Syrien muss von der geflohenen Generation wieder aufgebaut werden
Johann „Jo“ Wadephul ist bekannt für seinen eigenen Kopf und gleichzeitig für manche in der Union eine „Loose Cannon“ im Auswärtigen Amt. So nennen Seeleute Schiffskanonen, die unkontrolliert über das Deck rollen und statt des Feindes die eigenen Leute gefährden.
Jetzt ist die Kanone Wadephul dem Bundesinnenminister über die Füße gerollt. Dass der CDU-Bundesaußenminister öffentlich infrage stellt, ob viele Syrer angesichts der Zerstörungen in ihre Heimat zurückkehren können, hat den CSU-Kollegen im Bundesinnenministerium kalt erwischt. Alexander Dobrindt verhandelt unter Hochdruck zu Abschiebungen und Rückführungen in das zerstörte Land und kann den Pessimismus des Kollegen dabei überhaupt nicht gebrauchen.
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Dobrindt – der bislang erfolgreichste und wichtigste Minister in der Truppe des Kanzlers – ist allerdings klug genug, sich in den aktuellen Streit nicht lautstark einzumischen. Er beißt die Zähne zusammen und macht einfach weiter.
Denn er weiß ganz genau, dass er bei seiner Politik der gezielten Rückführungen sowohl den Kanzler als auch eine breite Öffentlichkeit auf seiner Seite hat. Der Fluchtgrund Krieg ist zum Glück für die Menschen im Land nicht mehr aktuell und wer, wenn nicht junge Syrerinnen und Syrer, soll das zerstörte Land wieder aufbauen?
Dass man angesichts der schwierigen Verhältnisse in Syrien Rückführungen mit Augenmaß betreiben muss und nicht zuerst Familien mit Kindern vorsieht, versteht sich von selbst. Es ist richtig, zunächst mit Straftätern und Gefährdern zu beginnen. Dass hier Handlungsbedarf besteht, zeigt die jüngste Festnahme eines Syrers in Berlin, der Anschläge geplant haben soll.
