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Invasive Art

„Monster des Gardasees“ vertreibt Urlauber – Fischer sagen ihm den Kampf an

Berlin. Im Gardasee breitet sich ein ungebetener Bewohner rasant aus – mit Folgen für Natur, Fischer und Tourismus. Diese Maßnahmen sollen helfen.
Von Micaela Taroni
Der Gardasee in Italien gilt als beliebtes Reiseziel. Doch seit geraumer Zeit vermehren sich die Riesenwelse so stark, dass sogar Urlauber davon abgeschreckt werden. © picture alliance / Artcolor | -

Immer wieder hat ein tierischer Bewohner des Gardasees in den vergangenen Jahren für Alarmstimmung gesorgt. 2025 wurden Taucher zitiert, die ganz außer sich waren: 14 Riesenwelse hätten sie auf einer Strecke von nur 200 Metern gesichtet. Und es werden immer mehr. Behörden und Fischer schlagen angesichts der rasanten Ausbreitung Alarm, die Rede ist vom „Monster des Gardasees“.

Ihre Befürchtung: Die Raubfische, teils bis zu drei Meter lang, gefährden zunehmend das ökologische Gleichgewicht des Sees. Die Präsenz dieser gebietsfremden und stark invasiven Art stelle mittlerweile eine ernsthafte Bedrohung für heimische Fischarten dar. Diese Entwicklung hat lokale Behörden und Fischerverbände dazu veranlasst, ein Eingreifen der Regionalbehörden zu fordern.

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Wels-Alarm bei Sirmione: Gardasee bietet idealen Lebensraum

Welse ernähren sich neben Fischen auch von Wasservögeln und kleinen Säugern. Manche Regionen des Sees seien bereits leergefressen, heißt es. Und auch Urlauber seien verunsichert, weil sie sich wegen der Welse nicht mehr ins Wasser wagten, so ist in italienischen Medien zu lesen.

Besonders betroffen ist der Abschnitt zwischen Sirmione und Lazise, wo das Wasser im Frühjahr klar und warm ist – ideale Bedingungen für die Fortpflanzung vieler Fischarten und optimaler Lebensraum für den Wels. Seine hohe Anpassungsfähigkeit – er kann auch in sauerstoffarmen Gewässern überleben – verschafft ihm einen deutlichen Vorteil gegenüber einheimischen Arten. Die Raubfische jagen nicht nur Sardinen oder Barsche, sondern auch Vögel wie Enten.

„Der Wels ist ein seit Langem bekanntes Problem, das aus der Region immer wieder gemeldet wurde. Es braucht konkrete Lösungen, denn die Auswirkungen auf die Fischerei und das ökologische Gleichgewicht sind erheblich“, sagt der Fischereibeauftragte der Region Venetien, Dario Bond, gegenüber lokalen Medien. Viele heimische Arten wie der Garda-Carpione, die Marmorforelle und die Plötze seien inzwischen stark gefährdet.

Italien will Fischerei im Kampf gegen Welse stärken

Neben den ökologischen Herausforderungen eröffnet sich jedoch auch eine wirtschaftliche Perspektive: Der Wels als Speise ist auf dem Markt etabliert, insbesondere in Ländern wie Deutschland, Tschechien und Polen. Es handelt sich also um einen Fisch mit realer Nachfrage. Der Preis für frischen Wels liegt derzeit bei etwa 2,50 bis 2,70 Euro pro Kilogramm.

Das Ziel der Region Venetien ist daher zweigleisig: Einerseits soll die ökologische Belastung reduziert, andererseits die wirtschaftliche Nutzung der Art gefördert werden. „Wir wollen die Vermarktungskette für den Wels stärken, um den Fischern stabile Absatzmöglichkeiten zu bieten“, so Bond. Gleichzeitig will die Region die Fischer am Gardasee aktiv unterstützen – sowohl bei der Erprobung neuer Fangmethoden als auch bei der Anschaffung geeigneter Ausrüstung.

Forscher warnen vor Umweltverschmutzung

Finanzielle Hilfe könnte aus europäischen Mitteln wie dem FEAMPA-Fonds kommen, etwa für den Aufbau von Zwischenlagerstrukturen. Gerade in den warmen Monaten ist es entscheidend, den Fisch gekühlt zu lagern, um Qualität und Marktwert zu sichern. Inzwischen setzen Fischer auch auf neue Fangmethoden. Eine Innovation ist das sogenannte „Cogolo“, ein Netz nach dem Vorbild von Aalreusen. Erste Tests von Berufsfischern aus Peschiera del Garda zeigen bereits positive Ergebnisse.

Fischer sollen für Fangtage aufrüsten

Auch traditionelle Netze werden angepasst. So arbeiten Fischer daran, Netze mit größeren Maschenweiten zu entwickeln, um gezielt Welse zu fangen, ohne andere Fischarten zu beeinträchtigen. Die Gemeinden am Gardasee setzen sich auch dafür ein, die Fischereiregeln anzupassen und den Fischern eine aktivere Rolle beim Schutz des Ökosystems zu geben. Geplant ist unter anderem, ein- bis zweimal pro Woche gezielte Fangtage für Welse einzuführen.

Fachleute mahnen jedoch, das Problem in einem größeren Zusammenhang zu betrachten. Der Rückgang der Fischbestände habe bereits lange vor der stärkeren Ausbreitung des Welses begonnen und sei auf mehrere Faktoren wie Umweltveränderungen, Klimawandel und Eingriffe ins Ökosystem zurückzuführen.

In den vergangenen drei bis vier Jahren hat die Art jedoch stark zugenommen und ihr invasives Potenzial deutlich gezeigt, nachdem sie zuvor über längere Zeit nur eine untergeordnete Rolle gespielt hatte. Beobachter vergleichen diese Entwicklung mit der Ausbreitung der Blaukrabbe in der Lagune von Venedig, die ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf lokale Ökosysteme hat.

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Und nicht nur der Wels bereitet den Menschen am Gardasee Sorgen. Ein weiteres Problem ist die wachsende Population des Kormorans. Auch dieser Vogel kann das ökologische Gleichgewicht beeinträchtigen, da er große Mengen an Fisch frisst und insbesondere den Nachwuchsbestand gefährdet. Der Kormoran ist jedoch eine geschützte Art und jagt vor allem jene Fische, die leicht verfügbar sind. Seine Zahl hat sich in den vergangenen Jahren verdreifacht.

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