Bauernopfer Bovino: Trump zieht ICE-Chef ab – doch das System bleibt
Es ist ein Bauernopfer, mehr noch nicht. Greg Bovino, das Gesicht der Trumpschen Menschenfänger-Kampagne gegen Einwanderer ohne Aufenthaltsrecht (ICE genannt), ist nach dem zweiten tödlichen Einsatz seiner Untergebenen in Minneapolis in die Wüste geschickt worden. Die Abberufung des geltungssüchtigen Kommandanten ist der Versuch eines Entlastungsangriffs.
Nach dem von schießwütigen ICE-Agenten herbeigeführten Tod von Renee Good und Alex Pretti drohte der Präsident vollends den Rückhalt von republikanischen Abgeordneten, Geldgebern, Verbündeten, Wirtschaftsbossen und weiten Teilen der Öffentlichkeit für seine Abschiebungspolitik zu verlieren. ICE, das hat Trump verstanden, würde ihn und die „Grand Old Party“ bei den Kongresswahlen im Herbst kalt erwischen, wenn die Spirale aus staatsterroristischer Brutalität nicht durchbrochen wird, die von der Einwanderungspolizei erzeugt wurde.
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Aber Bovino ist nur ein kleines Licht. Heimatschutzministerin Kristi Noem, die seit Monaten untragbar ist und Unsägliches sagt, müsste ebenfalls gehen. Aber auch dann ist noch keine Ruhe. Solange Stephen Miller, der Fremdenhasser vom Dienst im Weißen Haus, Vize-Stabschef des Präsidenten und Architekt der ICE-Abschiebungsmaschine, weiter sein intellektuelles Gift verspritzen darf, wird sich substanziell nichts ändern.
Er ist es, der ICE eine tägliche Fangquote von 3000 Menschen vorgegeben hat, damit Trumps Ziel einer millionenfachen Abschiebung annähernd erreichbar ist. Deshalb, und nur deshalb, kommen Tausende Einwanderer, die strafrechtlich de facto unbescholten sind, in die Rasterfahndung. Womit man beim Kern wäre: Donald Trump. Ohne einen radikalen Kurswechsel des Präsidenten, der breite Zustimmung erführe, würde er sich allein auf die Ergreifung von schwerkriminellen Ausländern konzentrieren, werden sich Szenen wie die aus Minneapolis wiederholen.
