Gewalt gegen Schaffner, Pfleger, Polizisten: Die verrohte Republik
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Das sind Meldungen aus den vergangenen zwei Wochen: Ein 36-jähriger Zugbegleiter stirbt an Hirnblutungen, nachdem ihn ein Fahrgast in einem Regionalexpress in Rheinland-Pfalz bei der Ticketkontrolle mit Faustschlägen malträtiert hatte. Bei Ausschreitungen rund um das Zweitliga-Fußballspiel zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden werden 75 Polizisten verletzt, einige davon schwer. In Berlin beklagt die Chefin der Stadtreinigung, dass ihre Mitarbeiter auf Recyclinghöfen und anderswo immer häufiger Drohungen, tätlicher Gewalt oder Belästigungen ausgesetzt seien.
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Einsatzkräfte werden zu Opfern: Regierung plant höhere Strafen
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Es geht nicht um Anekdoten, sondern um Entwicklungen, die sich statistisch belegen lassen: In Deutschland nimmt die Gewalt gegen Einsatzkräfte und Beschäftigte öffentlicher Dienstleister dramatisch zu. Dafür braucht es nicht einmal Ausnahmesituationen wie Silvesternächte oder Demonstrationen. Wer Dienstkleidung trägt, sei es als Polizistin, Sanitäter, Schaffner, Busfahrerin, Pflegerin oder Müllmann, der muss damit rechnen, verbaler und körperlicher Gewalt ausgesetzt zu sein. Nach der Verrohung der öffentlichen Debatte verroht auch der Alltag. Das ist unerträglich.
Die Bundesregierung plant höhere Strafen bei Gewalt gegen Einsatzkräfte. Das entspricht dem allgemeinen Rechtsempfinden. Ob es Täter von ihrem Tun abhält, sei dahingestellt. Man kann viel unternehmen, etwa Wachen und Züge mit mehr Personal ausstatten oder Beschäftigte mit Bodycams. Aber auch das wirkt nur begrenzt. Zur Wahrheit gehört: Absolute Sicherheit kann es nicht geben. Wenn es gelänge, Gewalt und Übergriffe einzudämmen, wäre das schon ein Erfolg.
