Duisburger AfD-Abgeordneter Keuter soll Partnerin mit Steuergeld beschäftigen
Im Vetternwirtschaft-Skandal um die AfD-Bundestagsfraktion hat anscheinend auch ein Duisburger Abgeordneter ein Kapitel beigesteuert: Dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Stefan Keuter wird vorgeworfen, seine Lebensgefährtin auf Kosten des Steuerzahlers in seinem Bundestagsbüro beschäftigt zu haben. Das hatte für Keuter, der seit 2025 in Duisburg lebt, bereits fraktionsinterne Konsequenzen.
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Das Nachrichtenportal T-Online hat bereits Ende Februar Recherchen veröffentlicht, wonach Keuters Lebenspartnerin im System des Bundestags als seine Mitarbeiterin eingetragen ist. Innerhalb der AfD sei die Beziehung bekannt. T-Online wurden zudem Aufnahmen von Keuters Wohnsitz in Duisburg zugespielt: Auf Klingelschild und Briefkasten, so die Autoren, stehe Keuters Name sowie der Nachname der Frau.
AfD-Fraktionsvize Stefan Keuter aus Duisburg nicht mehr für Personalangelegenheiten zuständig
Auf Anfrage von T-Online bestätigte Keuter in Erklärungsnot im Februar die Anstellung, leugnete oder bestätigte die Beziehung jedoch nicht. Er bestritt „eine gemeinsame Haushaltsführung oder ein Zusammenleben“. Dass sich der Name seiner Mitarbeiterin an seiner Wohnung befinde, habe „ausschließlich praktische Gründe“, so Keuter gegenüber der Redaktion. „Ich nehme vorübergehend Post für sie entgegen.“ Auf Nachfragen unserer Redaktion an sein Bundestagsbüro haben weder Stefan Keuter noch dessen Mitarbeitende reagiert.
Wenige Tage nach der Berichterstattung über die umstrittene Vergabe von Parlamentsjobs musste Keuter seine Verantwortung als Personalchef der Fraktion abgeben. Der Vorstand um Alice Weidel und Tino Chrupalla soll dem 53-Jährigen dies nahegelegt haben. Chrupalla sprach von einem freiwilligen Schritt Keuters.
In den Wochen zuvor war im Zuge der Vetternwirtschaft-Affäre über immer mehr AfD-Abgeordnete bekannt geworden, dass sie Angehörige von Parteifreunden in ihren Büros beschäftigen. Diese „Überkreuz-Beschäftigungen“ umgehen ein Verbot, denn Mitglieder des Bundestags (MdB) dürfen Familienangehörige, Ehepartner oder Ex-Partner nicht auf Steuerzahlerkosten anstellen. Die Parlamentarier erhalten für Mitarbeitende monatlich bis zu 26.650 Euro (Stand: 1. April 2025).
Bundestagsabgeordneter Sascha Lensing nun zweiter Vize-Vorsitzender in NRW
Stefan Keuter unterhält seit 2021 ein Wahlkreisbüro in Duisburg-Rheinhausen. Nach der Bundestagswahl im Februar 2025, bei der er sein Mandat über die NRW-Landesliste verteidigte, hatte er sich der AfD Duisburg angeschlossen. Im gemäßigten Essener Kreisverband hatte Keuter wenig Einfluss und kaum Freunde. Mit der rechtsoffenen bis rechtsextremen AfD Duisburg verbindet ihn inhaltlich und persönlich mehr.
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Der gebürtige Essener ist schon durch etliche Affären und Skandale aufgefallen. Er verschickte über WhatsApp Bilder, die den Nationalsozialismus verherrlichen, seine Diäten wurden wegen Schulden gepfändet, als Außenpolitiker war er durch Kontakte nach Russland und zum chinesischen Geheimdienst aufgefallen.
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Der zweite Duisburger Bundestagsabgeordnete der AfD ist Sacha Lensing, gegen ihn hat die Polizei Duisburg als Dienstherr ein Disziplinarverfahren angestrengt (wir berichteten). Lensing, seit 2024 Mitglied des AfD-Landesvorstandes, wurde beim Landesparteitag Anfang März zum zweiten stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt.
