ auf TikTok: Hier kostenlos den Kanal abonnieren.
An diesem Sonntagabend, 20. Juli, trafen in der Stadtmitte zwei syrische Gruppen aufeinander: eine kurdisch-drusische und eine pro-Regime. Die einen protestierten gegen die Gräueltaten an der drusischen Minderheit in Syrien, die anderen unterstützten Syriens Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa und seine Regierung. Letztere zog durch die Stadtmitte. Als die Versammlung beendet war, machten sich viele Demonstranten auf den Rückweg über den Hauptbahnhof, wo sie auf die andere Demonstration trafen.
Empfohlener externer Inhalt
Hintergrund ist, dass in der Provinz Suweida am vorherigen Sonntag, 13. Juli, Gefechte zwischen Kämpfern der Drusen und sunnitischen Beduinen begonnen hatten. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei mehr als 1100 Menschen getötet, darunter über 298 Zivilisten. Gegenseitig werfen sich beide Seiten vor, Massaker zu begehen.
Auch interessant
Suweida: Syrer in Düsseldorf vom Konflikt emotional belastet
In Düsseldorf ist einige Minuten später von friedlichem Protest nichts mehr zu sehen. Aus lautstarken Parolen werden Beleidigungen und Beschimpfungen. Die Präsenz der israelischen und türkischen Flaggen scheint nur Öl ins Feuer zu gießen. Denn die beiden Akteure verfolgen in Syrien ihre eigenen geopolitischen Interessen. Aber ohne zu vergessen, dass viele Menschen auf beiden Seiten von der aktuellen Situation betroffen sind und emotional belastet sind, ob Drusen oder Beduinen. Eine brisante Situation. Die Spannung in der Luft ist beinahe greifbar. Dann eskaliert die Lage.
Zunächst gibt es verbale Provokationen zwischen den Teilnehmenden. Dann fliegen Plastikflaschen, Steine und Schuhe durch die Luft, bevor die beiden auch körperlich aneinandergeraten. Die Polizeibeamten kämpfen mit einem Großaufgebot darum, die beiden Gruppen zu trennen. Trotzdem kommt es immer wieder zu Zusammenstößen.
Es gibt, laut Polizei, sieben Verletzte, darunter vier Polizisten. Im Hauptbahnhof kommt es zu einem Zwischenfall, bei dem ein junger Mann aus der pro-Regierungs-Gruppe zusammenbricht und wiederbelebt werden muss. Die Organisatoren der Demonstration berichten später, dass die Reanimation erfolgreich war und die Person aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Von welcher Seite die Gewalt zuerst ausging, ist unklar. Die Polizei ermittelt.
Syrien-Konflikt: NRW-Innenministerium schlägt Alarm
Nach der Massenschlägerei am Düsseldorfer Hauptbahnhof schlägt das NRW-Innenministerium Alarm. Offenbar könnte der jüngste Konflikt im Südsyrien zwischen sunnitischen Beduinen und Drusen auch nach NRW getragen werden. „Der Vorfall wird seitens der zuständigen Kreispolizeibehörde Düsseldorf derzeit intensiv auf- und nachbereitet“, hieß es auf Anfrage.
Fest stehe jedoch bereits jetzt, dass sich aktuelle geopolitische Konflikte wie der in Syrien immer auch auf die Sicherheitslage in Deutschland und NRW auswirken können. „Bei dem Zusammentreffen der jeweiligen Gruppierungen ist aufgrund der hohen Emotionalisierung aktuell von einer abstrakt erhöhten Gefährdungslage auszugehen, die mit Störungen und Straftaten bei Versammlungen einhergehen kann“, so das Innenministerium.
