Mehr Gewalt in Kitas: Unter diesen Umständen kein Wunder
Fast doppelt so viele gemeldete Fälle von Gewalt in nordrhein-westfälischen Kitas in nur einem Jahr! Da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Mag sein, dass das Land jetzt die gemeldeten Fälle mit modernen Online-Werkzeugen besser auswerten kann als früher. Mag sein, dass alle ein bisschen aufmerksamer hinschauen und daher das Hellfeld größer und das Dunkelfeld kleiner wird.
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Aber machen wir uns nichts vor: Wenn die Umgangsformen in der ganzen Gesellschaft rauer werden, die Gräben zwischen Kollegen, Nachbarn sogar in Familien tiefer, dann wäre es ein Wunder, wenn das nicht auf die Kitas durchschlüge.
Weniger Betreuungs-Qualität ist ein schlechtes Rezept gegen Gewalt
Und die Kita ist zudem alles andere als ein stressarmer Ort. Erzieherinnen und Erzieher arbeiten am Limit und sogar darüber hinaus. Eltern wissen nicht, ob sie sich auf die Öffnungszeiten verlassen können oder ob mal wieder eine Gruppe kurzfristig geschlossen wird. Und die Kinder selbst? Benötigten mehr Fürsorge, Zeit, Anleitung, Begleitung, Schlichtung, als das angeschlagene „System Kita“ ihnen bieten kann.
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Die Frage drängt sich auf, ob das geplante und umstrittene Kinderbildungsgesetz (Kibiz) diese Lage noch verschärfen wird. Immerhin ist im Gesetzentwurf von Betreuung in „Kern- und in Randzeiten“ die Rede, wobei Randzeiten einfach heißt: weniger professionelle Betreuung zu Beginn und am Ende des Kita-Tages. Und die Gruppen würden in Ausnahmefällen noch größer als heute. Das mag den Kita-Trägern mehr Gelegenheiten verschaffen, Lücken zu stopfen und den Betrieb aufrecht zu erhalten. Aber für Kinder, die Erziehung offenbar mehr denn je benötigen, sind das keine guten Aussichten. Gewaltprävention sieht anders aus.
