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Fake-News und Drohnenangriffe

Phase 0: Bereitet Russland einen Krieg gegen die Nato vor?

Berlin. Experten sind sich sicher, dass Russland den Grundstein für eine mögliche Auseinandersetzung mit der Nato gelegt hat. Diese Hinweise gibt es.
Von Sina Heilmann, Redakteurin, Onlineredaktion
Nach Ansicht von Militärexperten verfolgt Russland derzeit eine systematische Strategie, um Druck auf Europa und die Nato auszuüben. © Sergey Bobylev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa | Sergey Bobylev

Die Analysten der US-amerikanischen Denkfabrik The Institute for the Study of War (ISW) haben eine Einschätzung veröffentlicht, in der sie darlegen, dass vieles dafür spricht, dass Russland mit der sogenannten Phase 0 begonnen hat. Nach Einschätzung des ISW legt diese erste Phase der russischen Planungen den Grundstein für eine mögliche zukünftige Auseinandersetzung mit der Nato.

Nach Ansicht der Experten verfolgt Russland derzeit also eine systematische Strategie, um Druck auf Europa und die Nato auszuüben – mit einer Mischung aus militärischen Innovationen, gezielter Desinformation und verdeckten Angriffen.

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Die jüngsten Entwicklungen ließen darauf schließen, dass Russland nicht nur langfristige Pläne verfolge, sondern auch taktische Maßnahmen beschleunige, um sowohl militärisch als auch psychologisch günstige Bedingungen zu schaffen, heißt es in der Analyse. Dabei zeige der Kreml eine zunehmend koordinierte Vorgehensweise, um Europa direkt und indirekt zu destabilisieren, das Vertrauen in die Nato zu schwächen und die öffentliche Unterstützung für die Ukraine zu untergraben. Das Ziel Russlands: Einfluss nehmen, Angst schüren und die eigenen strategischen Positionen langfristig sichern.

Auf diese Punkte stützen sich die Experten bei ihrer Analyse:

1. Falschmeldungen und psychologische Beeinflussung

Russland verfolgt eine umfassende Desinformationskampagne, die sich gegen westliche Staaten richtet. Am 6. Oktober beschuldigte der russische Auslandsgeheimdienst SVR Großbritannien, eine False-Flagg-Operation zu planen, bei der proukrainische Russen angeblich ein Schiff angreifen sollten. Solche Vorwürfe ergänzen eine Reihe ähnlicher Behauptungen gegen Länder wie Polen, Moldau und Serbien. Ziel dieser Falschmeldungen ist es, Misstrauen zu schüren und Russland selbst als Opfer darzustellen. Gleichzeitig sollen durch diese Narrative antibritische und antieuropäische Stimmungen im Inland verstärkt werden.

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2. Verdeckte Angriffe nehmen zu

In den letzten Wochen kam es verstärkt zu Drohnenvorfällen über europäischen Flughäfen wie in München und Oslo. Deutsche Behörden wiesen diese Vorfälle explizit Russland zu und unterstellten dem Kreml Spionageabsichten sowie den Versuch, Angst in der deutschen Bevölkerung zu verbreiten. Besonders schwerwiegend war die vorübergehende Schließung des Münchner Flughafens Anfang Oktober, als wiederholt nicht identifizierte Drohnen gesichtet wurden. Diese Vorfälle verdeutlichen, wie Russland die Stimmung innerhalb Europas gezielt zu beeinflussen versucht.

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3. Strategische Provokationen

Der Kreml streitet jede Verantwortung für Drohnenüberflüge ab und schlägt stattdessen provokante Töne an. Dmitri Medwedew, Vizechef des russischen Sicherheitsrats, formulierte kürzlich indirekte Drohungen gegenüber europäischen Regierungen: Europa solle den „wahren Geschmack von Kriegsgefahr“ spüren. Gleichzeitig werden Narrative einer westlichen Verantwortung für Provokationen verbreitet. Ziel ist nicht nur die Ablenkung von Russland als Aggressor, sondern auch der Versuch, europäische Unterstützung für die Ukraine und Nato-Anstrengungen zu untergraben.

4. Militärische Innovationen und Ausweitung von Angriffen

Am 5. Oktober setzten russische Streitkräfte erstmals eine Drohne mit Glasfasertechnologie und FPV-Funktion ein, um ukrainische Logistik in der Oblast Donezk gezielt zu stören. Diese Technologie verbessert die Widerstandsfähigkeit gegen elektronische Kriegsführung und ermöglicht präzisere Angriffe auf strategische Infrastrukturen. Berichten zufolge produziert Russland mehr als 50.000 solcher Drohnen pro Monat. Der Angriff auf Kramatorsk am 5. Oktober zeigt, dass Russland diese neuen Taktiken auch im großflächigen Einsatz testet.

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5. Zielgerichteter Aufbau militärischer Präsenz

Russland baut seine militärische Stärke an strategischen Punkten aus, etwa durch neue Militärstützpunkte an der Grenze zu Finnland oder die Umstrukturierung von Militärbezirken im Westen. Diese langfristigen Maßnahmen signalisieren mögliche Vorbereitungen auf potenziell größere Konflikte mit Nato-Staaten. Obwohl hierfür keine akute Eskalation absehbar ist, sind diese Schritte Teil einer umfangreichen strategischen Planung.

6. Angriffe auf die öffentliche Wahrnehmung und die Nato-Einheit

Mit verdeckten Operationen und gezielten Desinformationskampagnen will Russland die europäische Bevölkerung verunsichern. Durch die Streuung von Falschmeldungen und Provokationen versucht Russland, die Solidarität Europas mit der Ukraine zu untergraben und politische Zugeständnisse zu erzwingen. Ziel ist es, sowohl die Nato-Entschlossenheit als auch Maßnahmen zur europäischen Verteidigungsstärkung zu schwächen.

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Auch wenn derzeit keine unmittelbare Eskalation eines Nato-Konflikts absehbar sei, so die Analysten, verstärke Russland sowohl seine strategischen Vorbereitungen als auch die Bearbeitung der öffentlichen Wahrnehmung in Europa. Dabei setze Russland auf Desinformation, neue Technologien und psychologische Druckmittel, um langfristig eine mögliche Aggression zu legitimieren und Bedingungen zu schaffen, die eine Schwächung der Nato begünstigen könnten.

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