Beliebte Wittener Lehrerin ist tot: „Schule kam für sie immer an erster Stelle“
Über 30 Jahre hat sie die Unterstufe des Wittener Schillergymnasiums geprägt. Eigentlich wollte Christiane Müller im Dezember des vergangenen Jahres nur eine vermeintliche Lungenentzündung untersuchen lassen. Knapp drei Monate später ist sie tot. Sie starb im Alter von nur 59 Jahren. Aus dem Krankenbett heraus gab die Lehrerin noch Noten an ihre Vertretung weiter. Bis zum Schluss hat sie für ihre Arbeit gelebt. Am Dienstag (24. März) wird mit einem Trauergottesdienst an sie erinnert.
Witten-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Witten-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Erinnerungen an „Frau Müller“ muss es in Witten viele geben. Schließlich unterrichtete sie seit dem Jahr 1995 in der Unterstufe des Schiller-Gymnasiums Deutsch und Englisch. Auch der Autor dieser Zeilen hat vor geraumer Zeit noch Diktate, Elfchen und vieles mehr unter ihrer Anleitung verfasst. Wie sehr die Pädagogin ihrer Arbeit verbunden war, konnte schon damals jeder sehen. Kein Lehrer und keine Lehrerin am Schiller-Gymnasium war mit so vielen Jutebeuteln voller Klassenarbeiten behangen, wie Frau Müller es war.
Lungenkrebs-Diagnose erschüttert Kollegium kurz vor Weihnachten
Der Unterricht bei ihr war locker und professionell zugleich. Wurde ein neues Thema bearbeitet, brachte sie Ordnung ins Chaos. Meistens in Form von Tabellen. Gemeinsam wurden Informationen gesammelt und anschließend abgeschrieben. „Frau Müller, wir schreiben immer nur Tabellen ab, das nervt“, hat sich mal jemand beschwert. „Okay, dann machen wir eben eine Liste“, so ihr Konter. Frau Müller ließ sich nicht beirren.
Im Dezember des vergangenen Jahres – kurz vor Weihnachten – bekam sie die Horror-Diagnose: Lungenkrebs. Ursprünglich hatte sie den Arzt wegen eines Verdachts auf eine Lungenentzündung aufgesucht. Doch es kam alles viel schlimmer. „Zu diesem Zeitpunkt hatte der Krebs schon gestreut. Sie hatte ihn vermutlich schon sehr lange im Körper und davon nichts gemerkt“, sagt Schulleiter Christian Roussell. Die Trauer in seiner Stimme hört man einen Monat nach dem Ableben seiner Kollegin deutlich heraus.
Trauerarbeit an der Schule: Schüler nehmen Abschied von Frau Müller
Mit ihrer Krankheit ist Müller laut ihrem Chef erstaunlich offen umgegangen. Auch ihre Schüler durften oder sollten von ihrem Schicksal erfahren. Die revanchierten sich für ihre Offenheit mit lieben Gesten: „Sie haben ihr Bilder gemalt und Genesungswünsche zugeschickt. Als ich sie zum Jahreswechsel im Krankenhaus besucht habe, hingen die selbst gemalten Bilder der Kinder an den Wänden“, erinnert sich Roussell. Im Anschluss an die Todesnachricht stand an der Schule zunächst die Trauerarbeit im Fokus. „Wir sind persönlich in die Lerngruppen gegangen, die Frau Müller unterrichtet hat“, sagt er. Zudem hat die Schulsozialarbeiterin Gesprächsangebote unterbreitet, die auch angenommen wurden.
Lesen Sie auch
Wie allgegenwärtig die Lehrerin für Deutsch und Englisch in ihren mehr als 30 Jahren Dienstzeit gewesen ist, zeigt sich an einem Beispiel: „Es gibt Eltern von jetzigen Schülern, die bereits bei ihr Unterricht hatten“, sagt Roussell. Ihm wird Christiane Müller als „absolut zuverlässig, sorgfältig und gewissenhaft“ in Erinnerung bleiben. Aus dem Krankenbett heraus hat sie noch dafür gesorgt, dass jeder ihrer Schüler die richtige Note bekommt, hat alle Daten an die Vertretung weitergegeben. „Das war ihr ein total wichtiges Anliegen. Sie war mit Herzblut Lehrerin und die Schule war ihr Leben“, sagt Roussell und zitiert Goethe: „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke.“
Ein Trauergottesdienst für alle, die Christiane Müller kannten, findet am Dienstag, 24. März 2026, um 13.30 Uhr in der Johanniskirche (Bonhoefferstraße 10) statt.
