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Archäologie

So roch Pompeji kurz vor dem Untergang – Forscher finden exotische Räucherharze

Winzige Aschereste lassen Archäologen erahnen, wie überraschend weit die Bewohner von Pompeji in der antiken Welt vernetzt waren.
Von Oskar Schulz
Die untersuchten Räuchergefäße gehörten zum Hausalter, dem Lararium, in den Haushalten von Pompeji. © Parco Archeologico di Pompeii/Johannes Eber

Die römische Stadt Pompeji wurde nach einem Vulkanausbruch in Asche konserviert – und lieferte so Archäologen fast 2000 Jahre später einen unvergleichlichen Schatz. Neben Abdrücken von Menschen, Tieren und Gebäuden blieben auch Spuren des Dufts von Pompeji erhalten. So analysierte ein internationales Forschungsteam winzige Aschereste, die schon vor der Katastrophe im Jahr 79 nach Christus in den Haushalten der Stadt brannten.

Wie die Forscher in einer im Fachjournal „Antiquity“ erschienenen Studie schreiben, handelt es sich dabei wohl um Räucherharze, die als Opfergaben in Rauchgefäßen verbrannt wurden. Besonders überrascht seien die Autoren von dem Ursprungsort der exotischen Räucherharze gewesen. So stammen die wahrscheinlich aus tropischen Regenwäldern in Indien oder Afrika. Die Ergebnisse der Analyse würden damit das weitreichende Handelsnetzwerk der Bewohner von Pompeji.

Pompeji: Verbrannte Opfergaben erfüllten Häuser mit exotischen Düften

In den Überresten aus zwei Räuchergefäßen, die in Pompeji selbst und in einer nahegelegenen Villa gefunden wurden, konnte die Studie auch andere heimische Kräuter nachweisen. Neben Holz und Pflanzen wie Lorbeer oder Steinobst fanden die Forscher auch Hinweise auf Traubenprodukte – möglicherweise Wein – als Teil der Opfergaben.

Asche unter Asche: Pompejanischer Räucherkelch mit den Überresten der Opfergaben. © Parco Archeologico di Pompeii/Johannes Eber

„Dies würde mit der Verwendung von Wein in Ritualen übereinstimmen, die in römischen Bildern gezeigt und in Texten beschrieben wird, und zeigt gleichzeitig, wie wichtig es ist, archäologische Studien durch wissenschaftliche Analysen zu ergänzen“, zitiert ein Statement Maxime Rageot von der Universität Bonn, der die biomolekularen Untersuchungen in der Studie durchführte.

„Wir können nun konkret zeigen, welche Düfte im pompejanischen Hauskult tatsächlich verbrannt wurden“, kommentiert Johannes Eber von der Universität Zürich, der die Studie leitete

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Düfte und Rauch förderten spirituelle Zustände

Die Ergebnisse werfen ein neues Licht auf das religiöse Leben der Pompejaner. Anders als oft angenommen, spielten sich religiöse Rituale nicht nur in großen Tempeln ab, sondern auch im privaten Raum. In vielen Häusern befanden sich kleine Hausaltäre, sogenannte Lararien, an denen Familien ihren Schutzgöttern Opfer darbrachten. Archäologen kennen Hunderte solcher Schreine allein in Pompeji.

Dort verbrannten die Bewohner offenbar regelmäßig wohlriechende Stoffe, um mit den Göttern zu kommunizieren. Der Rauch hatte dabei nicht nur symbolische, sondern auch sinnliche Bedeutung. Geruch, eingeschränkte Sicht und das Ritual halfen eine spirituelle Atmosphäre zu erzeugen.

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Dass solche Details heute rekonstruierbar sind, verdankt die Forschung der Katastrophe selbst. Als der Vesuv ausbrach, wurde Pompeji unter einer dicken Schicht aus Asche und Gestein begraben. Diese konservierte nicht nur Gebäude und Wandmalereien, sondern auch organische Materialien – von Lebensmitteln bis hin zu den Ascheresten in den Räuchergefäßen.

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