Spektakulärer Fund! Archäologen entdecken altes Stadtviertel
Die Brache an der Steinschen Gasse in der Duisburger Altstadt hatte schon viele Namen: „Loch“, „Stadtwald“ oder einfach nur „Daddy-Parkplatz“. Nun könnte ein weiterer hinzukommen: Schatzgrube.
Archäologen haben in den vergangenen Wochen ein altes Stadtviertel mit Wohn- und Geschäftshäusern freigelegt. Die Mauerreste lassen sich etwa zurückführen auf eine „Schweinemetzgerei“, die Werthsche Brauerei sowie die Brauerei Böllert. Auch die Gaststätte „Blaue Grotte“ befand sich hier. Bevor auf dem Gelände ein neues Verwaltungsgebäude entsteht, werden die historischen Funde nun kartiert.
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Für die Experten sind die Ausgrabungen indes keine Überraschung. „Wir befinden uns hier mitten in der archäologischen Zone“, erklärt Peter Tack, Grabungstechniker der „ABS/Gesellschaft für Archäologische Baugrund-Sanierung“. Archäologin Julia Völz weiß: „Die alte Beekstraße war früher die Haupteinkaufsmeile. Entsprechend repräsentativ waren auch die Häuser.“
2011 wurde in dem alten Marientorviertel in Duisburg schon einmal gegraben
2011 wurde schon einmal auf dem Gelände gegraben. Auch in der Nachbarschaft wurden immer wieder alte Mauerreste entdeckt. Vor einigen Jahren sind zum Beispiel auch alte Keller im Bereich des künftigen Mercatorquartiers gefunden worden. Der Calaisplatz ist ebenfalls ein historischer „Hot-Spot“. Die Marienkirche war die erste deutsche Niederlassung des Johanniter-Ordens. Das romanische Gotteshaus wurde um 1153 geweiht.
Bis Sommer sollen die Arbeiten dauern
In der Mitte des Geländes an der Steinschen Gasse türmt sich mittlerweile ein riesiger Hügel. Ein Bagger schaufelt Erdreich zur Seite, aber mit Fingerspitzengefühl. Zu den Funden gehören nämlich nicht nur Mauern, sondern auch gekachelte Wände. Diese gehörten zur Metzgerei. An einer anderen Stelle stehen leere Flaschen. Keine üblichen Bierpullen, sondern historische Zeugnisse. „Gesoffen wurde früher viel“, sagt Peter Tack lächelnd.
Die Brauerei Böllert wurde von Matthias Böllert ursprünglich an der Beekstraße 69 im Jahr 1840 gegründet, bevor sie 1887 zur Werthauser Straße 29 umzog und ab dann unter „Gebr. Böllert“ firmierte. Die Produktion kam im Zweiten Weltkrieg zum Erliegen.
„Es heißt immer, dass während des Zweiten Weltkriegs viel zerstört wurde. Es musste aber auch viel für die Utopie der autofreien Stadt weichen“, weiß Eicke Granser, Archäologe bei der Unteren Denkmalbehörde der Stadt. Ab 1895 fuhr noch eine Straßenbahn durch die Beekstraße. Viele der meist kleinen Häuser aus der frühen Neuzeit wurden durch stattliche Neubauten ersetzt. So um 1900 durch das Kaufhaus von Salomon Cohen und Siegmund Epstein an der Ecke Beek-/Münzstraße. Es war aus einem seit 1835 bestehenden Textil- und Modegeschäft hervorgegangen. Nach dem Krieg verschwanden andere noch erhaltene Gebäude.
Bis Sommer sollen die archäologischen Arbeiten noch dauern. Als Nächstes werden die Mauerstrukturen gescannt. Die Baustelle wird sich aber immer wieder verändern. Wer noch einen Blick auf die alten Mauern erhaschen möchte, muss sich beeilen. Wenn sie gezeichnet und dokumentiert sind, werden diese abgetragen. Es könnte sein, dass in darunter liegenden Schichten weitere „archäologische Strukturen“ zutage gefördert werden. Ein romanisches Grubenhaus wurde bereits gefunden.
Da die Grabungen eingeplant waren, verzögert sich der Bau des neuen Verwaltungsgebäudes übrigens nicht. In zentraler Lage sollen 1220 Büroarbeitsplätze entstehen. Die Stadt will dafür andere Immobilien, die in die Jahre gekommen sind, aufgeben. Für die Mitarbeiter soll eine „ganz neue Arbeitswelt“ entstehen. Dadurch erhofft sie sich eine „Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeberin durch eine moderne Arbeitsumgebung“. Rund 136 Millionen lässt sich die Stadt die Neubauten kosten.
Der gut erhaltene mittelalterliche Keller wird in das neue Gebäude integriert. Alles andere muss für eine Tiefgarage Platz machen.
Duisburger Altstadt ist bereits gut dokumentiert
Für die Überwachung der archäologischen Arbeiten ist die Untere Denkmalbehörde zuständig. Die Wirtschaftsbetriebe Duisburg haben Fachfirmen beauftragt, die die Grabungen vor Ort ausführen.
Wissenschaftlich ausgewertet werden die Funde erst später. „Wir werden nie im Vorgriff tätig. Wenn ein neues Bauprojekt entsteht, dann prüfen wir, ob archäologische Funde zu erwarten sind“, erklärt Marius Kröner von der Stadt Duisburg. Die Duisburger Altstadt ist bereits recht gut dokumentiert.
