Leo XIV. überrascht mit Osterplänen: Das hat seit Jahren kein Papst mehr gemacht
Die Abläufe sind uralt, doch das Ritual bleibt immer noch spannend: Das wichtigste Fest der Christen in aller Welt steht bevor. Zum ersten Mal feiert Leo XIV. Ostern als Papst in Rom. Mit dem ersten US-Pontifex der Geschichte kehrt zur Heiligen Woche wieder so etwas wie Normalität in die Abläufe des Vatikans zurück. War diese Zeit in den vergangenen Jahren oft vom Bangen um die Teilnahme des kranken Papstes Franziskus geprägt, ist das jetzt mit dem wesentlich jüngeren und fitten Leo XIV. gar keine Frage.
Leo XIV. wirkt mit seinen 70 Jahren äußerst vital und wird selbstredend an allen Osterfeierlichkeiten teilnehmen. Mit großen Plänen: Am Dienstag meldeten Vatikan-Medien, dass Leo XIV. zu Karfreitag als erster Papst seit vielen Jahren beim Kreuzweg am Kolosseum das Kreuz durch alle 14 Stationen tragen wolle. In den Vorjahren hatte Papst Franziskus wegen seiner Gehbehinderung diese symbolische Geste anderen Gläubigen überlassen. Jahrzehnte davor war es Papst Johannes Paul II., der das Kreuz während des Großteils seines Pontifikats (1978–2005) persönlich bei der Kreuzweg-Andacht am Kolosseum in Rom trug.
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Für Leo geht es aber um mehr, als um den bloßen Transport. Dass er das Holzkreuz den ganzen Weg selbst tragen werde, zeige, wofür er als Papst stehe, sagte er am Dienstagabend in Castel Gandolfo: „Ein spiritueller Führer in der heutigen Welt, eine Stimme, die verkündet, dass Christus noch immer leidet“, so Leo. „Auch ich trage all dieses Leid im Gebet und möchte alle Menschen guten Willens einladen, gemeinsam diesen Weg zu gehen und zu suchen, wie auch wir Friedensbotschafter sein können.“
Schon am Gründonnerstag will Leo neue Akzente im Vergleich zu seinem Vorgänger setzen. Franziskus schien es stets darum zu gehen, Nahbarkeit zu zeigen: So wusch das Kirchenoberhaupt mal Geflüchteten, mal Gefängnisinsassen die Füße. 2016 sorgte er gar für Wirbel, als er mit der Tradition brach und auch Frauen auswählte.
Während Papst Franziskus die Liturgie bewusst an die „Ränder“ der Gesellschaft getragen hatte, scheint Leo XIV. den Ritus nun wieder stärker in seine kirchliche und traditionsgebundene Dimension zurückführen zu wollen: Er wird das Ritual am Gründonnerstagabend in seiner römischen Bischofskirche begehen, in der Lateranbasilika, und dort zwölf römischen Priestern die Füße waschen, teilte der Vatikan mit.
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Erinnerung an Papst Franziskus: Mit letzter Kraft zum „Urbi et Orbi“
Das Osterfest weckt indes für viele traurige Erinnerungen: Millionen Katholiken hatten 2025 um Papst Franziskus gezittert, dessen Teilnahme an den Feierlichkeiten nach einer heftigen Lungenerkrankung zunächst unklar war. Der schwer kranke Papst konnte wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands nicht die Ostermesse feiern, die stattdessen von Kardinal Angelo Comastri zelebriert wurde.
Doch trotz seiner Gebrechlichkeit hatte sich der 88-jährige Franziskus im Rollstuhl auf der Loggia des Petersdoms zum feierlichen Segen „Urbi et orbi“ („Der Stadt und dem Erdkreis“) gezeigt und den Gläubigen mit schwacher Stimme „Frohe Ostern!“ gewünscht. Dies war der letzte, symbolische Akt seines zwölfjährigen Pontifikats. Keine 24 Stunden später starb er am Ostermontag an den Folgen eines Schlaganfalls, der dann zu Koma und Herzversagen führte.
Der Segen „Urbi et orbi“ und die damit verbundene Ansprache des Papstes am Ostersonntag wird auch in diesem Jahr mit Spannung erwartet. In seiner Rede wird der Papst auf die Krisen weltweit eingehen. Erwartet werden – ganz im Sinne der österlichen Hoffnungsbotschaft – Appelle für Dialog und Frieden.
Nach Ostern fliegt der Papst nach Afrika
Eine alte Tradition hatte der polyglotte Papst Leo bereits an Weihnachten wieder aufgenommen, als er die Menschen in aller Welt in zehn verschiedenen Sprachen grüßte. Das Thema Frieden wird auch bei der Afrikareise eine Rolle spielen, die Leo XIV. eine Woche nach Ostern antritt. Zehn Tage lang wird der mit dem bürgerlichen Namen Robert Prevost geborene Papst auf dem afrikanischen Kontinent verbringen. Dort besucht er vier Länder: Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea.
Der Besuch ist kein Zufall: Afrika ist einer der Wachstumskontinente der katholischen Kirche, schon allein wegen der dortigen Bevölkerungszunahme. Die Ortskirchen emanzipieren sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr von der einstigen kulturellen Prägung durch Europa. Am 23. April kehrt Leo XIV. dann von seiner bis dahin längsten Auslandsreise als Papst nach Rom zurück.
Papst als Friedensbotschafter: Diese Akzente setzt Leo
Wenige Tage später wird er am 8. Mai den ersten Jahrestag seiner Papstwahl feiern. In diesem ersten Jahr im Amt hat Leo XIV. sich in einigen Punkten von seinem Vorgänger abgesetzt. Von Beginn an setzte Leo XIV. in Hinblick auf internationale Krisen klare Akzente in der Friedensdiplomatie: So bestätigte er Kardinal Pietro Parolin als vatikanischen Staatssekretär und ernannte den italienischen Episkopatschef, Kardinal Matteo Zuppi, zum Sondergesandten für den Frieden in der Ukraine.
Ein FUNKE Liebe
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Auch in seiner Kommunikation setzt er eigene Schwerpunkte: So ruft er immer wieder dazu auf, „die Worte zu entwaffnen“. Hatte sich sein Namensvorgänger Leo XIII., an dem sich Robert Prevost orientiert, mit der Industrierevolution im 19. Jahrhundert auseinandergesetzt, so misst Leo XIV. dem Thema künstliche Intelligenz (KI) wachsende Bedeutung bei und ordnet es vor allem ethisch und sozial ein. So sieht der US-Papst KI als Herausforderung für das Menschenbild und die Gesellschaft. In mehreren Stellungnahmen betont er, dass Innovation stets dem Menschen dienen müsse – und nicht umgekehrt.
