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⇱ Putin provoziert – wie nah kommen seine Soldaten der Bundeswehr?


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Bundeswehr

Brisante Manöver: Putins Soldaten kommen Bundeswehr ganz nah

Berlin. Die Bundeswehr klagt über verstärkte russische Aggression. Jetzt starten beide Seiten Manöver. Droht eine Eskalation?
Von Christian Kerl, Korrespondent
Ein Schiff der Bundeswehr verlässt zum Auftakt des Marinemanövers Northern Coasts die Kieler Förde. © Frank Molter/dpa | Frank Molter

Sabotage, Spionage, hybride Angriffe: Die Bundeswehr klagt über zunehmend aggressives Verhalten Russlands unter anderem in der Ostsee. Jetzt könnte es in der angespannten Sicherheitslage richtig brenzlig werden: Soldaten der Bundeswehr und der russischen Streitkräfte kommen sich in den nächsten Wochen bei Manövern gefährlich nahe. Die Bundeswehr-Führung will alles tun, um eine Konfrontation zu verhindern. „Wir wollen abschrecken, keine Eskalation“, versicherte Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer in Berlin. Es könne aber sein, dass Moskau versuche, „Unsicherheit zu schüren“.

Der Hintergrund: Die Bundeswehr hat zusammen mit Truppen aus 13 anderen Nato-Staaten das Großmanöver Quadriga gestartet. Geübt wird bis Mitte September die Verlegung von Einheiten nach Litauen, vor allem über die Ostsee. Getestet wird damit eine schnelle Reaktion auf einen möglichen Angriff Russlands auf Litauen und die anderen baltischen Staaten. Die Bundeswehr schickt 8000 Soldaten, im Einsatz sind Schiffe, U-Boote, Marineflieger; die Abwehr gegnerischer Angriffe wird ebenso geübt wie die Räumung von Seeminen. „Eine Demonstration der Verteidigungsbereitschaft“, sagt der Marine-Inspekteur, Vizeadmiral Jan Christian Kaack.

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Doch in Kürze startet auch das russische Großmanöver Zapad, bei dem Soldaten aus Russland und Belarus in der Nähe der Nato-Ostgrenze üben – „mit dem Hauptschauplatz Belarus direkt an der Grenze zu Litauen, direkt an der Grenze zur Nato“, wie Breuer erklärt. Dass sich an der Nato-Ostflanke dann – auf einige Distanz – Soldaten der Bundeswehr und russische Truppen in größerer Zahl gegenüberstehen könnten, ist ungewöhnlich. Bei Zapad gebe es allerdings „keine Hinweise auf Angriffsvorbereitungen“, stellt Generalinspekteur Breuer klar.

„Wir sehen Sabotage, Spionage, zunehmend aggressives Verhalten“

Heikler ist der Nato-Flottenkonvoi auf der Ostsee. Auf See sei es nicht so leicht, beide Seiten auseinander zu halten. Soldaten der Nato und Russlands könnten sich leicht sehr nahe kommen. Für die deutsche Marine gebe es aber „klare Regeln für den Kontakt, um eine versehentliche Eskalation zu verhindern“, sagt Vizeadmiral Kaack.

Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer (rechts) und Vizeadmiral Jan Christian Kaack, Marine-Inspekteur, vor ihrer Pressekonferenz in Berlin. © Getty Images | Sean Gallup

Die russische Bedrohung ist für die Bundeswehr offenkundig: „Wir sehen Sabotage, Spionage, zunehmend aggressives Verhalten auf See“, erklärt der Marine-Inspekteur. Russland teste seine Gegner in der Region „täglich aufs Neue“. Generalinspekteur Breuer sagt über den russischen Präsidenten: „Putin schaut auf uns. Seine Pläne gehen über die Ukraine hinaus“. Der Bundeswehr gehe es um Abschreckung, dafür müsse sie „üben, üben, üben.“

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Selenskyj warnte vor dem Zapad-Manöver

Mit dem Manöver Zapad waren noch zu Jahresbeginn größere Befürchtungen verbunden: Im Februar hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gewarnt, in Belarus würden „vielleicht 100.000 Soldaten“ zusammengezogen. Zapad könne der Vorwand sein, um einen Angriff auf das Baltikum oder Polen zu starten. Der Militärhistoriker Sönke Neitzel hatte daraus seine umstrittene These entwickelt, der Sommer 2025 könne „der letzte Sommer in Frieden“ sein.

Solche Befürchtungen sind inzwischen korrigiert – schon weil am Zapad-Manöver in Belarus nicht hunderttausend, sondern offenbar nur 13.000 Soldaten teilnehmen; weitere 30.000 Soldaten werden im Westen Russlands üben. Breuer verspricht aber: Bundeswehr und Nato würden aufmerksam nach Belarus blicken und „sehr wachsam sein“.

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