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Funke Mediengruppe
T-14 Armata

Putins Superpanzer wird gefleddert – Russlands Militär passt sich an

Moskau. Der T-14 galt als Wunderwaffe im Kampf gegen Leopard 2, Abrams & Co. Nun muss sich Russland den Realitäten auf den Schlachtfeldern stellen.
Von Philipp Luther, Online-Redakteur*in
Ein T-14 Armata fährt bei Proben zur propagandistischen „Siegesfeier“ durch Moskau (Archivbild). © IMAGO / Xinhua | Unbekannt
  • Der T-14 Armata gilt als Superpanzer der russischen Armee
  • Berichte zeigen, dass Russland auf eine Serienproduktion der vermeintlichen Wunderwaffe verzichtet
  • Schlüsseltechnologien sollen nun in die bestehende Panzerflotte integriert werden

Als er 2015 das erste Mal über den Roten Platz in Moskau rollte, da bebte nicht nur die Erde: Der T-14 Armata lehrte westliche Analysten und Medien das Fürchten. Denn der Superpanzer versprach nicht mehr, als eine neue Generation russischer T-Tanks, die den Panzern der Nato weit voraus war.

Besser bewaffnet, mit einem ferngesteuerten Turm, gut geschützter Crew und ausgerüstet mit fortschrittlicher Sensorik, schien das nur ein Jahr zuvor in die Krim eingefallene Russland eine Antwort auf Leopard 2, Abrams und Co. gefunden zu haben – freilich, das zeigte sich in den Jahren darauf, nur auf dem Papier.

Denn der T-14 mag seinen Kontrahenten auf dem Schlachtfeld voraus sein. Nur war die russische Rüstungsindustrie schlicht nie in der Lage, auch nur annähernd die geforderten Stückzahlen vom Band rollen zu lassen. Um die 20 der Fahrzeuge existieren heute, jedes ist ein von Hand zusammengeschraubtes Einzelstück. Serienproduktion auf industriellem Level: Fehlanzeige.

Als zu teuer erwies sich das Projekt, die Sensorik war ohnehin im Westen eingekauft und wegen immer strengerer Sanktionen nur noch schwer zu bekommen. Ein Parade-Panzer, der vor allem propagandistische Zwecke erfüllte.

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Briten rechneten fest mit dem Einsatz des T-14

Ironischerweise ist genau das der Grund, warum der vermeintliche Superpanzer nie wirklich zum Einsatz kam. Russland schickte den Panzer in den syrischen Bürgerkrieg, der ein Testlabor für Moskaus moderne Waffensysteme geworden war. Über Erprobungsfahrten ging der Einsatz wohl nicht hinaus.

Russische T-14 Panzer (im Vordergrund) rollen in Richtung Roter Platz (Archivbild). © DPA Images | Alexander Zemlianichenko

In der Ukraine spielte der T-14 dann gar keine Rolle mehr. Zu groß war die Gefahr, der Panzer könnte zerstört werden oder – schlimmer – beschädigt liegen bleiben und den Ukrainern in die Hände fallen.

Westliche Experten hätten das Fahrzeug dann eingehend studieren können, ein Risiko, das man im Kreml nicht gewillt war, einzugehen. Der Mythos wäre dahin gewesen. Zumal der Panzer nicht in erforderlicher Stückzahl nachproduzierbar ist.

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2024 dann war Schluss: Wie Sergej Tschemesow, Chef des staatlichen Rüstungskonzerns Rostec, gegenüber der Nachrichtenagentur RIA Nowosti erklärte, sei das Modell zwar technisch deutlich überlegen, für eine breite Verwendung im aktuellen Konflikt jedoch „zu teuer“.

Die russische Armee setze daher vorrangig auf den kostengünstigeren T-90, dessen Beschaffung derzeit wirtschaftlicher und effizienter sei als die Indienststellung des hochmodernen, aber kostspieligen Armata.

Dennoch hatten zumindest britische Militärs länger damit gerechnet, dass die Russen den Panzer doch noch in die Ukraine schicken würden. Das zumindest sagte unlängst ein Mayor Maguire dem „Business Insider“.

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Superpanzer könnte Technologiespender werden

Ganz umsonst waren die Jahre der Forschung und Entwicklung am T-14 Armata aber nicht. Anstatt auf eine kostspielige Serienfertigung zu setzen, plant Russland offenbar, Schlüsseltechnologien aus dem Projekt in die bestehende Panzerflotte zu integrieren.

Russische Medienberichte heben dabei insbesondere die Adaption der modernen 125-mm-Glattrohrkanone vom Typ 2A82 sowie des dazugehörigen Feuerleitsystems für den T-90M hervor. Durch eine höhere Mündungsgeschwindigkeit und verbesserte ballistische Eigenschaften verspricht dieses Upgrade eine gesteigerte Durchschlagskraft und höhere Präzision auf großen Distanzen.

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Militärisch ist dieser Schritt brisant: Die neue Bewaffnung würde die Mündungsgeschwindigkeit und Durchschlagskraft massiv erhöhen. Damit könnten russische Verbände versuchen, westliche Kampfpanzer bereits auf Distanzen zu bekämpfen, bevor diese ihre eigene Feuerkraft ausspielen können.

Experten werten dies als Versuch des Kremls, trotz wirtschaftlicher Engpässe eine qualitative Überlegenheit zu erzwingen, ohne das finanzielle Risiko der Armata-Produktion tragen zu müssen.

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