Was will Donald Trump mit Grönland? Es geht nicht nur um Bodenschätze
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US-Präsident Donald Trump legt im Streit um das zu Dänemark gehörende Grönland nach: Er droht damit, auch einen US-Militäreinsatz zu befehlen, um die Kontrolle über die riesige Arktis-Insel zu erlangen. In der Bundesregierung und anderen europäischen Hauptstädten herrscht Alarmstimmung – denn sollten die USA als Führungsmacht der Nato das Territorium eines Nato-Partners angreifen, dann wäre das Bündnis am Ende, so die Einschätzung in Berliner Regierungskreisen.
Trump will die Insel unbedingt, würde aber eine nichtmilitärische Lösung bevorzugen. Sein Außenminister Marco Rubio hat US-Abgeordneten offenbar am Montag vertraulich erklärt, dass die jüngsten Drohungen keine militärische Invasion signalisieren sollten, das Ziel sei ein Kauf Grönlands. Aber was macht die abgelegene und unwirtliche Insel, die zu 80 Prozent von einem Eispanzer bedeckt ist, so attraktiv? Warum will Trump, dass Grönland Teil der USA wird?
Sicherheit: Grönland ist strategisch wichtig
Die Arktis – und damit auch Grönland – wird zunehmend zum Brennpunkt geopolitischer Rivalität der USA mit Russland und China – und damit potenziell zum Konfliktgebiet. Grönland, das größte Eiland der Erde, war auch schon bisher wichtig für die nationale Sicherheit der USA: Der kürzeste Weg für russische und chinesische Atomraketen zur amerikanischen Ostküste führt über den Nordpol und direkt über die Insel. Die USA betreiben deshalb schon seit Anfang des Kalten Krieges eine Luftwaffenbasis im Nordwesten Grönlands, den Weltraumstützpunkt Pituffik, der einen Teil des amerikanischen Raketen-Frühwarnsystems beherbergt.
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Zugleich spielt die sogenannte Grönland-Island-Großbritannien-Lücke (GIUK) im Atlantik eine zentrale Rolle für die USA – hier wird der Zugang auch von U-Booten in den Nordatlantik Richtung der amerikanischen Ostküste kontrolliert. Die USA verfolgen mit Argwohn, wie sich russische U-Boote in Gewässern um Grönland bewegen. Russland hat schon 2007 begonnen, seine militärische Präsenz in der Arktis auszubauen. Hinzu komme nun das wachsende Engagement Chinas, heißt es in einer Studie des Berliner Thinktanks Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Washington hat sich von Dänemark schon vor vielen Jahren ein umfassendes Recht auf Militärpräsenz zusichern lassen – während des Kalten Krieges schoben hier 10.000 US-Soldaten Dienst, aktuell sind es nur knapp 200.
Trump sagt: „Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit.“ Dänemark könne die Insel nicht verteidigen. Das stimmt. Derzeit verfügt Dänemark in Grönland über vier veraltete Inspektionsschiffe, ein Challenger-Überwachungsflugzeug und ein Dutzend Hundeschlittenpatrouillen für ein Gebiet, das sechsmal so groß ist wie Deutschland. Im Ernstfall wäre aber ohnehin die gesamte Nato gefordert. In europäischen Regierungen wird bereits diskutiert, eigene Truppen zu stationieren. Militärexperten in Washington warnen Trump vor einer Fehlkalkulation: Die größte Sicherheitsbedrohung für die USA in der Arktis gehe gar nicht von der Atlantikküste um Grönland aus, sondern von der Pazifikküste, von den Zugängen nach Alaska.
Wirtschaft: Die neuen Seewege durch die Arktis
Noch sind die arktischen Seewege – Nördliche Seeroute, Transpolare Route und Nordwestpassage – von Meereis bedeckt und deswegen für die kommerzielle Schifffahrt zu schwierig zu passieren. „Aber aufgrund der fortschreitenden Erwärmung wird in naher Zukunft ein eisfreier Arktischer Ozean realistisch“, erklärt Michael Paul, Arktis-Experte der SWP. Arktische Passagen werden demnach in Zukunft eine kostengünstigere und schnellere atlantisch-pazifische Verbindung zwischen Asien, Europa und Nordamerika ermöglichen. Vor 18 Monaten hat das US-Verteidigungsministerium den Sommer 2030 als mögliches Datum einer eisfreien Arktis genannt. Damit wird zwar nicht gleich ein reibungsloser Seeverkehr im Arktischen Ozean möglich.
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Aber wirtschafts- wie sicherheitspolitisch würden die Gewässer im Nordpolarraum als Verbindungsweg auch für nicht-arktische Akteure relevant, so die SWP-Studie. China plant eine „polare Seidenstraße“ und investiert viele Milliarden in die Infrastruktur und Anlagen der Arktis. Die Nordwestpassage durch den kanadischen Archipel ist zunehmend schiffbar, auf der Nordostpassage entlang der russischen Küste bringen schon jetzt im Hochsommer Dutzende Frachtschiffe russisches Öl und Gas nach China. Wenn in einigen Jahren das Eis im Sommer fast vollständig geschmolzen ist, würde die kürzeste Frachtroute zwischen Ostasien und Nordeuropa direkt durch die Arktis führen.
Bodenschätze: Grönland ist reich an Seltenen Erden
Grönland besitzt die größten bekannten Vorkommen an Seltenen Erden außerhalb Chinas sowie einige der größten unerschlossenen Nickel- und Kobaltreserven der Nordhalbkugel. Von den 50 Mineralien, die die US-Regierung als „kritisch“ einstuft, befinden sich 43 in Grönland. Hinzu kommen große Ölvorkommen, deren Erkundung jahrzehntelang erfolglos blieb und für die eine Förderung wegen Umweltbedenken inzwischen verboten ist. Die Bodenschätze sind weitgehend nicht erschlossen, viele liegen unter Eis, es gibt kaum Straßen. Auch China zeigt aber schon großes Interesse, den Schatz zu heben, stieß in Grönland allerdings bisher auf politische Widerstände und finanzielle Probleme.
Geschichte: Trump will schaffen, wo Vorgänger versagten
Die USA haben eine lange Geschichte des Landkaufs: Mehr als zwei Fünftel ihres heutigen Territoriums erwarben sie auf diesem Weg. Schon der 17. Präsident, Andrew Johnson, versuchte 1867, Grönland von Dänemark zu kaufen – ein Deal über 5 Millionen Dollar war schon weit gediehen. 1946 bot Washington unter Präsident Harry Truman nach heutigem Wert rund eine Milliarde Dollar an, auch ein Pachtvertrag über 99 Jahre war im Gespräch. Alles vergeblich. Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit Dänemark massiv zum Verkauf gedrängt und mit hochrangigen Beratern und Experten Pläne für den Deal erörtert. Jetzt soll er seine Mitarbeiter beauftragt haben, ein aktualisiertes Konzept zu erarbeiten. Doch lässt Trump seine Sprecherin Karoline Leavitt auch mit Gewalt drohen, um „das wichtige außenpolitische Ziel“ zu erreichen: Eine Reihe von Optionen würden erörtert, „und selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung“.
Das müsste Trump für Grönland bezahlen
Auch wenn die dänische Regierung immer wieder klarstellt, dass sie Grönland niemals verkaufen werde, gibt es seit Trumps ersten Ambitionen Schätzungen: Berechnungen auf Grundlage der Wirtschaftskraft kamen vor einiger Zeit auf etwa 50 Milliarden Dollar, doch dürfte das eher das absolute Minimum sein. Häufiger halten Experten einen Preis in der Größenordnung von 500 Milliarden Dollar für angemessen. Ein Team der „Financial Times“ taxierte die Insel auf etwa 1,1 Billionen Dollar, eingerechnet den Wert potenzieller Ölfelder (mindestens 300 Milliarden Dollar), Vorkommen an Seltenen Erden (600 Milliarden Dollar) und Immobilien (200 Milliarden).
