VOOZH about

URL: https://www.waz.de/lokales/witten/article411598946/focus-zeichnet-wittener-aerztin-als-top-medizinerin-aus-so-tickt-sie.html

⇱ „Focus“ zeichnet Wittener Ärztin als Top-Medizinerin aus: So tickt sie


Geriatrie im EvK

„Focus“ zeichnet Wittener Ärztin als Top-Medizinerin aus: So tickt sie

Witten. Dr. Maria Marques hat die Geriatrie im EvK Witten geprägt. Die ausgezeichnete Expertin beherzigt die alte Weisheit: Reden hilft. Das steckt dahinter.
Von Jürgen Overkott, Redakteur
Auch „Mensch, ärgere Dich nicht“ kann zur Heilung Erkrankter beitragen: Dr. Maria Marques beim Gespräch im Angehörigenzimmer des Evangelischen Krankenhauses Witten. © WAZ | Jürgen Overkott

Die Wittener Medizinerin Dr. Maria Marques ist vom „Focus“ als Spitzenärztin ausgezeichnet worden. Die 57-Jährige ist Leitende Oberärztin am Evangelischen Krankenhaus an der Pferdebachstraße. Was die Fachfrau für Geriatrie antreibt und warum sprechende Medizin für sie so wichtig ist, verrät sie im Interview.

Was haben Sie gedacht, als der Brief mit der Urkunde kam?

Dr. Maria Marques: Ich habe mich unheimlich gefreut – es war eine totale Überraschung. Ich habe nicht damit gerechnet. Ich finde, die Auszeichnung ist eine ganz tolle Wertschätzung unserer Arbeit. Das war auch für das ganze Team wichtig. Denn Geriatrie steht häufig eben nicht im Vordergrund. Ich gehe die Arbeit mit viel Freude an, mit Empathie und großer Intensität. Ich spüre eine große Verantwortung, für meine Patienten und für mein Team.

Dr. med. Maria Marques, Leitende Oberärztin in der Geriatrie am EvK, wurde als Top-Medizinerin ausgezeichnet. © FUNKE Foto Services | Jürgen Theobald

Große Verantwortung: Was bedeutet das?

Für meine Patienten sind die Aufenthalte im Krankenhaus häufig Schlüsselaufenthalte. Ein Beinbruch kann für einen alten Menschen zum Beispiel ein Schlüsselerlebnis sein. Danach kann es dramatisch bergab gehen. Die Anlässe für Stürze sind oft banal. Patienten sagen mir über die Ursache: „Ich wollte etwas aufheben“, „Ich habe eine Stufe übersehen“ oder „Ich wollte nachts zur Toilette, ohne Licht.“

Mir ist es wichtig, mit den Patienten zu reden – und auch mit den Angehörigen.

Dr. Maria Marques, setzt bewusst auf sprechende Medizin.

Wie gehen Sie mit Ihren Patienten um?

Ich versuche sie als Ganzes zu sehen. Gute Medizin ist weit mehr als Diagnostik und Therapie.

Ist Ihnen sprechende Medizin wichtig?

Auf jeden Fall! Mir ist es wichtig, mit den Patienten zu reden – und auch mit den Angehörigen.

Da sind erfahrungsgemäß oft viele Ängste im Spiel.

Ängste und komplexe Lebensläufe. Auch Einschränkungen kommen dazu. Ich versuche, meinen Patienten zuzuhören, ich stelle offene Fragen. Am Anfang steht immer die Frage: „Was führt Sie zu uns?“ Ganz oft ist es so, dass die Antworten, die ihnen die Angehörigen, das Rettungswagenteam und der Patient geben, völlig unterschiedlich sind.

Dr. med. Maria Marques, Oberärztin in der Geriatrie am EvK, wurde als Top-Medizinerin ausgezeichnet. Sie kennt eine Form der Vorbeugung, die nicht teuer ist: gesunde Lebensmittel wie Äpfel. © FUNKE Foto Services | Jürgen Theobald

Welche Fragen haben Sie noch?

Ganz wichtig sind weitere offene Fragen. „Was erwarten Sie sich vom Aufenthalt im Krankenhaus? Was ist Ihr Ziel?“ Auch da gehen die Antworten auseinander. Die Angehörigen antworten völlig anders als der Patient.

Lesen Sie auch

Worum geht es Ihnen?

Mir geht es um tragfähige Antworten. Man muss realistische Einschätzungen haben. Das muss mit dem Patienten erörtert werden. Ich muss ehrlich mit ihm umgehen. Das ist eine Frage des Respekts.

Welche Rolle spielt der Faktor Hoffnung?

Es ist durch Studien belegt, aber es ist auch unsere Erfahrung, dass Patienten, die eine positive Lebenseinstellung haben, bessere Heilungschancen haben.

Welches Ziel haben Sie?

Selbstständigkeit und Lebensqualität der Patienten zu erhalten! Es geht mir darum, gemeinsam mit den Patienten alltagsrelevante Ziele zu erreichen. Ein Mensch, der zuhause allein zurechtkommen will, muss zunächst mal die Basis-Dinge können.

Wie arbeiten Sie, um Ziele im Sinn der Patienten zu erreichen?

Interdisziplinär, interprofessionell. Dazu gehören aktivierende Pflege, Physio- und Ergotherapie und, bei Bedarf, ein Psychologe. Wenn jemand mit einem Oberschenkelhalsbruch bei uns war, hat er Sturzängste. Sie müssen sich vorstellen: Wenn jemand nachts hinfällt, liegt er manchmal sechs Stunden da, bevor ein Angehöriger oder ein Nachbar reagiert. Das ist ein traumatisches Ereignis. Das muss aufgearbeitet werden.

Gesundheitsmeile Pferdebachstraße: Auch alte Menschen haben die Chance, nach einer erfolgreichen Therapie in der Geriatrie wieder aufzublühen (Archiv). © FUNKE Foto Services | Jürgen Theobald

Ich freue mich über kurze Anfahrtswege.

Top-Medizinerin Dr. Maria Marques, lebt und arbeitet in Witten.

Sehen Sie sich als Teamspielerin?

Wir erleben Ressourcenmangel, Personalmangel, in der Pflege, in der Therapie, in der Medizin. Aber für mich zählt, dass wir strukturell gut unterwegs sind. Eine Kombination aus guter Medizin, empathischer Medizin, personalisierter, individualisierter Medizin finde ich superwichtig. Klar, wir können immer besser werden. Aktiv gestalten: Das ist mein Ding. Dazu gehört ein gutes Team. Und wir haben ein gutes Team.

Eine persönliche Frage: Leben Sie in Witten?

Ja, ich wohne in Witten. Mein Mann ist auch Arzt, und Witten liegt in der Mitte. Wir haben zwei Kinder, und damals gab’s noch nicht die Strukturen der U-3-Betreuung. Da waren wir froh, dass die Großeltern da waren. Und ich freue mich über kurze Anfahrtswege.

Jetzt mehr aus Witten lesen
Wir haben neue Nachrichten für Sie
Zur Startseite

Kennen Sie schon unsere PLUS-Inhalte?
Jetzt WAZ testen