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⇱ UN-Bericht warnt vor Flüchtlingswelle – Was das für Deutschland bedeutet


Funke Mediengruppe
Flüchtlingswerk alarmiert

UN-Bericht: Diese Länder müssen immer mehr Flüchtlinge aufnehmen

Berlin. Immer mehr Menschen sind weltweit auf der Flucht, doch Geld dafür hat das UN-Hilfswerk UNHCR immer weniger. Was das für Deutschland bedeutet
Von David Walter
Migration: Flüchtlinge aus dem Sudan warten nach der Überquerung der Grenze in den Südsudan auf einen Transport in das Transitlager der grenznahen Stadt Renk. Der blutige Machtkampf im Sudan, der im April 2023 begann, hat die größte Flüchtlingsbewegung weltweit ausgelöst. © Eva-Maria Krafczyk/dpa | Eva-Maria Krafczyk

In Deutschland hat es zuletzt ein Aufatmen gegeben: Die Zahl der Menschen, die hierzulande Asyl suchen, ist deutlich zurückgegangen. Ein Blick auf die Weltkarte aber ernüchtert: Ende 2024 verließen 123,2 Millionen Menschen wegen Kriegen, Konflikten, Verfolgung oder Menschenrechtsverletzungen ihre Heimat – rund sieben Millionen mehr als im Vorjahr. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) hervor.

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Die größte Vertreibungskrise erlebte der Sudan mit 14,3 Millionen Geflüchteten. Seit Mitte April 2023 tobt dort ein blutiger Machtkampf zwischen De-facto-Staatschef Abdel Fattah al-Burhan und dessen früherem Stellvertreter und Führer der sudanesischen Miliz RSF, Mohamed Hamdan Daglo. Dahinter folgen Afghanistan (10,3 Millionen) und die Ukraine (8,8 Millionen). Die dramatische Zunahme der Flüchtlingszahlen stellt das UNCHR vor allem vor finanzielle Schwierigkeiten. Denn während die Flüchtlingszahlen in den vergangenen zehn Jahren stetig gestiegen sind, wurden die finanziellen Mittel für das Hilfswerk kaum erhöht.

Migration: Noch nie gab es so viele Flüchtlinge und so wenig Geld

„Das humanitäre System befindet sich derzeit in einer Krise“, sagt Katharina Thote, Vertreterin des UNHCR in Deutschland, dieser Redaktion. „Noch nie gab es so viele Vertriebene auf der Welt, aber noch nie war so wenig Geld pro Kopf für diese Menschen da“. Seit 2015 habe sich die Zahl der Vertriebenen verdoppelt, aber es stehe heute kaum mehr Geld zur Verfügung. „Es geht, so bitter es klingt, um ein paar Euro pro Kopf und Jahr. Es ist aber Geld, das nicht selten über Tod und Leben entscheidet“, sagt Thote.

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Das UNHCR wird hauptsächlich durch freiwillige Beiträge finanziert. Diese erhält das Flüchtlingshilfswerk zum Beispiel von Regierungen, zwischenstaatlichen Akteuren, dem UN-Nothilfefonds CERF und auch von Stiftungen und Privatpersonen.

Syrer stehen Schlange, um an einem Geldautomaten in Damaskus Geld abzuheben. Fast zwei Millionen syrische Flüchtlinge konnten nach dem Ende des Bürgerkrieges in ihre Heimat zurückkehren. © Omar Sanadiki/AP/dpa | Omar Sanadiki

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 251.000 Asylanträge registriert, von denen 230.000 Erstanträge waren. Damit ging die Zahl der Anträge um 30 Prozent zurück. Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland mit 2,7 Millionen Menschen auf Platz vier der Länder, in denen die meisten Geflüchteten leben. Nur im Iran (3,5 Millionen), der Türkei (2,9 Millionen) und in Kolumbien (2,8 Millionen) leben noch mehr Menschen, die Opfer von Krieg, Verfolgung, Armut und Vertreibung sind.

Nur ein Bruchteil der Flüchtlinge kommt nach Europa

Die meisten Flüchtlinge im Verhältnis zur Bevölkerungszahl hat der Libanon aufgenommen: Dort ist jeder achte Einwohner ein Flüchtling. Dahinter folgen Aruba (1/9), Tschad und Curaçao (1/16) sowie Jordanien (1/18). Nur ein Bruchteil der Flüchtlinge kommt überhaupt nach Europa. Zwei Drittel leben dagegen in einem direkten Nachbarland, 60 Prozent verlassen nicht einmal das Heimatland.

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Trotz der gestiegenen Flüchtlingszahlen gebe es auch Lichtblicke, sagt UN-Kommissar Filippo Grandi. „Fast zwei Millionen Syrer konnten nach mehr als einem Jahrzehnt der Entwurzelung in ihre Heimatorte zurückkehren“, sagt Grandi und betont, dass das Land weiterhin labil sei und die Menschen Hilfe brauchen. Rund 9,8 Millionen gewaltsam vertriebene Menschen kehrten im vergangenen Jahr in ihre Heimat zurück. Dazu zählen auch Menschen, die unter „Zwang und äußerst prekären Umständen“ nach Afghanistan zurückgekehrt sind, heißt es in einer Mitteilung des UNHCR.

Experten: Zahl der Flüchtlinge könnte wieder sinken – unter diesen Bedingungen

Hoffnung macht der Ausblick auf das Jahr 2025. Das UNHCR schätzt in dem Bericht, dass sich die Zahl der Geflüchtete im Laufe des Jahres reduzieren könnte. Bis Ende April ist die Zahl bereits auf 122,1 Millionen gesunken. Ob diese Entwicklung anhält, hänge vor allem davon ab, ob sich Frieden oder zumindest eine Beendigung der Kampfhandlungen in der Ukraine, dem Sudan und der Demokratischen Republik Kongo einstellen. Auch die Verbesserung der Bedingungen für Rückkehrer nach Syrien oder Afghanistan könnten dazu beitragen, die Flüchtlingszahlen zu reduzieren.

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