Syrien: US-Sanktionen sollen fallen – „Endlich mit Paypal zahlen!“
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Für Syrien könnte dieser Tage eine ganz neue Ära beginnen. Mit dem Ende der US-Sanktionen gegen das Land hoffen viele Menschen, dass die Wirtschaft sich erholt und sie sich ein besseres Leben erarbeiten können. Die Freude war vielen nach der Ankündigung Trumps ins Gesicht geschrieben: In Damaskus, Homs und Idlib feierten viele Menschen, dass der US-Präsident Syrien „eine Chance geben“ will, sich „zu entwickeln“.
Für Trump könnte dieser Schritt ein wichtiger Erfolg in seiner Außenpolitik werden, wenn es ihm gelänge, Syrien nach der Ära Assad zu stabilisieren. Denn neben der schwierigen wirtschaftlichen Lage kommt es im Land am Mittelmeer immer noch zu Auseinandersetzungen zwischen der HTS-Regierung und anderen Gruppierungen, die den Minderheiten angehören.
Deshalb kam Trumps Ankündigung in Damaskus gut an. Das betonte der syrische Außenminister Asaad al-Shaibani. Dieser bezeichnete die Aufhebung der Sanktionen als „Wendepunkt für das syrische Volk“. Auch Wirtschaftsminister Nidal al-Shaar erklärte in einem Interview mit Al-Arabia-TV, Syrien könne Trump gar nicht dankbar genug sein. Die Vereinten Nationen (UN) sowie das deutsche Außenministerium begrüßten den Schritt ebenfalls.
Syrer aus Damaskus: „Man könnte jetzt mit PayPal bezahlen“
Bei vielen Syrern, die endlich sehen wollen, wie ihr Land nach vierzehn Jahren Bürgerkrieg wiederaufgebaut wird, löste die Nachricht Hoffnung aus. Safwan Al Shaer ist einer von ihnen. Der freiberufliche Fotograf bezeichnete den Tag als „historisch“. „Ich kann meine Gefühle nicht beschreiben. Ich war sprachlos.“ Die Aufhebung der Sanktionen sei für ihn der Anfang des Wiederaufbaus eines neuen, freien Syriens. „Der Sturz Assads war nur der Anfang, jetzt haben wir den zweiten Schritt getan“, sagt der Syrer.
Für ihn und andere Selbstständige, wie beispielsweise Grafikdesigner, bedeutet das einen offiziellen Zugang zu professionellen Tools wie Adobe und Figma, ohne Umwege oder VPN. „Auch das Internet könnte verbessert werden. Denn wir waren von der Außenwelt abgeschnitten“, sagt er. Viele Fotografen und Grafikdesigner könnten sich nun bei globalen Freiberuflerplattformen wie Malt, Upwork oder Fiverr anmelden, was zuvor verboten war. „Zudem könnte man Zahlungen über PayPal oder Payoneer oder Mastercard erledigen, anstatt komplizierte Methoden zu nutzen“, sagt der Syrer. Damit hat man auch die Möglichkeit, mit ausländischen Unternehmen zusammenzuarbeiten und diese könnten in Syrien investieren – aus der Ferne oder vor Ort. „Damit wird man, egal mit welchem Beruf, ein echter Teil des globalen Arbeitsmarktes“, erklärt Safwan.
Nach Trumps Entscheidung könnten syrische Händler ihre Waren exportieren
Für Mahmoud Al Nenny, Besitzer einer Bekleidungsfabrik in Damaskus, kam die Nachricht über die geplante Aufhebung der US-Sanktionen wie ein Lichtstrahl nach Jahren im wirtschaftlichen Dunkel. Seit 2011 ist für ihn alles nur noch schwieriger geworden. Aufgrund der Sanktionen haben die Fabriken ihre Produktion reduziert, wodurch auch der Absatz gesunken ist. Zudem konnten aufgrund der Sanktionen keine Ersatzteile für Maschinen mehr importiert werden. Internationale Banken blockierten Überweisungen und viele Lieferanten wagten es nicht mehr, Geschäfte mit Syrien zu machen – aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen. „Deswegen mussten wir immer unsere Rechnungen über Umwege bezahlen, wenn wir etwas kaufen wollten“, sagt der 51-Jährige.
Doch mit der Aufhebung der Sanktionen könnte er direkt einkaufen und verkaufen und müsste seine Ware nicht mehr über Zwischenhändler ins Ausland exportieren – wenn es ihm natürlich gelingt. „Dies wirkt sich nicht nur positiv auf die Wirtschaft des Landes aus, sondern auch auf unser Geschäft als Industrielle, Händler und Fabrikbesitzer.“
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Syrer aus Deutschland war von Trumps Ankündigung überrascht
Auch bei den in Deutschland lebenden Syrern hat Trumps Ankündigung für Freude gesorgt. Hussam Al Zaher war allerdings überrascht. Der in Hamburg lebende Syrer hatte nicht damit gerechnet, dass Trump die Sanktionen so schnell lockern würde. „Diese Nachricht macht Hoffnung. Die Aufhebung der Sanktionen könnte Stabilität, Sicherheit und den Wiederaufbau des Staates voranbringen“, sagt der Chefredakteur des Online-Magazins Kohero.
Der 37-Jährige beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit der Lage in seiner Heimat. In seinem Newsletter „Syrien Update“ schreibt und analysiert er die Entwicklungen nach dem Bürgerkrieg. „Syrien braucht alles gleichzeitig. Viele Kinder müssen Bildung nachholen, junge Menschen benötigen Weiterbildungsmöglichkeiten und die Lehrpläne müssen modernisiert werden. Neue Unternehmen benötigen Fachkräfte, das Gesundheitssystem muss erneuert und die Infrastruktur sowie der Wohnraum wiederhergestellt werden. Auch die Medien sollten ihre Rolle neu definieren“, sagt der Deutsch-Syrer.
Die syrische Lira verbessert sich nach Trumps Ankündigung
Die Nachrichten aus Saudi-Arabien und den USA könnten dem Land dabei helfen, sich nach den Kriegsjahren wieder zu erholen. Bereits am nächsten Tag hat sich der Wechselkurs des syrischen Pfunds (Lira) der Zentralbank zufolge verbessert. Diese Verbesserung könnte für Syrer in Deutschland spürbar werden. Insbesondere für alle, die Geld in die Heimat an ihre Familie überweisen. Bisher mussten sie Umwege in Kauf nehmen. Beispielsweise schickten sie das Geld an einen Freund im Libanon, der es wiederum an jemanden in Damaskus weiterleitete. „Wenn ich Geld an meine Familie überweise, gehen 25 bis 35 Prozent an Gebühren verloren. Künftig könnte ich Geld schnell, einfach und sicher schicken, ohne diese hohen Abzüge“, so Hussam.
Er bleibt allerdings vorsichtig, denn es ist immer noch unklar, welche Sanktionen aufgehoben werden. „Außerdem muss der US-Kongress Trumps Plänen noch zustimmen.“ Trotzdem spüre er Hoffnung, bei vielen Syrern, dass ihr Lebensverhältnisse generell verbessern könnte.
