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Ausbildungsmarkt

Steigende Bewerberzahlen, sinkendes Ausbildungsangebot im Kreis Mettmann

Velbert. Im Kreis Mettmann steigen die Bewerberzahlen für Ausbildungsplätze, doch das Angebot sinkt. Warum zeigen dennoch einige Experten Optimismus?
Von Yvonne Szabo
Kfz-Mechatroniker ist der beliebteste Ausbildungsberuf für junge Männer im Kreis Mettmann. © dpa | Julian Stratenschulte

Deutlich mehr Bewerber, aber weniger Angebote: Auf dem Ausbildungsmarkt im Kreis Mettmann geht die Schere auseinander. Die jungen Leute haben es deutlich schwerer, das Passende zu finden als noch vor wenigen Jahren. Viele Bewerberinnen und Bewerber sind jetzt – Anfang April – noch auf der Suche. Dies geht aus der Halbjahresbilanz auf dem Ausbildungsmarkt hervor, die Arbeitsagentur, Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer jetzt vorlegten.

Im Kreis Mettmann waren bis März insgesamt 2265 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle oder ein duales Studium bei der Berufsberatung gemeldet, das waren 287 Personen (14,5 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Davon suchen derzeit noch 1478 Bewerberinnen und Bewerber – also deutlich mehr als die Hälfte – noch eine Ausbildung oder ein duales Studium.

Weniger Ausbildungsplätze als im Vorjahr

Die regionalen Unternehmen haben bisher rund 1610 Ausbildungsstellen und duale Studienplätze angeboten. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen liegt – auch unter Berücksichtigung der statistischen Unterzeichnung – noch unter dem Vorjahreswert. Aktuell sind noch geschätzt 1040 Ausbildungsstellen und duale Studienplätze frei. Es fehlen also rein rechnerisch 400 Plätze. In Velbert sind von 814 Bewerbern noch 509 unversorgt, hier kommen 164 Bewerber auf 100 gemeldete Stellen. In Hilden ist das Verhältnis umgekehrt, hier kommen 91 Bewerber auf 100 Stellen.

Die Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten steht bei jungen Frauen hoch im Kurs. © dpa | David Inderlied

Eva Walgenbach, operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Mettmann, kann der gestiegenen Bewerberzahl auch Positives abgewinnen: „Zur Halbjahresbilanz haben sich deutlich mehr Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle bei der Berufsberatung gemeldet. Das Interesse an Ausbildung nimmt weiter zu. Dies ist eine erfreuliche Entwicklung und bietet Unternehmen gute Chancen, sich geeignete Fachkräfte von morgen zu sichern.“ Ein Praktikum sei dabei eine „tolle Gelegenheit“, sich gegenseitig kennenzulernen und zu schauen, ob die Chemie passt. Auf der Praktikumsbörse der Arbeitsagentur „Bei Anruf Praktikum“ veröffentlichen Ausbildungsbetriebe aus dem Kreis Mettmann ihre Praktikumsstellen. Jugendliche finden die Praktikumsangebote sortiert nach Städten und Ausbildungsberufen und können ein Praktikum vereinbaren.

„Gewisse Zurückhaltung feststellbar“

Für eine endgültige Bilanz sei es noch zu früh, meint Dr. Christian Henke, Geschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf. Aber: „Feststellbar ist aktuell eine gewisse Zurückhaltung der Betriebe. Angesichts der aktuellen Krisenerscheinungen und der vielfältigen Herausforderungen überrascht dies allerdings nicht; eine ähnliche Entwicklung war schon 2025 zu beobachten.“ Trotzdem habe der handwerkliche Ausbildungsmarkt am Jahresende kreisweit bis auf zwölf Ausbildungsverträge eine gleichhohe Anzahl an neu eingegangenen Ausbildungsverhältnissen erbracht wie ein Jahr zuvor. Diese Erfahrung stimme ihn optimistisch für das laufende Ausbildungsjahr, dass man mindestens das Niveau werde halten können. Denn auch für 2026 gilt: Abgerechnet werde zum Schluss.

Das Interesse an Ausbildung nimmt weiter zu.

Eva Walgenbach, operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Mettmann

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass viele Unternehmen im Kreis Mettmann weiterhin Verantwortung übernehmen und gezielt in Ausbildung investieren. Besonders erfreulich ist die dynamische Entwicklung in den kaufmännischen Berufen. Gleichzeitig bleibt es eine zentrale Aufgabe, mehr junge Menschen für gewerblich-technische Ausbildungswege zu gewinnen und Betriebe bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze zu unterstützen“, so Dr. Jürgen Holtkamp, Bereichsleiter Ausbildungsberatung, Stellenvermittlung und Projekte.

Das Angebot nach Branchen

Die meisten Ausbildungsstellen wurden im Bereich Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz angeboten. Stark vertreten waren auch Berufe im Bereich freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen, dann kommen das verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe. Den deutlichsten Angebots-Rückgang hatte das Gastgewerbe, das rund 65 Prozent weniger Jobs für Azubis anbietet, es folgen Verkehr und Lagerei sowie Information und Kommunikation mit Rückgängen von mehr als 40 Prozent.

Die beliebtesten Ausbildungsberufe

Welche Ausbildungsberufe haben sich die Bewerber ausgesucht? Bei den jungen Männern steht der Kfz-Mechatroniker immer noch ganz oben, es folgt der Anlagenmechaniker Klima, Sanitär, der Elektrotechniker, der Kaufmann für Büromanagement, der Fachinformatiker und dann der Automobil- und Industriekaufmann.

Bei den jungen Frauen liegt die Kauffrau für Büromanagement ganz vorn, es folgen medizinische Fachangestellte, Verwaltungsfachangestellte, Verkäuferin, Industriekauffrau, zahnmedizinische Fachangestellte und Friseurin. Übrigens sind nur rund 35 Prozent der Ausbildungsplatzsuchenden weiblich.

Diese Berufe werden am meisten angeboten

Das Angebot an Ausbildungsstellen weicht davon allerdings ab. Hier ist der Kaufmann im Einzelhandel am meisten vertreten. Es folgen der Verkäufer, der Fachwirt Handel, der Industriekaufmann, der Kaufmann für Büromanagement, der zahnmedizinische Fachangestellte und der Anlagenmechaniker Klima, Sanitär.

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Viele Jugendliche aus dem Kreis Mettmann finden ihre Ausbildung aber auch in den umliegenden Städten. So pendeln mehr Azubis aus dem Kreis Mettmann heraus als hineinpendeln. Viele finden eine Lehrstelle in den umliegenden Großstädten Düsseldorf, Essen und Wuppertal. Aber es gibt auch Pendler bis Köln und Neuss (jeweils drei bis acht Prozent).

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