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Schicksal

Blasenkrebs-Diagnose mit 45: Anika kämpft gegen die Zeit und sucht Hoffnung

Bottrop. Mit 45 erkrankt Anika an Blasenkrebs, die Behandlung bleibt erfolglos. Ihr Zwillingsbruder Tobias wirbt mit einer bewegenden Aktion um Unterstützung.
Von Nina Stratmann, Stellvertretende Redaktionsleiterin
Anika Janßen (45) kämpft gegen Blasenkrebs, ihr Zwillingsbruder Tobias hat eine Spendenkampagne gestartet. © FUNKE Foto Services | Thomas Gödde
  • Anika aus Bottrop ist an Blasenkrebs erkrankt und kämpft mit schweren Nebenwirkungen und finanziellen Sorgen.
  • Ihr Zwillingsbruder Tobias sammelt Spenden, um sie und ihren autistischen Sohn zu unterstützen.
  • Die Resonanz auf die Aktion ist groß, viele Menschen helfen mit Geld, Zuspruch und guten Ideen.

Anika und Tobias sind Zwillinge. Näher als die beiden können sich zwei Menschen kaum stehen. Als Anika (45) vor einem Jahr die Diagnose Blasenkrebs erhält, ist ihr Bruder an ihrer Seite, begleitet sie zur Chemo. Doch diese und andere Therapien schlagen nicht an, die Krebszellen breiten sich weiter im Körper aus, erzählen die beiden. Um der alleinerziehenden Anika, bei deren Sohn Vincent (14) frühkindlicher Autismus diagnostiziert worden sei, zumindest die finanziellen Sorgen zu nehmen, hat Tobias eine Spendensammlung für die beiden auf der Plattform Gofundme gestartet.

Tobias über seine Schwester: „Sie würde niemals selbst um Spenden bitten“

Heimlich, zunächst, denn Tobias wusste genau: „Sie würde niemals selbst um Spenden bitten.“ Anika bestätigt das und ergänzt: „Ich mache viel mit mir selbst aus. Nur der innerste Verwandten- und Freundeskreis wusste von meiner Erkrankung.“ Als ihr daher eher zufällig die Spendenaktion samt einem Foto von sich und ihrem Sohn auf Facebook begegnete, dachte sie zunächst, ihre persönlichen Daten seien gehackt worden.

Nach dem ersten Schock ist Anika inzwischen positiv überwältigt: „Mir ist im letzten Jahr so viel Schlechtes passiert. Und jetzt erlebe ich so viel Gutes.“

Mir ist im letzten Jahr so viel Schlechtes passiert. Und jetzt erlebe ich so viel Gutes.

Anika aus Bottrop

Die vielen Reaktionen der Menschen auf den Aufruf hin berühren die Bottroperin. Sie weiß nicht, wie es weitergeht. Ob die nächste anstehende Untersuchung, ein PET-MRT, neue Schrecken offenbart. Ob sie durch die Veröffentlichung ihres Schicksals vielleicht von neuen Forschungen und Behandlungsmöglichkeiten erfährt, die ihr bisher nicht bekannt sind und wieder Hoffnung versprechen. Doch zuletzt, erzählt Anika, habe man sie im Krankenhaus gefragt: „Haben Sie schon überlegt, ob ein Hospiz für Sie infrage kommt?“ Fest stehe dies: „Ich mache keine Pläne mehr für die Zukunft.“

Blasenkrebs tritt typischerweise in höherem Alter und bei Männern auf

Dabei, sagt die zierliche Frau mit den wachen Augen, habe sie den Kampf gegen den Krebs anfangs mit einer positiven Einstellung in Angriff genommen. „Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich die Diagnose Blasenkrebs erhalten“, berichtet Anika im Gespräch mit der Redaktion. Zuvor hatten sie über einen längeren Zeitraum wiederkehrende Blasenentzündungen geplagt. Schließlich wurde er bei spezialisierteren Untersuchungen entdeckt: „Ein golfballgroßer Tumor an der Blasenaußenwand, mit Metastasen in der Leiste.“

Nicht zu sehen bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen; auch nicht zu erwarten bei einer Frau Mitte 40. Blasenkrebs tritt typischerweise im fortgeschrittenen Alter und bei Männern auf.

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Die Diagnose „hat natürlich alles verändert“, sagt Anika. Sofort sei mit der ersten Therapie gestartet worden, zunächst mit einem relativ neuen Wirkstoff (Kombination aus Enfortumab und Pembrolizumab); dann schlossen sich 25 Bestrahlungseinheiten an; anschließend wurde mit einer klassischen Cisplatin-Chemotherapie weitergemacht, die laut Anika heftigste Nebenwirkungen mit sich brachte.

„Geplant war eigentlich nur eine Chemotherapie, um den Tumor so weit in den Griff zu bekommen, dann eine Blasenentfernung und der Aufbau einer künstlichen Blase. Dann hat man gesehen, dass die Chemo nicht anschlägt.“ Letztlich gelte der Tumor, bei dem nicht klar sei, wo genau er festgewachsen sei, aktuell als inoperabel. „Vor vier Wochen“, sagt Anika, „wurde noch einmal eine Biopsie gemacht.“ Ergebnis: Es seien weiterhin aktive Krebszellen da.

Und nun? „Es gäbe eventuell noch eine weitere Chemotherapie. Aber da die ersten beiden Therapien nicht angeschlagen haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es mit dieser klappt, recht gering“, so die Bottroperin.

Die Chemotherapie hat Anika körperlich und psychisch stark zugesetzt

Zudem: „Ich muss ehrlich sagen: Die Zeit der Chemotherapie war sehr belastend. Ich musste mehrfach ins Krankenhaus, wurde künstlich ernährt, hatte Migräne, die Zahl der weißen Blutkörperchen ist abgefallen. Das war sehr, sehr schwer. Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal durchstehen würde, körperlich und psychisch.“

Seit der Diagnose kann Anika, die auch von starken Schmerzen berichtet, nicht mehr arbeiten. Finanziell wird es immer enger. Je mehr die gesundheitlichen Rückschläge sich häuften, desto wichtiger wurden psychologische Hilfestellungen und die Familie für sie: „Die Familie ist mein größter Halt und meine Stütze.“

Für Sohn Vincent, der eine private Förderschule besucht, „ist es auch eine schwere Zeit“. Für Anika ein Trost: „Meine Eltern sind sein zweites Zuhause. Und er hat auch einen guten Kontakt zu seinem Vater.“

Gerade auch für Vincent soll die Gofundme-Aktion eine Hilfe sein. Rund 50 Prozent des Spendenziels sind bereits zusammengekommen, nämlich circa 20.000 Euro. Die Familie hat ausgerechnet: 40.000 Euro wären eine gute Summe, „um die existenzielle und medizinische Versorgung zu gewährleisten und Stabilität zu schaffen“. Für ein Jahr. Dass so viel tatsächlich gespendet werden könnte, teils auch von völlig Fremden, damit hatten sie allerdings nicht wirklich gerechnet.

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„Was für eine große Hilfsbereitschaft es gibt“, auch Tobias fühlt sich ein wenig überwältigt von der Resonanz. Trost, liebe Nachrichten, Ratschläge und Ideen zur Krankheitsbewältigung sind dabei mindestens ebenso willkommen wie Geld.

Die Spendenaktion „Helft einer krebskranken Mutter mit autistischem Kind“ auf der Plattform Gofundme ist über diesen Link zu erreichen: https://gofund.me/3e18aee63

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