Tattoo-Initiative: Velberter Stammzellenspender rettet das Leben von Hailey (3)
Vor gut einen halben Jahr haben Tattoo-Studios in Deutschland kostenlos Tattoos gestochen, damit sollte auf Stammzellenspenden aufmerksam gemacht werden. Initiator des Ganze waren n Jimmy-Dean „Jers“ Laubinger (42) und seiner Frau Gina (32). Ihre Tochter Hailey hatte eine seltene Stoffwechselerkrankung und war auf einen Stammzellenspende angewiesen.
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Bundesweit über 2300 Menschen haben sich vor Ort in Tattoo Studios für eine Stammzellspende registrieren lassen. Mehr als 10.000 haben sich darüber hinaus als Zeichen der Solidarität - auch in Velbert - das TwinWin-Tattoo stechen lassen. Das TwinWin-Symbol, das Laubinger selbst entworfen hat, vereint das Sternzeichen Zwilling und einen DNA-Strang und sieht am Ende aus wie eine Sanduhr.
Velberter spendete Hailey Stammzellen
Ginas und Jers‘ Tochter Hailey (3) hatte Glück: Durch die Stammzellspende von Mike Nitz (46) aus Velbert hat das Mädchen nun eine Zukunft. Kürzlich trafen Jers und Gina den Lebensretter ihrer Tochter zum ersten Mal persönlich. Für alle ein außerordentlich schönes und emotionales Erlebnis.
Grund für Mikes Registrierung bei der DKMS war die Blutkrebserkrankung des Lehrers seines Sohnes im Jahr 2020. Als Mike im September 2023 für eine Spende angefragt wurde, stand für ihn sofort fest, dass er helfen würde. „Es war zwar ein bisschen komisch, weil man damit ja schon ein Verantwortungsgefühl übernimmt, aber ich habe mich gefreut, dass ich vielleicht helfen kann“, sagt er. Kurz vor Weihnachten 2023 unterzog sich Mike der Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm, die in nur etwa 10 Prozent der Fälle bei Spenderinnen und Spendern angewendet wird. „Ich hatte keinerlei Nebenwirkungen und habe auch die Punktionspunkte der OP nicht gespürt“, sagt Mike. In 90 Prozent erfolgt die ambulante Stammzellspende aus der Armvene.
Anonymen Briefkontakt gehalten
Mikes Frau Nadine unterstützte ihn im Spende Prozess. Im Vorfeld hoffte Mike, der als Kleinbusfahrer täglich Kinder mit Handicap sicher zur Schule bringt und wieder abholt, dass die Empfängerperson kein Kind ist. Als er dann erfuhr, dass seine Stammzellen doch für ein Kind bestimmt waren, wühlte in das sehr auf. „Das war für mich emotional richtig ergreifend“, sagt der Vater eines mittlerweile 18-jährigen Sohnes.
Das war für mich emotional richtig ergreifend.
Mike Nitz, Stammzellspender
Zwei Jahre lang gab es einen anonymen Briefkontakt zwischen ihm und den Laubingers. „Die richtigen Worte zu finden, war gar nicht immer so einfach“, sagt Gina Laubinger. Und weiter: „Man möchte der Person ja gerecht werden, seine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, jedoch ohne zu überfordern.“
Endlich Adressen ausgetauscht
Als es im Dezember 2025 endlich soweit war und die in Deutschland geltende Anonymität von zwei Jahre vorbei ist, stimmen beide Seiten einem Adressaustausch zu und fiebern einem ersten Treffen entgegen. Wenige Tage nach Austausch der Kontaktdaten, erhielt Gina, die gerade beim Einkaufen war, eine WhatsApp Nachricht von Mike. „Ich habe sofort alles liegen lassen und bin zu Jimmy und Hailey gefahren, um die Nachricht mit ihnen gemeinsam zu lesen“, sagt sie.
Alleine schon der Name ihres Spenders „Mike“ ist für sie vertraut. Denn Hailey hat einen Teddybär, der auf den Namen Mike hört, und nicht nur als Stofftier, sondern auch in verschiedenen Kinderbüchern von ihr eine Rolle spielt.
Herzlich und emotional
„Für mich war klar, ich muss Mike umarmen und festhalten. Was aber ist, wenn er es nicht möchte?“, sagt Jers. Und ob Mike das wollte. Genauso aufgeregt und darauf bedacht nichts falsch zu machen, verabredeten sie sich bei den Laubingers in Osnabrück zum Kaffee trinken. Umarmungen gab es mehrfach, herzlich und emotional. Sie waren sofort auf eine Wellenlänge. Es folgten lange Gespräche, bis in die Abendstunden. Auch Hailey näherte sich Mike an und spielte mit ihm.
Besonders überrascht waren Jers und Gina, als Mike und Nadine ihnen ihr TwinWin-Tattoo präsentierten, das sie sich seinerzeit in Wülfrath hatten stechen lassen.
Alle haben geweint
„Da haben wir alle erst einmal geweint“, sagt Jers. Damals wusste Mike natürlich noch nicht, dass er Haileys Spender ist. Als er dies erfuhr, ließ er sich unter das Stammzell-Tattoo noch Haileys Initialen und das Spende Datum stechen. „Mike kennenzulernen hat sich einfach toll angefühlt. Er ist unser Held und ermöglicht uns unsere Träume und Wünsche als Familie leben zu dürfen. Hailey hat eine Zukunft“, sagt Gina. Und auch für Mike und Nadine ist die Spende und das Kennenlernen der Laubingers ein besonderes und nachhaltiges Ereignis in ihrem Leben. Sie freuen sich schon auf ein baldiges Wiedersehen, um sich weiter kennenzulernen.
„Ich würde immer wieder spenden und habe nur super gute Erfahrungen damit gemacht. Es ist ein super Gefühl ein Leben gerettet zu haben. Mund auf. Stäbchen rein. Spender sein,“ appelliert Mike.
ysz
