Gil Ofarim triumphiert im Dschungelcamp – doch echter Gewinner ist ein anderer
- Das Dschungelcamp ist zu Ende
- Der Sänger Gil Ofarim hat die RTL-Show gewonnen
- Doch der wahre Sieger ist ein anderer
Anfang Januar 2026 sorgte RTL für große Aufregung. Denn damals verkündete der Kölner TV-Sender, wer in diesem Jahr ins Dschungelcamp zieht. Auf der Liste der Teilnehmerinnen und Teilnehmer fand sich auch ein Name, der vielen so gar nicht passte: Gil Ofarim. Jener Gil Ofarim, der 2021 mit einem Video über vermeintlich antisemitische Beleidigungen in einem Leipziger Hotel eine Welle der Entrüstung lostrat – nur um später vor Gericht einzuräumen, alles erfunden zu haben.
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Selbst vielen eingefleischten Trash-TV-Fans ging diese Verpflichtung zu weit: Es gab reihenweise Boykottaufrufe gegen RTL und „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! – wohlgemerkt eine Show, in der mit Ingrid van Bergen einst eine wegen Totschlags rechtskräftig verurteilte Frau zur „Dschungelkönigin“ gekürt wurde.
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Gil Ofarim: Nicht verurteilt, aber überführt?
Bei Ofarim ist die Lage komplizierter: Während van Bergen verurteilt wurde und ihre Strafe abgesessen hat, ist das bei ihm nicht der Fall. Das Verfahren gegen ihn wurde nach seinem Geständnis und gegen Zahlung einer Geldstrafe eingestellt. Ofarim ist nicht verurteilt, nicht vorbestraft. Und doch musste sich der Sänger im Camp immer wieder als „Verbrecher“ beschimpfen lassen.
Zu den Vorwürfen selbst äußerte er sich mit Verweis auf eine angebliche Verschwiegenheitsklausel, die es laut dem Anwalt des 2021 fälschlicherweise des Antisemitismus beschuldigten Hotelmitarbeiters gar nicht gibt, lange nicht. Erst kurz vor dem Finale deutete er dann eine große Verschwörung an, sprach ohne Beleg von einem gefälschten Video des Zwischenfalls und damit von gefälschten Beweisen.
Von Reue, wie sie Ofarims Mitcamper in vielen Diskussionen am Lagerfeuer gefordert hatten, war bei ihm nichts zu spüren. Vielmehr hatte man während der Show oft das Gefühl, er sehe sich als das eigentliche Opfer. Muss jemand, der zwar überführt, aber nie verurteilt wurde, überhaupt Reue zeigen? Die Zuschauer finden offenbar: nein. Denn am Sonntag haben Sie Ofarim zum „Dschungelkönig“ gewählt.
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Ofarim holt die Dschungelkrone – und RTL darf sich feiern
In den zwei vorangegangenen Wochen war es ihm gelungen, sich als sympathischer, ruhiger Typ darzustellen, der im Dschungel zu jedem nett war und der selbst die schier endlosen Vorwürfe und Beleidigungen von Mitcamperin Ariel mit stoischer Ruhe ertrug. Außerdem lieferte er die Grundlage für diverse Streits im Camp – und damit bestes Trash-Material. Für die TV-Zuschauer scheint das genug zu sein, um Ofarim die Krone aufzusetzen.
Der darf sich nun nicht nur über den Sieg freuen – sondern auch über 100.000 Euro Siegprämie, die er zusätzlich zu seiner Gage erhält.
Damit hätte man wohl selbst bei RTL nicht gerechnet. In der Rahmenberichterstattung um den Dschungel ließ der Kölner TV-Sender erst allmählich eine leichte Sympathie für Ofarim erkennen. Und obwohl man mit der Verpflichtung von Gil Ofarim bei RTL enorm an Seriosität verspielt hat – was bei einem Format wie „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ schon etwas heißen will: Der Sender ist der wahre Sieger des Dramas in 17 Folgen.
Denn es ist den Verantwortlichen gelungen, die immense Aufmerksamkeit, die der Ofarim brachte, in Quoten umzusetzen. Rund 45 Prozent Markanteil erreichte der Dschungel 2026 bei den 14- bis 49-Jährigen im Maximum. Das heißt: Fast jeder zweite TV-Zuschauer in Deutschland sah zu diesem Zeitpunkt „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Ein enormer Wert, den das Format zuletzt 2018 erreichte. Einmal mehr zeigt sich die alte Weisheit: Jede Publicity ist gute Publicity.
