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Alle Hoffnung verloren

Buckelwal vor Poel im Todeskampf – Morddrohungen gegen Helfer

Poel/Wismar. Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal wird nach einer tagelangen Odyssee wohl sterben. Helfer wollen das Tier „bis zum Schluss“ begleiten.
Der an der Ostseeküste vor Poel gestrandete Wal wird vermutlich bald sterben. © Marcus Golejewski/dpa | Marcus Golejewski

Er wird sehr wahrscheinlich sterben: Einsatzkräfte der Feuerwehr haben begonnen, den in der Ostsee vor Wismar gestrandeten Buckelwal mit Wasser zu benetzen. Das bestätigte ein Sprecher des Innenministeriums. Die Experten hätten die Hilfsaktion empfohlen, um lindernde Umstände für den Wal zu schaffen.

Nach der gescheiterten Rettung sind Helferinnen und Helfer immer mehr verbalen Angriffen ausgesetzt. „Bedauerlicherweise nehmen seit dem Zeitpunkt, als klar wurde, dass das Tier nicht zu retten sein wird, die Anfeindungen gegen Beteiligte an der Hilfsmaßnahme zu – bis hin zu Morddrohungen“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) laut einer Mitteilung. 

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„Natürlich verstehe ich, dass die Situation für die Menschen sehr emotional ist“, so Backhaus weiter. Auch er sei traurig. „Aber ich akzeptiere es nicht, dass Mitarbeitende auch im Privaten bedroht werden.“ Würden strafrechtlich relevante Aussagen getätigt, ob in sozialen Medien, per Zettel im Briefkasten oder per E-Mail, werde ein solches Verhalten angezeigt, sagte Backhaus. Er sei aber zuversichtlich, dass sich die Lage beruhigen werde.

Derweil bemühen sich Helferinnen und Helfer weiterhin nach Kräften um den Wal. „Wir werden das Tier weiter begleiten – bis zum Schluss. Um ihm seine Situation angenehmer zu machen, wurde heute damit begonnen, den Rücken des Wals, der aus dem Wasser ragt, zu benetzen“, sagte Backhaus, der am Mittag erneut vor Ort war. „Der Vorgang soll alle zwei bis drei Stunden wiederholt werden.“

Wal in Ostsee gestrandet: Experten rechnen mit Tod – und empfehlen lindernde Umstände

Auch ein Schlauchboot der Polizei war in der Nähe des Wals im Einsatz, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. Der Zustand des Wals ist nach Angaben von Wasserschutzpolizei und Greenpeace unverändert.

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Die Rettungsversuche waren am Mittwoch eingestellt worden. Den Fachleuten und Meeresschützern vor Ort zufolge wird das Tier in dieser Bucht wohl sterben. Wie lange es noch überleben wird, lässt sich nach Einschätzung der Experten nicht vorhersagen. Am Donnerstagvormittag erkundete ein Vermessungsboot die Umgebung des Wals, um eine mögliche Bergung des Buckelwals vorzubereiten.

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Der Wal hatte bereits am Mittwoch nur noch alle vier Minuten geatmet. Er habe nicht mehr auf die Paddel der Boote reagiert, als sie bei ihm waren. „Keine Aktivität, die uns Anlass zur Hoffnung gibt“, sagten Experten. Beobachter vor Ort berichteten zudem von leisen, stöhnenden Lauten, die immer wieder aus der Bucht zu hören waren.

Todeskampf könnte sich über Tage hinziehen: 500-Meter-Sperrzone eingerichtet

Das Tier solle an seinem jetzigen Liegeplatz in Ruhe gelassen werden, sagte Umweltminister Backhaus bei einer Pressekonferenz. „Wir müssten ihn so massiv animieren, was aussichtslos wäre, weil er die Kraft nicht mehr hat. Und die Erfolgschancen sind so gering, dass wir das als reine Tierquälerei empfinden würden“, sagte der wissenschaftliche Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek

V. r.: Till Backhaus (SPD), Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, spricht während einer Pressekonferenz zum Wal in der Ostsee neben Thilo Maack von Greenpeace und Burkard Baschek, dem Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. © Daniel Bockwoldt/dpa | Daniel Bockwoldt

Um den Wal zu schützen, hat die Polizei eine Sperrzone von 500 Metern rund um den Fundort eingerichtet. Schaulustige dürfen sich dem Tier nicht nähern, auch Drohnenflüge sind untersagt. So soll verhindert werden, dass der ohnehin geschwächte Wal zusätzlich gestresst wird. Der Todeskampf könnte sich laut Experten noch über mehrere Tage hinziehen, möglicherweise sogar länger.

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An die 500-Meter-Sperrzone halten sich die Menschen bislang. Die Polizei sichert das Gebiet rund um den Wal ab und hält Einsatzkräfte sowie Experten über dessen Zustand auf dem Laufenden.

Wal seit Anfang März an Ostseeküste unterwegs

Das Schicksal des Buckelwals bewegt viele Menschen bereits seit Wochen. Seit Anfang März war das Tier immer wieder an der Ostseeküste gesichtet worden, unter anderem im Hafen von Wismar, in der Lübecker Bucht und an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Der Wal hatte sich offenbar in einem Netz verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer konnten einen Teil des Materials entfernen, Reste befinden sich aber weiterhin im Maul des Tieres.

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Am vergangenen Montagmorgen (23. März) war der Meeressäuger dann auf einer Sandbank vor dem Timmendorfer Strand entdeckt worden. Dort lief eine aufwendige Rettungsaktion an, bei der unter anderem eine Rinne ausgebaggert wurde. In der Nacht zum Sonntag (29. März) konnte sich der Buckelwal schließlich zum zweiten Mal selbst befreien. Doch die Erleichterung währte nur kurz: Wenig später geriet das Tier erneut in flache Gewässer der Wismarer Bucht.

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