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Funke Mediengruppe
„Prekäre Bedingungen“

Deutsch-indischer „Guru“ in Italien verhaftet: Anhänger mussten im Wald hausen

Palermo. Der selbsternannte Guru führte in Sizilien eine Waldgemeinschaft, darunter auch Kinder. Nun sitzt er in Haft. Was ihm vorgeworfen wird.
Von Micaela Taroni
Die italienische Polizei hat einen deutsch-indischen Mann festgenommen, der als selbsternannter „Guru“ eine Waldgemeinschaft auf Sizilien anführte. © Sabina Crisan/dpa | Sabina Crisan

Vollmundig predigte der „Guru“, wie er sich selbst nannte, Bescheidenheit und Naturverbundenheit. Für ihn selbst sollen ganz andere Gebote gegolten haben: Mark R. K. liebte Luxus und lebte seinen Lifestyle ganz offen aus. Währenddessen mussten seine Anhänger in einem heruntergekommenen Haus in einem Wald nahe Palermo auf Sizilien ausharren, in dem chaotische Verhältnisse geherrscht haben sollen, so die Vorwürfe, die jüngst bekannt wurden.

Am Mittwoch nun wurde der spirituelle Lehrer deutsch-indischer Herkunft in Italien wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur Kindesmisshandlung festgenommen. Die Haftanordnung erging auf Betreiben der Staatsanwaltschaft von Termini Imerese bei Palermo.

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„Guru“ ließ Gruppe unter „prekären“ Bedingungen im Wald leben

Der selbst ernannte Prediger habe laut Nachrichtenagenturen, die sich auf die Ermittler berufen, eine kleine Gemeinschaft von etwa 15 Personen mit seinen Geistesbotschaften geleitet. Darunter auch zwei Kinder, ein italienisches und ein deutsches, im Alter von sieben und elf Jahren, was den Fall äußerst schwerwiegend macht.

Der Zustand des Bauernhauses, in dem sie lebten, wird als desaströs beschrieben: Es sei feucht und verwahrlost, heißt es.. Von „prekären hygienischen Bedingungen“ ist die Rede. So soll das Haus weder Strom noch Toiletten aufweisen. Laut der Nachrichtenagentur Adnkronos mussten die Kinder nachts mit Taschenlampen auf dem Kopf um das Haus herumstreifen, um die Erwachsenen vor möglichen Feinden zu warnen. Auch heißt es, dass sie gezwungen waren, auf Luftmatratzen zu schlafen.

Behörden fürchten „psychologische Konditionierung“ der Kinder

Laut der Staatsanwaltschaft waren die Kinder „Verhaltensweisen ausgesetzt, die als schwerwiegend schädlich angesehen werden”. Das Umfeld sei „durch Formen der Isolation und psychologischer Konditionierung gekennzeichnet”, so heißt es in den italienischen Medien. Für die beiden Kinder ist das Martyrium nun vorbei: Sie wurden auf Anordnung der Jugendstaatsanwaltschaft den Großeltern mütterlicherseits anvertraut.

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Der Anführer der Gruppe, so die Medienberichte, soll vor knapp zehn Jahren nach Sizilien gekommen sein. Zuerst nach Stromboli, dann nach Palermo, wo er „Satsang“ propagierte – eine Zusammenkunft von Menschen auf der Suche nach ihrer wahren Natur, die ohne materielle Werte auskommen wollen. Die Gruppe, bei der er seine spirituellen Sitzungen abgehalten hatte, so berichtet Ansa weiter, besteht aus Deutschen und Engländern. Sie sei erst vor wenigen Monaten nach Sizilien gezogen. Auch eine gebürtige Sizilianerin sei darunter, dabei soll es sich um die Mutter eines der mutmaßlich misshandelten Kinder handeln. Das Bauernhaus gehörte offenbar der Familie der Frau.

Vater einer Teilnehmerin gab der Polizei den Tipp

Ans Licht kam das Ganze über den Vater dieser Frau, der die Polizei eingeschaltet hatte. Der Mann, ein Hotelier aus Cefalù im Norden Siziliens, berichtete den Behörden von Manipulationen, denen seine Tochter durch die Gemeinschaft ausgesetzt gewesen sei, und von wiederholten, ungewöhnlichen Geldabhebungen der Frau.

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Die Staatsanwaltschaft von Termini Imerese untersucht nun die interne Struktur der Gemeinschaft, die genaue Rolle des „Gurus“. Die Justiz interessiert sich auch für den Strom der Finanzierungen, die Spendenverwaltung und den Grad der Kontrolle über die Anhänger. Noch unklar sei, ob es Hinweise auf psychologische Manipulation, illegale Geldverwaltung oder weitere Straftaten gibt.

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Laut Nachrichtenagenturen habe der studierte Psychologe Geld von Menschen gesammelt, die er online kennenlernt. Soziale Medien seien eines seiner Mittel zur Missionierung. Jeden Dienstagabend hätten Live-Sitzungen via Zoom stattgefunden. Laut Ansa war der 47-Jährige, der in einer „luxuriösen Villa lebte“, gerade dabei, seine Koffer zu packen, als die Polizei ihn stellte. Angesichts bestehender Fluchtgefahr sitzt der selbst ernannte Meister jetzt in Untersuchungshaft.

mit dpa

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