Atomwaffen: Das Risiko steigt, dass irgendwer irgendwann einen Fehler macht
Das letzte Atom-Abrüstungsabkommen zwischen den Nuklearsupermächten Russland und den USA läuft am Donnerstag aus. Ein neuer Vertrag zur Eindämmung eines möglichen neuen atomaren Wettrüstens liegt nicht zur Unterzeichnung vor. Das sind schlechte Nachrichten.
„New Start“ war kein Wundermittel, um die Welt zu retten. Im Vertrag hatten sich beide Seiten verständigt, maximal 1550 einsatzbereite strategische Atomgefechtsköpfe im jeweiligen Arsenal zu belassen. Auch das reicht aus, um die Erde in radioaktiv verseuchtes Ödland zu verwandeln. „New Start“, im April 2010 von den damaligen Staatschefs Barack Obama und Dmitri Medwedew unterzeichnet, war vor allem eine vertrauensbildende Maßnahme.
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Dass dieses Abkommen nun ohne Nachfolgevereinbarung ausläuft, ist symptomatisch für eine Welt, in der internationales Regelwerk zunehmend erodiert und kurzfristige taktische Deals nachhaltige strategische Abkommen ersetzen. Das nukleare Wettrüsten hat ohnehin in den vergangenen Jahren eine neue Dynamik bekommen.
Die USA investieren in den kommenden zehn Jahren fast eine Billion Dollar in die Modernisierung ihres Arsenals, China als neue nukleare Supermacht erweitert seine atomaren Fähigkeiten. Russland hat im Verlaufe des Ukraine-Krieges wiederholt mit dem Einsatz taktischer Atomwaffen gedroht. Frankreich, Großbritannien und Deutschland denken über einen europäischen Atomschirm nach. Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel sind nuklear bewaffnet, das iranische Atomprogramm läuft weiter. Je mehr Staaten Atomwaffen besitzen und je intransparenter die Aufrüstung verläuft, desto größer ist das Risiko, dass irgendwer irgendwann einen Fehler macht.
