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Bahnverkehr

Betonplatten auf Bahnstrecke in Westfalen: „Es hätte böse ausgehen können“

Kamen/Dortmund. Ruhr-Rhein-Express kollidiert bei Kamen mit Gegenständen auf den Gleisen. Warum der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen hat.
Von Rolf Hansmann, Redakteur/in
Durch den Aufprall wurden nach Polizeiangaben mehrere der 50 mal 50 Zentimeter großen Betonplatten zerstört. An dem Regionalzug soll ein Sachschaden von mindestens 40.000 Euro entstanden sein. © Alex Talash | Alex Talash

309 Passagiere saßen in der Nacht zu Samstag im Rhein-Ruhr-Express RE1 zwischen Aachen und Hamm, als der Zug bei Kamen mit mehreren Betonplatten und einer Metallstange kollidierte. Unbekannte hatten die Gegenstände auf die Gleise gelegt. Die Menschen an Bord blieben unverletzt, doch niemand weiß im Moment genau, wie nah der moderne Doppelstocktriebzug der National Express Rail GmbH an einem schweren Unglück, gar an einer Katastrophe vorbeigeschrammt ist.

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Tobias Boccarius von der Dortmunder Polizei will am Montagmorgen den Begriff „Anschlag“ nicht in den Mund nehmen: „Den haben wir nicht offiziell verwendet“, sagt der Polizeisprecher und ergänzt: „Die Sache in der Nacht zu Samstag ist zum Glück glimpflich verlaufen, aber es hätte auch böse ausgehen können. Wenn sich Gegenstände auf den Gleisen befinden, wird es immer extrem gefährlich. Es ist dann immer möglich, dass ein Zug entgleist.“

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Wie Boccarius schildert, sei der Regionalzug rund um Mitternacht „mit einer Geschwindigkeit von 140 bis 160 Stundenkilometern“ zwischen Kamen-Methler und dem Bahnhof Kamen unterwegs gewesen, als der Lokführer Gegenstände auf den Gleisen entdeckte. Trotz einer sofort eingeleiteten Notbremsung sei die Bahn über mehrere 50 mal 50 Zentimeter große und 8 Zentimeter dicke Betonplatten gefahren, die „durch den Aufprall zum Teil zerstört wurden“. Die Platten hätten sich zuvor in unmittelbarer Nähe der Gleise befunden – als Abdeckung über einem Kabelschacht. Und müssen von dort von den unbekannten Tätern (oder dem unbekannten Täter) von dort auf die Bahnstrecke getragen worden sein.

Die Polizei Dortmund ermittelt jetzt wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Genauer: die dortige Staatsschutzabteilung. „Wir können vor dem Hintergrund der derzeitigen Weltlage einen politischen Hintergrund nicht ausschließen“, sagt Tobias Boccarius und fügt hinzu: „Bahnstrecken zählen zur kritischen Infrastruktur“ - und sind damit potenzielle Ziele für Angriffe.

Am Tag nach der Kollision fanden sich noch Reste der Betonplatten auf dem Schotter neben den Gleisen. © Alex Talash | Alex Talash

Der Rhein-Ruhr-Express wurde dem Polizeisprecher zufolge in der Nacht zu Samstag am Radkastenbereich beschädigt. Die Bundespolizei – sie ist für die Sicherheit im Schienennetz und an Bahnhöfen zuständig – bezifferte in einer ersten Schätzung den Sachschaden auf mindestens 40.000 Euro.

Die Dortmunder Polizei hatte am Montagvormittag noch keine heiße Spur von dem Täter oder den Tätern. „Für die Ermittlungen wäre es enorm wertvoll“, so Boccarius, „wenn sich potenzielle Zeugen melden, die verdächtige Personen in der Umgebung der betroffenen Bahnstrecke gesehen haben.“ Sachdienliche Hinweise nimmt die Kriminalwache unter Tel. 0231/132-7441 entgegen.

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