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Gastro-Check

DOppelt schmeckt besser: Lohnt ein Besuch im „Haus Überacker“ in Dortmund?

Dortmund. Im „Haus Überacker“ in Dortmund treffen traditionelle Küche und vegane Gerichte aufeinander – doch gelingt dieser Spagat wirklich überzeugend?
Von Stephanie Heske, Digital-Reporterin
Zwei Kasseler-Steaks warten dieses Mal als Hauptspeise bei unserem Gastro-Check „DOppelt schmeckt besser“ auf Britta. Dazu gibt es im Haus Überacker in Dortmund Kartoffel-Sauerkraut-Stampf. © Funke Medien NRW | Stephanie Heske

Wo werden Fleischesser und Vegetarier oder Veganer in Dortmund gleichermaßen satt und zufrieden? Das testen wir in unserer Gastro-Kolumne „DOppelt schmeckt besser“. Dieses Mal haben wir seit längerer Zeit mal wieder in einem traditionellen, deutschen Lokal gegessen. Unter Vegetariern und Veganern sind solche Restaurants nicht gerade als gute Wahl bekannt. Doch im „Haus Überacker“ in Dortmund-Höchsten soll man auch ohne Fleisch oder ganz ohne tierische Produkte lecker satt werden können.

Das Haus selbst wirbt mit seinen deutschen und westfälischen Spezialitäten und seiner bodenständigen Küche. „Genussvolle Stunden zu bereiten ist ein Ausdruck verfeinerter Lebenskunst und dies haben wir uns zur Aufgabe gestellt“, verspricht die Webseite. Mal sehen, ob sich dieser Anspruch halten lässt.

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Auf der Speisekarte im Haus Überacker dominieren deftige Fleischgerichte

Die Speisekarte: Ist dann auch so, wie wir es erwartet haben. Traditionelle Gerichte mit Fleisch dominieren die Speisekarte deutlich. Von der gebratenen Blutwurst als Vorspeise hin zu einer Auswahl an Schnitzeln, Rumpsteak oder Färsenleber bis hin zum Schwartenmagen.

Auch auf der aktuellen Mittagskarte sieht es für Freunde pflanzlicher Kost ziemlich düster aus. Ein Menü mit Champignon-Omelette und Bratkartoffeln gibt es. Mehr auch nicht. Naiv frage ich bei der Kollegin nach, ob der „Hausmacher Panhas“ wohl etwas für mich sein könnte. Die erklärt mir die Zubereitung. Bei der Zutat Schweineblut bin ich raus – und bereue, dass ich gefragt habe.

Abschnitt mit vegetarischen und veganen Gerichten

Zum Glück gibt es auf der regulären Speisekarte aber sogar einen extra Abschnitt mit vegetarischen und veganen Speisen. Fünf Gerichte stehen zur Auswahl, darunter ein Auberginenschnitzel mit Risoni-Risotto, Käsespätzle und ein Linsencurry mit gebackenem Rucola. Allergene sind auf der Speisekarte nicht ausgezeichnet. Dafür sind die veganen Gerichte klar als solche benannt.

Als ich nachfrage, ob es möglich ist, eines der vegetarischen Gerichte in veganer Variante zu bestellen, kommt unsere Bedienung etwas ins Trudeln. Um auf der sicheren Seite zu sein, wähle ich am Ende dann doch lieber das klar so ausgezeichnete Curry.

DOppelt schmeckt besser: Stephie (l.) und Britta testen für euch Restaurants in Dortmund. © Andreas Buck / FUNKE Foto Services | Montage: Lisa-Marie Pütter

Der Geschmack: Überrascht mich dann doch sehr. Leider nicht positiv. Das Linsencurry schmeckt nicht wie ein asiatisches Curry, wie ich es bei dem Namen erwartet habe. Sondern eher wie ein schwäbischer Linseneintopf. Die Optik erinnert – ich kann es nicht anders sagen – an den Inhalt einer Konservendose. Das kann auch der hübsch obenauf angerichtete Rucola nicht wettmachen.

Das Linsencurry sieht leider besser aus, als es schmeckt. Unserer Testesserin Stephanie war es viel zu sauer. Und von Curry keine Spur. © Funke Medien NRW | Stephanie Heske

Leider war das Ganze wohl auch nicht lange genug im Topf oder in der Pfanne, denn sowohl die Linsen als auch die Kartoffeln haben für meinen Geschmack noch deutlich zu viel Biss. Hinzu kommt: Das Gericht ist schlicht und einfach zu sauer. Zwar passt die Balsamiconote insgesamt gut dazu, was die Menge angeht, wäre etwas weniger aber mehr gewesen.

Hausmannskost überzeugt: Frisch gekochte Rinderkraftbrühe zum Start

Und wie sieht es bei Britta aus? Meine Gastro-Check-Kollegin hat sich für ein Mittagsmenü entschieden: Gebratene Kasseler-Steaks mit Kartoffel-Sauerkrautstampf. Dazu eine Tagessuppe und das Dessert des Tages. Los geht es mit einer Rinderkraftbrühe mit Markklößchen und Backerbsen. Nicht zu salzig und eindeutig frisch gekocht, urteilt Britta. „Bisschen wie früher sonntags zu Hause, Sonntagmittag um zwölf.“ Ein guter Start.

Die Rindersuppe mit Markklößchen erinnert Britta an ihre Kindheit. © Funke Medien NRW | Stephanie Heske

Auch der Kartoffel-Sauerkraut-Stampf kommt hervorragend an. Cremig durch die Kartoffeln und fein säuerlich und knackig durch das Kraut. „Schmeckt total gut“, freut sich Britta. Leider dämpft das Kasseler das Geschmackserlebnis ab. Die Pökel- und Räuchernoten riecht und schmeckt man deutlich. Viel zu sehr, nach Brittas Geschmack. „Sehr salzig“, findet sie zudem. Aber in Kombination mit dem Stampf sei es okay. Am Ende ist es ihr dann aber doch zu viel. Wie auch ich, lässt sie rund die Hälfte ihres Essens wieder zurückgehen.

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Nachfragen werden nicht wirklich beantwortet

Als Nachtisch gibt es für sie noch eine Quarkspeise mit Himbeersoße, Schokolade und Granola. Das reimen wir uns zusammen, auch hier weiß die Kellnerin nicht wirklich, was sie serviert. Aber es schmeckt: „Lecker, sahnig, fruchtig, nicht so süß, ein schöner Nachtisch.“ Ein versöhnlicher Abschluss.

Hübsch anzusehen: Die Quarkspeise mit Himbeersoße im Haus Überacker. © Funke Medien NRW | Stephanie Heske

Der Service: Ist höflich und professionell. Unsere Kellnerin war sehr freundlich und bemüht, unsere Fragen zu beantworten. So ganz geklappt hat es mit meinen Nachfragen nach Zutaten und der Möglichkeit, Gerichte abzuwandeln, dann aber nicht wirklich. Damit steht das Haus Überacker aber wahrlich nicht alleine da.

Die letzten Folgen des Gastro-Checks

Rustikale Gemütlichkeit und älteres Publikum im Überacker Restaurant

Die Atmosphäre: Das Überacker ist nicht nur Restaurant, sondern auch Hotel. Das hübsche Fachwerkhaus steht an der Wittbräucker Straße und am Rande des Niederhofener Waldes. Offensichtlich ist das Restaurant bei Seniorengruppen sehr beliebt. Bei unserem Besuch zur Mittagszeit senken wir den Altersschnitt zumindest radikal. Wir haben ein wenig den Eindruck, dass auch das Personal von unserer Anwesenheit überrascht ist. Im Inneren herrscht rustikale Gemütlichkeit. Wenn man es freundlich ausdrücken möchte. Man könnte es auch ein wenig altbacken nennen.

Das Haus Überacker an der Wittbräucker Straße im Dortmunder Süden ist auch ein Hotel. © Funke Medien NRW | Stephanie Heske

Der Preis: Die Kasseler-Steaks mit Kartoffel-Sauerkrautstampf kosten im Mittagsmenü inklusive Vor- und Nachspeise 24,90 Euro. Das ist ein durchaus fairer Preis. Mein Linsencurry ist mit 15,90 Euro deutlich günstiger. Die Vorspeisen bewegen sich zwischen 12,90 Euro ( Feldsalat Ü504!“) und 16,90 Euro (Baumüller’s Räucherlachs). Eine Suppe gibt es ab 7,50 Euro. Die Hauptspeisen mit Fleisch oder Fisch starten alle bei rund 21 Euro. Die Hähnchenbrust in Crunch-Panade kostet 23,80 Euro, das Geschnetzelte vom Rind und Schwein 28,90 Euro, das Rumpsteak vom Sauerländer Höhenvieh 34,80 Euro.

Die letzten Folgen des Gastro-Checks

Vegane und vegetarische Auswahl im Traditionslokal

Der Veganer-Fleischesser-Faktor: Positiv sticht hervor, dass ein solches Traditionslokal überhaupt eine Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten auf der Speisekarte anbietet und klar kennzeichnet. Das ist nicht selbstverständlich. Wer kein Fleisch oder Fisch isst, wird hier also auf jeden Fall fündig. Auch wenn die Ausführung in meinem Fall nicht sonderlich gelungen war. Fleischfans haben hier ohnehin freie Fahrt und eine große Auswahl.

Unsere Bewertung:

Geschmack: 2,5 von 5 Punkten
Atmosphäre: 2,5 von 5 Punkten
Service: 4 von 5 Punkten
Preis-Leistung: 2,5 von 5 Punkten

Gesamt: 2,9 von 5 Punkten

Hinweis der Redaktion: Diese Gastro-Kritik entspricht dem subjektiven Geschmacksurteil der Verfasserinnen. Bei unseren Tests geben wir uns nicht zu erkennen, bewerten unabhängig und bezahlen das Essen selbst.

Haus Überacker, Wittbräucker Str. 504, 44267 Dortmund; Tel.: 02304 982850; Fr - Di: 11.30-21 Uhr; Mi und Do Ruhetag. Mail: info@haus-ueberacker.de; Web: haus-ueberacker.de

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