Fabian (27) hat Trisomie 21 – und endlich seinen Traumjob gefunden
„Das ist meine zweite Familie“, erzählt Fabian Thermer voller Stolz in der Cafeteria des Seniorenzentrums an der Jupiterstraße in Duisburg-Walsum. Der 27-Jährige hat Trisomie 21, besser bekannt als Down-Syndrom. Für Menschen mit dieser Behinderung ist es deutlich schwieriger, einen Job zu finden, als für Menschen ohne Handicap. Doch Fabian hat es geschafft.
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Lange hat er in einer Behindertenwerkstatt gearbeitet. „Dort wurde ich aber gemobbt, das war schlimm. Ich hatte keinen Bock mehr. Ich wollte da weg“, sagt er. Außerdem habe ihm dort die Arbeit nicht gefallen. Im Oktober vergangenen Jahres konnte er dann durch Hilfe von Betreuerinnen ein mehrwöchiges Praktikum in dem Seniorenheim machen. Und dort fühlte er sich sofort wohl.
Inklusion spielt für das Duisburger Seniorenzentrum eine wichtige Rolle
Da das Praktikum so gut lief, haben sich die Betreuerinnen Claudia Siebald, Sylvia Kutscher und Kathleen Richter sowie Heimleiter Marvin Schweritz dafür eingesetzt, dass für Fabian eine langfristige Stelle geschaffen wird – mit Erfolg. „Inklusion schätzen wir sehr und so können wir einen großen Beitrag leisten. Unsere Bewohner und unsere Mitarbeiter lieben ihn. Zusätzlich haben wir noch einen zuverlässigen Mitarbeiter gewonnen“, so Schweritz. Sylvia Kutscher ergänzt: „Schön zu sehen, dass ein Mensch bei uns so aufgeht und glücklich ist.“
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Fabian war gerade im Urlaub, als er den Anruf mit der Zusage für die Stelle bekam. An den Moment erinnert er sich noch ganz genau: „Ich konnte das nicht glauben. Ich hatte Gänsehaut. Meine Mama hat angefangen zu weinen, ich musste sie umarmen.“ Seit Dezember arbeitet er nun fest von Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 15 Uhr, fährt dafür sogar jeden Tag knapp zwei Stunden mit Bus und Bahn zur Jupiterstraße. Er selbst wohnt in Großenbaum. Doch das macht ihm nichts.
„Er passt super in unser Team“ – Mitarbeiter glücklich mit Fabian
Im Seniorenzentrum packt Fabien an: Spülmaschine ausräumen, Tische abwischen, aufräumen, aber vor allem auch mit Bewohnern sprechen und ihnen zuhören oder mit ihnen spazieren gehen. „Das mochte ich schon bei meinen Großeltern gerne“, sagt er. Auch deswegen wollte er schon lange in diesem Bereich arbeiten. Darüber hinaus begleitet er die Senioren auf Ausflüge, zum Beispiel auf den Weihnachtsmarkt und ins Cafe. „Er ist sehr engagiert und hilfsbereit“, sagt eine Pflegerin über Fabian.
Ein anderer Mitarbeiter auf Fabians Station ergänzt: „Er passt von seinem Wesen her super in unser Team. Außer wenn er im BVB-Trikot kommt.“ Über die kleine Spitze können beide lachen. Der 27-Jährige ist stolzer Borusse und HSV-Fan, fährt sogar regelmäßig ins Stadion – heim und auswärts.
„Wir sind alle froh, wenn wir ihn sehen“ – auch Bewohner mögen Fabian
Aus dem Schwärmen kommt Fabian gar nicht mehr heraus, erzählt, dass er seine Arbeitskollegen bald zu seinem 28. Geburtstag einladen möchte. „Da gibt es dann Pizza und Bier.“ Unzählige Male erwähnt er im Gespräch, wie glücklich er ist. Und das möchte er noch einmal demonstrieren: kurzerhand umarmt er einmal alle seine Kollegen im Stationszimmer.
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Doch nicht nur die Mitarbeiter freuen sich über Fabian, auch den Heimbewohnern zaubert der junge Mann ein Lächeln ins Gesicht: „Er ist hilfsbereit, aufmerksam und hat immer gute Laune. Das ist für uns viel wert. Wir sind alle froh, wenn wir ihn sehen“, berichtet eine Seniorin. „Wenn er frei hat, vermissen ihn die Bewohner“, sagt Sylvia Kutschher. Das zu hören, macht Fabian sichtlich stolz. Und manchmal bekommt er sogar Geschenke.
Fabian möchte bis zur Rente im Seniorenzentrum arbeiten
Der 27-Jährige hat seine Passion gefunden und möchte „bis zur Rente hierbleiben“, ist er sich sicher. Doch bald geht es für längere Zeit erstmal nach Italien in den Urlaub. Fabian verspricht aber: „Ich werde alle hier vermissen und ganz viele Fotos schicken.“
