Der Fall Rudi Assauer: Die Ermittlungen stehen jetzt vor dem Abschluss
Seit etwa fünf Jahren gehen Polizei und Staatsanwaltschaft Essen der Frage nach, warum der frühere Schalke-Manager Rudi Assauer am Ende seines Lebens nahezu mittellos war und was mit seinem Vermögen geschehen ist. Jetzt stehen die Ermittlungen vor dem Abschluss. In einigen Wochen wird es vorraussichtlich soweit sein, bestätigte die Staatsanwaltschaft auf WAZ-Nachfrage. Zuvor hatte die Wochenzeitung „Die Zeit“, deren Recherchen ausschlaggebend für die Ermittlungen waren, darüber berichtet.
Assauers Tochter Bettina Michel, seine frühere Sekreätrin Sabine Söldner und der ehemalige Fußball-Trainer Werner Kasper stehen im Fokus der Ermittlungen. Gegen einen weiteren Beschuldigten, Assauers früheren Vertrauten Heinz Bull, wurde ebenfalls ermittelt. Er ist inzwischen verstorben. Die Staatsanwaltschaft bestätigt auf WAZ-Anfrage: „Das Ermittlungsverfahren wurde ursprünglich gegen vier Beschuldigte geführt. Inzwischen richtet es sich nur noch gegen drei.“ Sie könnten, so der Verdacht, den schwer an Alzheimer erkrankten Assauer ausgebeutet und ihn um sein Vermögen gebracht haben.
Sabine Söldner wurde zu Assauers Generalbevollmächtigter
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Gemeinsam mit dem Schönheitschirurgen Heinz Bull, einem Freund des an Alzheimer erkrankten Assauer, wurde Sabine Söldner im Jahr 2012 zu Assauers Generalbevollmächtigten ernannt. Bis zu Assauers Tod im Februar 2019 regelten Söldner und Bull die finanziellen Angelegenheiten des schwer kranken Mannes.
„Laut seinen Steuerunterlagen hatte Assauer im Jahr 2010 noch ein Vermögen von rund 2,3 Millionen Euro, bei seinem Tod im Jahr 2019 war davon fast nichts mehr übrig“, erklärte „Zeit“-Redakteur Stefan Willeke im Gespräch mit der WAZ schon vor Jahren und berichtete von „dubiosen Verträgen über den Verkauf von Assauers Immobilien“, die die Bevollmächtigten abgeschlossen hätten. In einigen dieser Verträge sei kein Konto genannt, so dass sich die Frage stelle, wer den Kaufpreis erhielt.
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Im Sommer 2018, gut ein halbes Jahr vor Assauers Tod, seien rund 264.000 Euro auf ein Konto von Assauers Bevollmächtigten geflossen. Im Februar 2019, als Assauer starb, sollen laut einer Vermögensaufstellung seiner Tochter Bettina Michel nur noch 15.000 Euro Bargeld, Firmenanteile im Wert von 25.000 Euro, ein Anzug, ein Mantel, eine Pfeife, ein defektes Brillengestell, eine Rolex, ein paar Möbel und ein zehn Jahre alter Opel Meriva vorhanden gewesen sein.
Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft. Anfangs wegen des Verdachts auf Untreue, wie es in Medienberichten heißt. Doch jetzt könnte laut „Zeit“ Anklage wegen erwerbs- und bandenmäßigen Betruges erhoben werden. Das bestätigt die Staatsanwaltschaft Essen auf Nachfrage so nicht, dementiert es aber auch nicht.
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„Ein Abschluss des Ermittlungsverfahrens in den nächsten Wochen ist beabsichtigt. Genaue Prognosen können insofern jedoch nicht gestellt werden, da die Auswertung der umfassenden Ermittlungsergebnisse der vergangenen Jahre einen erheblichen Arbeitsaufwand mit sich bringt und sich aktuell in den letzten Zügen befindet. Ob Anklage erhoben wird bzw. das Verfahren gegen alle oder einzelne Beschuldigte eingestellt wird, kann ich erst nach Verfahrensabschluss und Zustellung an die Verfahrensbeteiligten mitteilen“, erläuterte Leif Seeger, Staatsanwalt und Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Essen.
