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Respektlosigkeit und Gewalt

Klinikum Dortmund testet Bodycams: „Es reicht!“

Dortmund. Das Klinikum Dortmund testet seit vier Wochen Bodycams in seinen Notaufnahmen – als erstes Krankenhaus in Deutschland. Eine erste Bilanz klingt vielversprechend.
Von Stephanie Heske, Digital-Reporterin
Seit vier Wochen sind die Bodycams im Klinikum Dortmund im Einsatz. Die Mitarbeitenden der Notaufnahmen tragen sie seitdem – und fühlen sich schon sicherer. © Klinikum Dortmund | Lukas Wittland

Beleidigungen, Drohungen und körperliche Gewalt gehören mittlerweile auch zum Alltag in Krankenhäusern. Das Klinikum Dortmund hat deshalb ein deutschlandweit einzigartiges Pilotprojekt gestartet: Seit vier Wochen tragen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notaufnahmen Bodycams. Diese kleinen, leichten Kameras kennt man sonst von Polizei und Ordnungsamt. Und ein erstes Resümee der Klinik zeigt: Sie wirken.

Denn in erster Linie sollen die Bodycams das Sicherheitsgefühl des Klinikpersonals erhöhen und dazu beitragen, dass Konflikte gar nicht erst eskalieren. Schon die Androhung, die Kamera einzuschalten, habe in Situationen dazu geführt, dass direkt die Lautstärke gesenkt und ein normales Gespräch wieder möglich wurde. So berichtet es etwa Dr. Thorsten Strohmann, Leiter der zentralen Notaufnahmen.

Mit einem Klick lässt sich die Bodycam anschalten. © Klinikum Dortmund | Lukas Wittland

Gerade in Notaufnahmen komme es durch die oft große Kluft zwischen persönlicher Wahrnehmung und ärztlicher Einschätzung zu Konfliktsituationen. „Wir sind dankbar, dass wir einen Arbeitgeber haben, der sich für uns einsetzt“, ergänzt Christian Eggers, pflegerischer Leiter der Notaufnahme Nord. „Und wir fühlen uns auch sicherer.“

Bodycams in Dortmunder Kliniken: Schutz für Beschäftigte soll steigen

Warum hat Dortmund die Kameras eingeführt? „Um es mal überspitzt zu formulieren: Weil es reicht!“, sagt Klinik-Geschäftsführer Michael Kötzing. Zwar würden 99,99 Prozent aller Aufeinandertreffen im Krankenhaus herzlich und freundlich ablaufen. Nur ein „klitzekleiner Teil“ der Patienten oder Angehörigen würde verbal oder körperlich aggressiv. Dennoch sind heikle Situationen mittlerweile eher an der Tagesordnung als eine Ausnahme. „Die Beschäftigten in Kliniken sind kein Freiwild. Und ich sage es auch immer klar: Ihr müsst euch das nicht gefallen lassen“, betont Kötzing.

Klinikum-Geschäftsführer Michael Kötzing (Mitte) bei der Vorstellung der bisherigen Erfahrungen mit den Bodycams im Klinikum Dortmund. © Funke Medien NRW | Stephanie Heske

Beleidigungen und Bedrohungen gebe es täglich. Dazu gehören auch Sprüche wie „Ich weiß, wo dein Auto steht, wir sehen uns später auf dem Parkplatz.“ Das mache auch mental etwas mit den Beschäftigten. Man biete daher auch psychologische Unterstützung an, ebenso Rechtsberatung. Ein Selbstverteidigungskurs war nach wenigen Stunden so überlaufen, dass direkt Ersatztermine hinzukamen.

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Bodycams im Klinikum: Mitarbeiter entscheiden selbst über Einsatz

Die Angestellten können selbst entscheiden, ob sie die neuen Bodycams nutzen wollen oder nicht. Und alle hätten sich dafür entschieden, so der 49-jährige Kötzing. Auch ob und wann man sie einschaltet, entscheiden die Mitarbeitenden selbst. „Da sollte man auf sein Bauchgefühl hören.“ Die Daten bleiben auf einem Server des Klinikums, sie gehen nach dessen Angaben nicht an eine externe Cloud. Nur ein sehr kleiner Kreis an Mitarbeitenden hat überhaupt Zugriff darauf. Aufnahmen, die nicht benötigt werden, verfallen automatisch.

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Kameras in einem so sensiblen Bereich wie einer Notaufnahme: Gibt es da Kritik seitens der Patienten? Nein, sagt Arbeitsdirektor Kötzing. „Wir erleben da wirklich ein hohes Maß an Verständnis“, fasst er seine Eindrücke zusammen. Die häufigste Rückmeldung sei diese: „Schade, dass man die Kameras überhaupt braucht.“

Bodycams und mehr Sicherheit: Klinikum plant weitere Maßnahmen

Die insgesamt 24 Bodycams sind auch nur Teil eines umfangreichen Maßnahmenpakets, das das Klinikum für die bessere Sicherheit seiner Beschäftigten auf den Weg bringen will bzw. teilweise schon gebracht hat. Dazu gehört etwa ganz simpel eine deutlich verschärfte Hausordnung, aber auch bauliche Veränderungen oder spezielle Türen. Der Sicherheitsdienst, der derzeit 18 Stunden täglich vor Ort ist, soll auf 24 Stunden ausgeweitet werden. All das ist kostspielig, entscheiden muss darüber letztendlich der Aufsichtsrat. Alles in allem könnte ein siebenstelliger Betrag nötig sein. „Wir sind ein defizitäres, städtisches Krankenhaus, man muss es so ehrlich sagen“, so Geschäftsführer Kötzing. „Wir gehen dafür in die Miesen, aber wir wollen tun, was wir können.“

Das Pilotprojekt ist zunächst auf drei Monate ausgelegt. Ob es danach weitergeführt wird, ist nicht offiziell entschieden. Das Krankenhaus selbst könnte sich auf jeden Fall vorstellen, noch mehr Bodycams für weitere Bereiche der Klinik anzuschaffen. Etwa für die Nachtschicht auf Stationen. Die Nachfrage bei den Mitarbeitenden sei groß.

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