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⇱ Judith Rakers über sexuelle Belästigung: „Hat meinen Arm an seinem Penis gerieben“


Funke Mediengruppe
Moderatorin mit erschütternder Geschichte

Judith Rakers als Kind sexuell belästigt: „Hat meinen Arm an seinem Penis gerieben“

Berlin. Ex-Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers teilt erschütternde Erlebnisse aus ihrer Kindheit: Mehrfach wurde die 50-Jährige als Mädchen sexuell belästigt.
Judith Rakers hat Anfang 2024 nach 19 Jahren als Tagesschau-Sprecherin aufgehört. © picture alliance / SvenSimon | Malte Ossowski/SVEN SIMON

Es ist kein Geheimnis, dass Comedian Ariana Baborie und Ex-Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers in ihrem Podcast „Baborie & Rakers“ oft auch private Einblicke gewähren. Selten aber sprach Rakers so offen über schreckliche Ereignisse in ihrer Kindheit wie in der aktuellen Folge, die am Freitag erschien. Die 50-Jährige erzählt darin von sexueller Gewalt und mehreren traumatischen Erlebnissen mit Männern, deren Opfer sie wurde.

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Anlass für Rakers‘ Mut, ihre eigene Geschichte zu teilen, ist der Fall von Collien Fernandes. „Lasst uns die Mauern des Schweigens einreißen“, sagte die Schauspielerin bei einer Demo gegen sexualisierte Gewalt am vergangenen Donnerstag in Hamburg. Ihre Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen haben eine Protestwelle im ganzen Land in Bewegung gesetzt. Der Schauspieler soll im Netz zahlreiche Fake-Profile von Fernandes erstellt und pornografische Inhalte geteilt haben.

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Judith Rakers: „Viele brenzlige Situationen mit Männern erlebt“

„Die einzige Person, die sich schämen muss, ist der Täter. Das muss man, glaub ich, nicht gendern“, sagt Baborie in der Podcast-Folge einleitend und spielt damit auf den berühmten Satz von Dominique Pelicot an. Die Französin, die von ihrem Ehemann und zahlreichen weiteren Männern sediert und dutzendfach sexuell missbraucht wurde, hatte zum Prozessbeginn 2024 gesagt: „Die Scham muss die Seite wechseln.“ Baborie ist sichtlich aufgewühlt: „Es macht mich so sauer, alles.“

Rakers stimmt ihr zu. Es sei gut, dass jetzt diese große Bewegung aus dem Fall um Collien Fernandes entstanden sei. „Natürlich habe auch ich in meinem Leben schon sehr viele Situationen erlebt mit Männern, die sehr brenzlig waren und wo es auch um sexuelle Gewalt ging“, sagt die 50-Jährige und wird dann konkreter.

Als Kind, das auf dem Land aufwuchs, hätte sie mit dem Bus immer 35 Minuten zum Gymnasium nach Paderborn fahren müssen. Und bereits damals hätte sie ihr alleinerziehender Vater darauf vorbereitet, „was passiert, wenn da mal irgendein Mann sich neben mich setzt und anfängt, an sich herumzuspielen, und du glaubst es nicht, es ist natürlich passiert“.

Mit sieben Jahren: Rakers wird im Wald Opfer von sexueller Gewalt

Demnach habe ein Mann im Bus damals angefangen, an seinem Geschlechtsteil herumzuspielen, während sie daneben saß, und dabei seinen Arm an ihr gerieben. Sie habe dann so reagiert, wie ihr Vater es ihr beigebracht hatte: „Ich bin aufgestanden und habe gesagt, ,Hören Sie auf, sich an den Penis zu fassen‘.“ Alle Menschen im Bus hätten sich sofort zu ihr umgedreht, während der Mann aufgesprungen und an der nächsten Station ausgestiegen sei. „Da hat auch die Scham die Seite gewechselt“, so Rakers.

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Außerdem sei sie als kleines Kind auch schon mal Opfer eines Mannes geworden, der sie im Wald mit seinem Hund bedroht habe. „Er hat meinen Arm genommen und an seinem erigierten Penis gerieben“, schildert die gebürtige Paderbornerin eine „von vielen“ Geschichten, die sie erzählen könne. Sieben Jahre alt sei sie damals gewesen.

Ein anderes Mal sei sie mit einer Freundin in einem voll besetzten Bus unterwegs gewesen. Als beide ausstiegen, fing ihre Freundin bitterlich an zu weinen. „Weil die ganze Zeit ein Mann hinter ihr gestanden und diese Enge im Bus ausgenutzt hat und mit seiner Hand von hinten zwischen ihre Beine gegangen ist“, erzählt Rakers. Ihre Freundin habe sich anschließend fürchterlich geschämt – obwohl sie selbst das Opfer gewesen war.

Zur Berichterstattung im Fall Fernandes

Gegen Christian Ulmen stehen schwere Vorwürfe im Raum. Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes hat Ulmen in Spanien angezeigt, wegen mutmaßlicher Vortäuschung einer Identität, Verletzung von Geheimnissen, Beleidigung mit öffentlicher Verbreitung, fortgesetzter Misshandlung und schwerer Bedrohung. Das bestätigte das Oberste Gericht der Balearen unserer Redaktion. Um die Erstellung von Deepfake-Pornos geht es dabei ausdrücklich nicht.

Die Abteilung für Gewalt gegen Frauen führt die Ermittlungen. Diese befinden sich laut Gericht in einem „frühen und vertraulichen Stadium“. Ob und in welchem Umfang die Staatsanwaltschaft dann gegen Ulmen ermittelt, ob es eine Anklage gibt, ist noch nicht klar. Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.

Ulmen schweigt zu den Vorwürfen. Sein Anwalt, Christian Schertz, hält die Berichterstattung über den Fall für „rechtswidrig“. Es handele sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“, teilte Schertz in einem Schreiben vom 19. März mit.

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